das was du schreibst, ist sehr interessant. Ich lasse mal den Unter- oder Überbau weg (Verweise auf Polany und Hartmann) und schaue nur, was ich spannend finde, nämlich die Frage: „Mit welcher Q u a l i t ä t von Mustern haben wir es in der Didaktik zu tun? Ich sage deshalb Qualität, weil der Musterbegriff offenbar im wissenschaftlichen Diskurs die „Ebenenproblematik“ nur unzureichend berücksichtigt und es deshalb zu Kategoriefehlern kommt (Analyse-, Beschreibungs- und Lösungsebene). Der Begriff des Musters (Pattern) hilf also ohne Zusatzerläuterung nicht so viel, weil j e d e s Erkennen in den Disziplinen Musterbildung ist.
Mit dem Begriff der Emergenz zeigst du meines Erachtens auf etwas Wichtiges, nämlich, dass das Neue aus dem räumlich-zeitlichen Zusammenspiel (Konfiguration) von Elementen-(Eigenschaften) „auf einer höheren Ebene“ entsteht, das Neue also „zwischen“ den Elementen und im Prozessieren „steckt“ – dein Beispiel mit der Wasserstoffbrückenbindung wäre ein (statisches) Beispiel, ein dynamisches wäre eine Lehrer-Schüler-Situation.
Das (erkenntnistheoretische) Problem ist nun, dass das Neue einerseits in seinem statischen Ausgangszustand (Design) nicht oder nur virtuell enthalten ist, und andererseits kann man es in seinem dynamischen Zielzustand (situative Konfiguration) schwer erkennen/analysieren. Jeder der sich schon einmal mit dem Spiel (als kulturelles Phänomen) beschäftigt hat, wird das wissen. Bezogen auf die Didaktik gilt Analoges: Zwar können wir die Elemente und (analytischen) Schichtungen beim Lehren und Lernen benennen, aber wir haben noch wenig Ahnung von dem sinnvollen, d.h sinnstiftenden, funktionalen, stabilen Zusammenspiel von didaktischen Elementen über die Zeit und im Raum.
Und hier kommt (wieder) ein neuer Begriff ins Spiel, den wir in Augsburg gern verwenden, nämlich den der Kohärenz (Gabi hat in ihrem Lehrbuch 05 darauf verwiesen, wir haben aber auch im Zusammenhang mit dem Analogietraining davon gesprochen). Ich habe bisher die Metapher des „Zusammenspiels“ verwendet, um diese besondere, weil dynamische! Interaktionsqualität zu beschreiben. Nimmt man den Kohärenzbegriff zu Hilfe, dann wird damit (a) auf die Korrelationseigenschaft (von didaktischen Elementen) verwiesen und (b) auf die besonderen Bedingungen, die zwischen den Elementen vorliegen müssen, nämlich „Phasengleichheit“ oder weniger physikalisch, dynamische „Passung“, also „Stimmigkeit“ im Prozess.
Man merkt an der Häufigkeit der Anführungszeichen, dass ich mich von der Metapher zum unbestimmten Begriff rette, also vage bleibe. Mir ist noch nicht klar, wo man sich mehr Anregung holen kann: (a) in der Physik, wo dieser Begriff schon ausgearbeitet ist http://de.wikipedia.org/wiki/Koh%C3%A4renz_(Physik), kritisch hier: http://209.85.129.132/search?q=cache:b0fID9Cqi58J:www.physikdidaktik.uni-karlsruhe.de/altlast/57.pdf+koh%C3%A4renz&cd=9&hl=de&ct=clnk&gl=de&client=firefox-a (Problem der Rückübersetzungsproblem) oder (b) in der Linguistik http://www.fb10.uni-bremen.de/khwagner/lektuerekurs/textwiss/kohaerenz.htm, wo man sehr eng am Textverstehen arbeitet ohne höhere Organsiationsebenen zu betrachten oder (c) z.B. bei Lissack, der Kohärenz als Lösungspfad in Zusammenhang mit Komplexität empfiehlt (The next common sence – Lissack/Roos - 2000).
Nach meinen Anmerkungen bin ich mir nicht sicher (schon wieder nicht), was eine Muster-, Emergenz- oder Kohärenzdiskussion „bringen“ soll. Du schreibst sieben philosophische Fragestellungen auf, alle klingen reizvoll. Nur: hat man am Ende wirklich mehr Klärung oder wie du anderswo schreibst eine "einfachere Fragestellung"? Handelt man sich durch die Übernahme (Analogie!) von meist naturwissenschaftlichen Begriffen (hier taugen sie ja was) in den sozialen und vor allem psychologisch-pädagogischen Kontext nicht viele Probleme ein? Das ist kein Plädyer für Trivialitäten, sondern ich frage mich, ob uns diese „Brillen“ aus Architektur (Muster, Entwürfe), Physik (Emergenz), Chemie (dissipitative Struktur, Fluktuation) etc. – so spannend dies alles ist - nicht mehr die Sicht verstellen, als dass sie uns helfen, besseren Unterricht zu machen.
Lieber Peter,
das was du schreibst, ist sehr interessant. Ich lasse mal den Unter- oder Überbau weg (Verweise auf Polany und Hartmann) und schaue nur, was ich spannend finde, nämlich die Frage: „Mit welcher Q u a l i t ä t von Mustern haben wir es in der Didaktik zu tun? Ich sage deshalb Qualität, weil der Musterbegriff offenbar im wissenschaftlichen Diskurs die „Ebenenproblematik“ nur unzureichend berücksichtigt und es deshalb zu Kategoriefehlern kommt (Analyse-, Beschreibungs- und Lösungsebene). Der Begriff des Musters (Pattern) hilf also ohne Zusatzerläuterung nicht so viel, weil j e d e s Erkennen in den Disziplinen Musterbildung ist.
Mit dem Begriff der Emergenz zeigst du meines Erachtens auf etwas Wichtiges, nämlich, dass das Neue aus dem räumlich-zeitlichen Zusammenspiel (Konfiguration) von Elementen-(Eigenschaften) „auf einer höheren Ebene“ entsteht, das Neue also „zwischen“ den Elementen und im Prozessieren „steckt“ – dein Beispiel mit der Wasserstoffbrückenbindung wäre ein (statisches) Beispiel, ein dynamisches wäre eine Lehrer-Schüler-Situation.
Das (erkenntnistheoretische) Problem ist nun, dass das Neue einerseits in seinem statischen Ausgangszustand (Design) nicht oder nur virtuell enthalten ist, und andererseits kann man es in seinem dynamischen Zielzustand (situative Konfiguration) schwer erkennen/analysieren. Jeder der sich schon einmal mit dem Spiel (als kulturelles Phänomen) beschäftigt hat, wird das wissen. Bezogen auf die Didaktik gilt Analoges: Zwar können wir die Elemente und (analytischen) Schichtungen beim Lehren und Lernen benennen, aber wir haben noch wenig Ahnung von dem sinnvollen, d.h sinnstiftenden, funktionalen, stabilen Zusammenspiel von didaktischen Elementen über die Zeit und im Raum.
Und hier kommt (wieder) ein neuer Begriff ins Spiel, den wir in Augsburg gern verwenden, nämlich den der Kohärenz (Gabi hat in ihrem Lehrbuch 05 darauf verwiesen, wir haben aber auch im Zusammenhang mit dem Analogietraining davon gesprochen). Ich habe bisher die Metapher des „Zusammenspiels“ verwendet, um diese besondere, weil dynamische! Interaktionsqualität zu beschreiben. Nimmt man den Kohärenzbegriff zu Hilfe, dann wird damit (a) auf die Korrelationseigenschaft (von didaktischen Elementen) verwiesen und (b) auf die besonderen Bedingungen, die zwischen den Elementen vorliegen müssen, nämlich „Phasengleichheit“ oder weniger physikalisch, dynamische „Passung“, also „Stimmigkeit“ im Prozess.
Man merkt an der Häufigkeit der Anführungszeichen, dass ich mich von der Metapher zum unbestimmten Begriff rette, also vage bleibe. Mir ist noch nicht klar, wo man sich mehr Anregung holen kann: (a) in der Physik, wo dieser Begriff schon ausgearbeitet ist http://de.wikipedia.org/wiki/Koh%C3%A4renz_(Physik), kritisch hier: http://209.85.129.132/search?q=cache:b0fID9Cqi58J:www.physikdidaktik.uni-karlsruhe.de/altlast/57.pdf+koh%C3%A4renz&cd=9&hl=de&ct=clnk&gl=de&client=firefox-a (Problem der Rückübersetzungsproblem) oder (b) in der Linguistik http://www.fb10.uni-bremen.de/khwagner/lektuerekurs/textwiss/kohaerenz.htm, wo man sehr eng am Textverstehen arbeitet ohne höhere Organsiationsebenen zu betrachten oder (c) z.B. bei Lissack, der Kohärenz als Lösungspfad in Zusammenhang mit Komplexität empfiehlt (The next common sence – Lissack/Roos - 2000).
Nach meinen Anmerkungen bin ich mir nicht sicher (schon wieder nicht), was eine Muster-, Emergenz- oder Kohärenzdiskussion „bringen“ soll. Du schreibst sieben philosophische Fragestellungen auf, alle klingen reizvoll. Nur: hat man am Ende wirklich mehr Klärung oder wie du anderswo schreibst eine "einfachere Fragestellung"? Handelt man sich durch die Übernahme (Analogie!) von meist naturwissenschaftlichen Begriffen (hier taugen sie ja was) in den sozialen und vor allem psychologisch-pädagogischen Kontext nicht viele Probleme ein? Das ist kein Plädyer für Trivialitäten, sondern ich frage mich, ob uns diese „Brillen“ aus Architektur (Muster, Entwürfe), Physik (Emergenz), Chemie (dissipitative Struktur, Fluktuation) etc. – so spannend dies alles ist - nicht mehr die Sicht verstellen, als dass sie uns helfen, besseren Unterricht zu machen.
Grüße aus WOR, Frank