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Wissenschaftliches Arbeiten = Beiträge rund um das Thema: Methoden, Techniken und Werkzeuge des wissenschaftlichen Arbeitens, Studieren und Forschen mit dem Internet, Veränderungen der wissenschaftlichen Arbeitsweise durch Web 2.0, Cyberscience…

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LaTeX am Mac

Bericht eines blutigen Anfängers

LaTeX1
LaTeX2

Mit einem halben Jahr Verspätung habe ich nun jetzt endlich wieder die Arbeiten am Wissenschaftlich.Arbeiten.Buch aufgenommen (siehe dazu auch meinem Beitrag vom April 2007). Ich habe mir die Zeit um die Weihnachtsfeiertage so gelegt, dass ich zumindest 10 Tage komplett frei für die Arbeiten daran habe. (Wie meistens wenn ich mich auf inhaltliche Arbeiten konzentriere, habe ich das regelmäßige Bearbeiten meiner Mails mal für einige Tage suspendiert. Über 200 Mails warten -  und müssen es auch weiterhin tun ...) auf ihre Bearbeitung. Das Bearbeiten von Mails holt mich immer auf die aktuelle Tagesaktivität "herunter" und verhindert sowohl durch den hohen Zeitverlust - aber auch durch die gedanklichen "Verwicklungen" – die Konzentration auf großräumige wie auch spezialisierte Gedankengänge.)

Beim Zusammenstellen der Vorarbeiten und beim Hineinarbeiten – um wieder auf dem letzten inhaltlichen Stand zu kommen - ist gleich zu Beginn ein technisches Problem entstanden: Meine bisherige Version von FrameMaker (Version 7) verlangt Mac OS 9, das aber unter meinem neuen Intel-Rechner nicht mehr lauffähig ist. Die neuere Version 8 hingegen ist auf Mac OS X nicht lauffähig. Zwar könnte ich irgendwie ein Arbeiten mit FrameMaker organisieren (z.B. alten Rechner, auf dem OS 9 noch läuft oder aber Nutzung der Windowsversion unter Parallel Desktop, das ich bereits installiert habe und für "Notfälle" verwende), aber so richtig Freude kommt da irgendwie nicht auf. Das scheint mir alles keine zukunftsträchtige, dem Mac entsprechende, Lösung zu sein. Ich muss mich also nach neuen bzw. anderen Möglichkeiten umschauen. Und in diesem Zusammenhang bin ich  (wieder einmal) auf LaTeX gestossen.

Früher habe ich davon - wegen der anscheinend großen Komplexität dieser Software - Abstand genommen. Aber in meiner aktuellen Not schien mir ein (neuerlicher) Versuch die Zeit wert. Noch habe ich kein abschließendes Urteil, weil mir die praktische und vor allem "reale" Erfahrung der Fertigstellung eines umfangreichen und vom Format her komplexen Buches samt Index, Sach- und Stichwortverzeichnisses noch fehlt. Was ich aber schon jetzt sagen kann: Die Installation und der (Lern-)Beginn gestalten sich (bisher) überaus einfach und sehr komfortabel:

Installation und erste Schritte mit TeXShop:

  1. Gehe zur offiziellen LaTeX-Website.
  2. Verzweige von dort auf die MacTex-Distribution, die Website zum Download für die Mac-Version.
  3. Lade Dir das MacTex-2007 Package herunter. Es ist komplett und inklusiert daher alle notwendigen Komponenten (inkl. Mac-Installer Software). Es ist ein großer Download von über 800 MB, der natürlich etwas Zeit beansprucht.
  4. Lies Dir in der Zwischenzeit den WelcomeToTeX Foliensatz durch.
  5. Entpacke das Image und installiere die Software auf Deinem Rechner. Die einfache (komplette) Installation erfordert 1,6 GB Platz auf der Festplatte. Du kannst das mit installierte Read-Me File überspringen: Alle notwendigen Pfade sind bereits vor installiert.
  6. Starte TeXShop, den Editor für Mac.
    1. Hole Dir unter der Hilfe den Einführungstext "First Steps with TeXShop" von Richard Koch und lies Dir die ersten beiden Seiten durch - d.h. bis inkl. Kapitel 6.
    2. Sieh Dir unbedingt die beiden TeXShop-Demos (Video-Tutorials, die sich ebenfalls unter der Hilfe befinden) an und experimentiere parallel gleich mit Deiner Installation auf Deinem Rechner.

Viola! Das war es von der Bedienung des Editors her. Das Ganze hat kaum mehr als eine Stunde gedauert. Fortgeschrittene Eigenschaften des Editors hebe Dir für später auf.  Nun geht es um das - viel härtere und weit Zeit aufwändigere Lernen von LaTeX selbst!

Erste Schritte mit LaTeX selbst

  1. Hol Dir - noch immer unter dem Menüpunkt "Hilfe" im Programm TeXShop – die Datei "First Steps with General Typesetting" ebefalls von Richard Koch.
  2. Dort findet sich der wichtige Hinweis zu weiteren LaTeX Dokumentationen.
  3. Besonders wichtig ist der Einführungstext "The Not So Short Introduction To LaTeX 2€ or LaTeX in 138 minutes" (pdf, 2.2 MB) von Tobias Oetiker. Mit den 138 Minuten sind 138 reine Textseiten gemeint (= inkl. Index, Inhaltsverzeichnis insgesamt 152 Seiten) Interessanterweise wurde der Text auf Grund einer deutschsprachigen Kurzfassung (pdf, 372 kB) von österreichischen AutorInnen aktualisiert, wovon ich einen davon - nämlich Irene Hyna – persönlich kenne!

Nach etwa 8 Stunden war ich in der Lage recht komplexe Texte zu schreiben, d.h. Texte mit einem Inhaltsverzeichnis, Einfügen von Grafiken und Dateien. Dabei war es notwendig immer wieder zwischen den Möglichkeiten die TexShop bietet (= das Nutzen gewisser Trricks beim Editieren bei längeren z.T. fehlerhaften Texten) und dem Manual "The Not So Short Introduction" hin und her zu springen. Eine besondere Schwierigkeit, die es zu überwinden gab, war das Wechseln der Fonts und die Verwendung von Unicode, damit ich die deutschen Umlaute ganz normal von der Tastatur eingeben konnte. Die Schwierigkeiten entstanden vor allem dadurch, dass es für die neueren (einfacheren) Möglichkeiten, noch keine geeigneten Tutorials gibt. Vieles was früher als problematisch und kompliziert galt,  war nämlich bereits als fertiges Pakete installiert. (z.B. eben auch die letztlich recht einfache Verwendung der Apple Fonts und des Unicodes durch XeLatex. )

Das Programmpaket ist letztlich natürlich sehr komplex, kann aber typographisch alles, was das Herz begehrt. Der scheinbare Nachteil, dass LaTeX kein WYSIWYG-Editor ist (What You See Is What You Get), ist nicht wirklich ein Problem: Es lässt sich nämlich recht schnell das entsprechende PDF kompilieren, so dass man immer gleich eine Vorstellung bzw. Kontrolle hat, wie das Endprodukt aussieht.



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LaTeX: Der Stoff aus dem meine Träume (der letzten Tage) sind

Von LateX, ConteXt, TeTeX und anderem Ungeziefer

Das LaTeX Buchset
Wealth ot Networks
Success of OS
TeXShop UI-Beispiel
LyX UI-Beispiel

Der nachfolgende Beitrag war ursprünglich als eine Zusammenfassung meiner ersten Erfahrungen mit LaTeX geplant. Beim Schreiben aber hat er sich nach allen Richtungen ausgedehnt: Ausgehend von einem speziellen Problem der Literaturverwaltung habe ich begonnen über allgemeine Problemen von Open Source Software und einer (angedeuteten) Kritik an der kapitalistischen Produktionsweise zu reflektieren und dabei auch Literatur verarbeitet, die ich in den letzten beiden Monaten gelesen habe. So ist der Beitrag zu einem Rundumschlag, zu einem sich nach allen Seiten ausdehnendes Ungeheuer geworden: Mir aber haben diese Reflexionen Spass gemacht und vielleicht gefallen sie Ihnen auch?

Die letzten Tage (und Nächte!) war ich damit beschäftigt mich in LaTeX einzuarbeiten. Deshalb der etwas zweideutige Titel dieses Beitrages. Nach einer anfänglichen Euphorie sind nun in den "Niederungen" des Arbeitsalltags die ersten praktischen Probleme aufgetaucht. Die Suche nach Abhilfen hat interessante Lösungsmuster ergeben, die weit über das direkte Problem mit LaTeX hinausgehen und wahrscheinlich für Open Source Software generell typisch sind.


Literaturverwaltung als Beispiel

Als Ausgangsbeispiel für meine Überlegungen dient das Generieren eines Literaturverzeichnisses. Das ist für mich ein essentielles Problem: Meine über 3.000 Einträge (!)) verwalte ich mit EndNote. Das komfortable Zusammenspiel meiner Bibliografie-Software mit einem neuen Texteditor ist für mich daher sehr wichtig.
Konkret geht es für mich vor allem darum, dass die Software zur Literaturverwaltung das Einfügen von Kurzbelegen in den Text so automatisieren soll, dass daraus die vollständige Biografie mit allen Schikanen erstellt werden kann. "Mit allen Schikanen" heißt:

  • Das ständig neue händische Eintippen von Literaturquellen, die sich ja in verschiedenen Beiträgen häufig wiederholen, sollte vermieden werden. Einmal in der Datenbank eingetragen, sollen die erfassten Detailinformationen immer wieder verwendbar sein.
  • Die Formatierung des Kurzbelegs sowie auch der automatisch generierten Bibliografie muss dabei leicht an die speziellen Erfordernisse des jeweiligen Verlegers angepasst werden können. Das geschieht dadurch, dass es entsprechende Dateien für Zitierstile gibt, die automatisch die gewünschte Formatierung erzeugen. Wenn eine solche Datei nicht vorhanden ist, sollte sie selbst leicht erstellt werden können.
  • Jeder Kurzbeleg muss eindeutig einer Literaturquelle in der Literaturliste entsprechen. Das manuelle Kontrollieren am Ende des Schreibprozesses kann damit entfallen. Sowohl das Erscheinen einer überflüssigen (weil im Text dann der entsprechende Kurzbeleg entfernt wurde) aber vor allem das Fehlen einer Quellenangabe sollte der Vergangenheit angehören. Die eindeutige Referenzierung ist im speziellen Detail manchmal gar nicht trivial, so z.B. wenn im Text auf unterschiedliche Beiträge desselben Autors im selben Jahr referenziert wird. Dann sollte die Software ein "a" bzw. "b" die Jahreszahl im Kurzbeleg einfügen wie Z.B. (Baumgartner 2007a) und (Baumgartner 2007b).

Gerade weil Endnote – nach einigem Herumfummeln und Lesen im Handbuch – recht gut mit Word zusammenarbeitet, bin ich bisher nicht völlig auf NeoOffice (OpenOffice für den Mac) umgestiegen. Und das obwohl mir NeoOffice extrem gut gefällt, weil es extrem schnell und komfortabel ist und auch ein sehr gutes User Interface hat. (Siehe dazu auch meinem Beitrag in diesem Weblog.)

Daraus lässt sich gleich einmal eine erste - sehr allgemeine - Schlussfolgerung ziehen

Sytemperspektive einnehmen:

Ob das Umsteigen auf eine neue Software Vorteile hat, lässt sich nicht bloß durch ihre Funktionen in der Stand-alone Nutzung des Programms selbst ermessen. Beurteile die Vor- und Nachteile der Software in Deinem jeweiligen Arbeitskontext indem Du Deinen gesamten Arbeitsprozess (Workflow) untersuchst. Die Evaluierung erfolgt daher auf einer Metaebene bzw. aus einer Systemperspektive heraus.

Die Qual der Wahl

Yochai BenklerDer Prozess der Entwicklung von Open Source Software verläuft naturgemäß sehr dynamisch. Wenn wir es uns genau überlegen, dass ist es doch sehr erstaunlich, dass extrem komplexe Projekte in einer Produktionsweise, die auf freiwillige und häufig unentgeltliche Mitarbeit beruht, erfolgreich durchgeführt werden können. Es scheint sich hier eine Alternative zur monokratischen und zentralistischen kapitalistischen Produktionsweise herauszubilden. Yochai Benkler bezeichnet dies in seinem Buch The Wealth of Networks - How Social Production Transforms Markets and Freedom als Peer Production.

Steven WeberSteven Weber (der nichts mit dem österreichischen "Plagiatjäger" Stefan Weber zu tun hat) untersucht in The Success of Open Source diese Organisationsprinzipien aus politilkwissenschaftlicher Sicht. Unter dem Stichwort "Governance" (etwa mit Steuerung zu übersetzen vor allem in Hinblick auf Regierungs- bzw. Unternehmensführung) analysiert er die Koordinierungs- Macht- bzw. Führungsprozesse von Open Source Entwicklungsprozessen. Wie ist es möglich, so frägt er sich, dass auf freiwilliger annähernd demokratischer Basis effiziente Produktionsprozesse organisiert werden können?

Ich will hier aber nicht auf die gesellschaftspolitischen Konsequenzen abzielen, sondern auf eine ganz andere Eigenart von Open Source Software, nämlich der unheimlich - häufig beängstigenden Vielfalt der Möglichkeiten. Weil der Quellcode offen ist können EntwicklerInnen Anpassungen und Weiterentwicklungen vornehmen. Auf der Basis einer fruchtbringenden grundlegenden Idee werden nicht nur viele ergänzende Module und Werkzeuge entwickelt, sondern auch verschiedene Konzepte generiert, deren Umsetzung jeweils unterschiedliche Richtungen bzw. Spezialisierungen bedeuten. Für "normale" AnwenderInnen entsteht dadurch eine scheinbar unübersichtliche Vielfalt von Möglichkeiten und Optionen.

Berry SchwartzNeuere psychologische Studien zeigen interessanterweise, dass es ein Irrtum ist zu glauben, dass eine größere Auswahl zu einer größeren Zufriedenheit der Kunden führt. Barry Schwarz zeigt in "The Paradox of Choice - Why more is less. How the culture of abundance robs us satisfaction" das genaue Gegenteil auf (siehe auch seinen einstündigen Videovortrag in der Reihe Google TechTalsk vom 27. April 2006). Unübersehbare Auswahlmöglichkeiten sind häufig äußerst frustrierend aus mehreren Gründen:

  • Die Vielfalt der Möglichkeiten stellt unsere Entscheidung bereits in Frage, bevor wir sie getroffen haben.
  • Daniel GilbertViele Möglichkeiten bringen automatisch ein extrem hohes Maß an Erwartungen mit sich, die kaum zu erfüllen sind.
  • Läuft etwas schief - was ja im normalen Leben immer in irgend einer Weise der Fall ist ;-) - dann scheint es, als ob wir die Schuld bei uns selbst wegen einer falschen Entscheidung zu suchen haben.
(Ähnliche Ergebnisse referiert übrigens auch Daniel Gilbert in seinem Bestseller Stumbling on Happiness.)

LaTeX, ConTeXt, XeTeX und andere Ungeziefer

Doch kehren wir psychologischen oder gar gesellschaftspolitischen Betrachtungen wieder zu unserem Open Source (LaTeX)-Auswahlproblem zurück:

Welche Version der Software auswählen?

Wenn Sie denken, dass es wohl am Besten ist, die letzte (stabile) Version zu nehmen, dann ist das zwar richtig aber bei Open Source für einen Laien nicht immer leicht zu überschauen:

  • Da gibt es die aktuelle Entwicklerversion von denen AnwenderInnen auf alle Fälle die Hände lassen sollten.
  • Dann gibt es die erste stabile freigegebene Version, der so genannte "Release Candidate" oder Pre-Release: Hier gilt jedoch ebenfalls "Hände weg davon!". Unabhängig von dem viel versprechenden Namen handelt es sich dabei um eine Version, die bloß ein möglicher "Kandidat" für eine stabile Version darstellt, dh. mehr oder minder bloß eine stabile Grundlage darstellt, auf der aber sicherlich noch von einer ganzen Reihe so genannter "Maintenance releases" (Versionen mit größeren Änderungen) folgen.
  • Dann gibt es den Beta Version, bei der die Verwechslung für Laien weniger groß ist, weil alleine schon der Namen abschreckt. Es handelt sich dabei um eine Version bei der nicht mehr wenige neue und auch keine sehr bedeutenden Features zu erwarten sind.
  • Auch die Alpha Version ist immer noch eine Version, die unter Entwicklung steht und bei der höchste Vorsicht geboten ist. Zwar sind kaum mehr Änderungen im Feature-Set zu erwarten aber diese Softwareversion ist noch nicht ausreichend getestet und es sind noch viele Bugs (Fehler) zu erwarten.
  • Aus meiner Anwendersicht kann ich eigentlich nur die stabile Version empfehlen. Aber auch hier gilt, dass der Entwicklungsprozess nie abgeschlossen ist. Häufig werden Fehler erst später entdeckt und durch nachgelieferten Patches ("Flickwerk") korrigiert. Es war früher häufig ein Problem zu wissen, ob die am Rechner laufende Version, tatsächlich die aktuelle Version darstellt. Heute aber werden AnwenderInnen automatisch von einem Patch verständigt und gefragt ob er installiert werden soll. Nach der Bestätigung erfolgt die Installation ohne viel Aufwand ganz automatisch.

Welche Entwicklungsrichtung auswählen?

Diese Problematik trifft ganz besonders auf LaTeX (sprich Latech oder Laytech, auf jeden Fall das "X" wie das deutsche "CH" in Blech) zu: Nachdem einmal die erste Verwirrung überwunden wurde – ja richtig: LaTeX ist eine Software und hat nichts mit Kondomen oder anderen suspekten Kleidungsstücken zu tun! – stellt sich die Frage nach der der Entwicklungsrichtung bzw. den zu verwendenden Modulen.

Donald KnuthTeX wurde von Donald Knuth bereits in den 60er-Jahren (!) entwickelt. Es ist eine spezielle Programmiersprache für typografische Befehle mit einer besonderen Spezialisierung auf die Darstellung mathematischer Texte. Sie kennt etwa 300 "primitive" Befehle, die aber vor uns BenutzerInnen versteckt sind und wir auch nicht zu kennen brauchen. Über diesen Steuersequenzen (TeX Primitives: blaue Ebene) liegen nämlich "Makroformate" (rote Ebene), die die Nutzung der Programmiersprache wesentlich vereinfachen.

Die TeX HierarchieNun gibt es aber ganz unterschiedliche Makropakete, die zudem auch noch in verschiedenen Versionen vorliegen. PlainTeX wurde noch von Knuth selbst programmiert; am Bekanntestes aber - und wohl am Häufigsten verwendet wird LaTeX. Das heißt aber noch lange nicht, dass es für den eigenen (speziellen) Anwendungsfall am Besten geeignet ist. So soll z.B. das von Hans Hagen entwickelte ConTeXt über das Spezialgebiet Mathematik hinaus auch für andere strukturierte Publikationsgebiete wie z.B. Physik, Chemie (Darstellung chemischer Verbindungen!) sehr gut geeignet sein. Eine Neuentwicklung XeTeX benützt intern eine 16 Bit Darstellung, die für Sprachen die Unicode verlangen (z.B. CJK-Sprachen wie Chinesisch, Japanisch, Koreanisch, aber auch Arabisch, Hebräisch usw. usf.) sehr gut geeignet ist.

TeX ist eine Auszeichnungssprache (Markup Language, ML), d.h. die Auszeichnungen im Text dienen als Anweisungen für Darstellung und Druck. Der Text in den Quelldateien wird dabei mit Tags an den entsprechenden Stellen markiert (ausgezeichnet) um schließlich von einem Programm interpretiert bzw. kompiliert zu werden. Die Grenzen zwischen Textverarbeitung und Programmiersprache verwischen sich damit. Das hat zweierlei Konsequenzen:

  1. Um produktiv entwickeln zu können, braucht es ein Entwicklungssystem mit einem komfortablen User Interface, das sogenannte "Front End". Auch hier gibt es wieder eine Wahl zu treffen, die nun auch die Implementierung unter einem Betriebssystem berücksichtigen muss. So sieht das Front End unter Windows und Mac nicht nur unterschiedlich aus, sondern es kann auch sein, dass eine Software (bisher?) nur auf ein bestimmtes Betriebssystem implementiert wurde, dh nur für dieses System erhältlich ist.
  2. Um produktiv arbeiten zu können, ist es hingegen wichtig, dass die interaktive Programmumgebung so gestaltet ist, dass die technischen Details möglichst unsichtbar sind. Das ist aber schwer möglich, weil die vielen unterschiedlichen Distributionen (= Zusammenstellung des Gesamtpaketes) bereits von unterschiedlichen Annahmen und Entscheidungen auf den unterschiedlichen Ebenen ausgehen: Was soll die Distribution alles beinhalten und was kann hingegen auf Anwenderseite vorausgesetzt werden? Welche Module sollen mit welchem Frontend geliefert werden?

Fazit: Keine Systemumgebung gleicht der anderen! Für normale AnwenderInnen sind die Folgen desaströs:

  • Entscheidungsproblem: Habe ich die richtige Auswahl für mein Anwendungsproblem getroffen? Habe ich überhaupt alle relevanten Fakten um eine informierte Entscheidung treffen zu können?
  • Bewertungsproblem: z.B. wenn etwas nicht funktioniert: Auf welcher Ebene liegt der Fehler? Habe ich etwas im Anwendungsprogramm falsch gemacht (schließlich ist die Software für mich neu)? Oder habe ich eine falsche (veraltete, nicht komplette) Software(version) auf meinem System installiert? Oder ist es wirklich ein Fehler der Software (Bug)? z.B: Liegt es an der Tex Engine, dem TeX Macro, dem Tex Front End, an allem zusammen (dh an meiner Systemkonfiguration) oder an mir selbst?
  • Zeit- und Orientierungsproblem: Wo anfangen? Wo suchen? Wen was wie fragen? Wann aufhören?

Aus diesen Dilemma lässt sich schon weit schwieriger eine befriedigende Schlussfolgerung ziehen. Das Problem besteht darin, dass wir immer erst nach dem Versuch klüger sind, also Trial and Error nicht vermeidbar sind. Trotzdem möchte ich – zumindest für mich – meine Erfahrungen folgendermaßen zusammenfassen:

Leidensdruck abbauen, Risiko minimieren und Win-Win Situation schaffen

  1. Never change a running system! Wechsel zu einer neuen Software nur dann, wenn Leidensdruck inkl. absehbarer zusätzlicher (Ein-)Arbeitsaufwand zu den erwarteten Vorteilen in einem ausgewogenen Verhältnis stehen. In meinem Fall: ich habe nach dem Ausdienen von FrameMaker auf dem Mac derzeit kein Programm mit dem ich ansprechend und komplex formatierte Bücher druckfertig erstellen kann.
  2. Minimiere das Risiko eines Fehlschlags: Warte z.B. bis es in Deiner Community erste Erfahrungen gibt auf die Du zurück greifen kannst bzw. – falls die Software (bisher) kaum in Deiner eigenen Community verwendet wird – warte bis sich ein gewisser Trend abzeichnet, mit dem Du mit schwimmen kannst. In meinem Fall: Gehört habe ich von LaTeX bereits vor über 10 Jahren. Damals erschien mir diese Software aber (a) zu komplex und (b) bloß für Mathematiker geeignet zu sein. Inzwischen bin ich aber immer öfters in den unterschiedlichsten Zusammenhängen auf LaTeX gestoßen die (a) weder mit Mathematik zu tun hatten noch (b) von einer großen Komplexität geprägt waren.
  3. Schaffe eine Win-Win-Situation: Verknüpfe - wenn es irgend möglich ist – die notwendige Trial und Errorphase mit einer metakritischen Reflexion. Wenn sich letztlich vielleicht doch herausstellen soll, dass die ganze Mühe und der Aufwand umsonst war, weil die Software doch nicht passt, dann gibt zumindest es einen anderen Lerngewinn, der fruchtbringend verwertet werden kann. In meinem Fall: (Da gab und gibt es jetzt mehrere Möglichkeiten, wie z.B.) Wenn ich schon die Software nicht brauchen kann, dann zumindest über die damit verbundenen Probleme. Schließlich schreibe ich gerade an einem Buch über wissenschaftliches Arbeiten; da kann die Beschäftigung mit einer Software, die vor allem im Wissenschaftsbereich eingesetzt wird, nur nützlich sein. Wenn ich schon nicht die Software brauchen kann, habe ich zumindest etwas über Auszeichnungssprachen, über Typografie, die Innereien meines Mac etc. über Vorteile aber auch Nachteilen von Open Source Produkten, wie z.B. dieser Artikel) gelernt, usw. usf.

Odysee der Erstellung einer Literaturliste

Nun aber zurück zu dem anfangs erwähnten Bibliografie-Problem. Doch Schritt für Schritt – zuerst einmal gab es Erfolgserlebnisse

Bei der Installation gab es glücklicherweise keine großen Optionen: Zur MacTeX Distribution der TeX Users Group (TUG) gibt es seit kurzem eigentlich keine Alternative mehr. Es handelt sich um eine sehr umfangreiche Distribution, die alles notwendige Zubehör in einem einfachen Installationsvorgang mit liefert. Kein Herumfummeln mit (für mich) unbekannten Befehlen auf der Ebene der Kommandozeilen des Terminals. Kein Setzen von Schaltern in Präferenzdateien, kein Suchen, Herunterladen und Installieren von zusätzlichen (Patch)Dateien. Einfach Installer herunterladen und dem Installationsvorgang folgen. (siehe meine Beschreibung dazu.)

Es wird TeXShop als Frontend installiert und vor allem auf LaTeX 2 abgezielt, obwohl es – versteckt im Auswahlmenü auch andere Optionen gibt (Plain TeX, ConTeXt, XeLaTeX, XeTeX).

Soweit, so gut. Nun beginnen aber die Schwierigkeiten: Nachdem ich noch recht rasch ein geeignetes Einsteigerhandbuch gefunden habe und auch die ersten Tests recht erfolgreich verliefen, tauchten im Zusammenhang mit der Erstellung der Literaturliste erste Schwierigkeiten auf:

  • Es gibt ein eigenes Makropaket BibTeX für Bibliografien, das sich ebenfalls im oben erwähnten Auswahlmenü von TeXShop versteckt. Produktives Arbeiten ist aber nur mit dem dazugehorigen FrontEnd BibDesk möglich. Obwohl das alles glücklicherweise bei der Distribution dabei war und automatisch installiert wurde und noch jeder einzelne Vorgang für sich einfach ist, wächst zusammen genommen die Komplexität:
    • BibDesk aufrufen und sich mit dem User Interface vertraut machen (einfach)
    • Die Einträge von EndNote nach BibDesk überspielen (überraschend einfach, es gibt in EndNote dafür eine eigene Exportfunktion)
    • Die gewünschten Einträge von BibDesk nach TexShop und damit LaTeX überspielen (nicht mehr ganz so einfach)
    • Den Kurzbelegen und der Literaturliste die gewünschte Formatierung verpassen.

Und hier beginnen nun die eigentlichen Schwierigkeiten!

  • (La)TeX verwendet standardmäßig als Kurzbelege Nummern in eckigen Klammern, was für mich nicht akzeptabel ist. Ich möchte einen Kurzbeleg mit Autor und Jahr in runder Klammer haben.
  • LaTeX transferiert (mit Ausnahme von Buchstaben am Satzanfang) alle Einträge der Literaturliste in Kleinschreibung! Das mag ja für Englisch Sinn machen…
  • Zudem tauchen auch erste Probleme mit den sogenannten German Umlaute auf.

Ich könnte sie würgen, unsere amerikanische Freunde! Eigentlich würde man glauben, dass die Zeiten der Vorherrschaft des ASCII-Codes - der nur 128 Zeichen kennt - vorbei sind. Offensichtlich ist dem aber nicht so, wie neuere Brandreden an die Adressen von Programmierer und Systementwickler zeigen (ein übrigens sehr gut geschriebener und äußerst informativer Artikel!)

Also rein in die Präferenzen und herumgefiddelt mit den Zeichensätzen: Umstellung auf Unicode, am besten utf8- da habe ich gehört, das soll wirken. Ich bilde mir ja nicht viel ein, aber ich glaube doch, dass dies nicht gerade ein Standardwissen für jeden ist. Aber gut, man/frau ist ja schließlich nicht auf der Nudelsuppe daher geschwommen und schließlich braucht es ja eine Herausforderung, damit Freude auftaucht und nachhaltig wirken kann. Dass die Umstellung auf den nicht konformen Zeichensatz wieder (später) andere (Konvertierungs-)Probleme mit sich gebracht hat, will ich nicht verschweigen. Es muss nämlich eine eigenes Paket mit dem bezeichnenden Namen Babel mit dem Befehl \usepackage{babel} installiert werden. Zwar ist babel bereits von der MacTeX Distribution installiert worden aber langsam wird die Sache unlustig: Schließlich will ich ja Texte schreiben und mein Bibliografie-Problem ist immer noch nicht gelöst.

Die Lösung scheint in der Erstellung eines eigenen Zitierstiles für BibTeX (Sie wissen noch? Das Makropaket für Bibliografien…) zu bestehen. Also jetzt BibTeX lernen? Woher eine aktuelle Dokumentation bekommen? Die Suche nach Lösungen im Internet eröffnet eine immer größere Komplexität: Da gibt es hunderte (wörtlich!) von BibTex geeigneten Zitierstilen (Dateien mit der Endung bst), da müsste doch ein geeigneter dabei sein? Die Suche nach Ressourcen führt mich letztlich auf die ultimative TeXWebseite der CTAN:

The Comprehensive TeX Archive Network (CTAN) is the primary repository for TeX-related software on the Internet. CTAN has many thousands of items: whole systems, LaTeX packages, and much more. The TeX Catalogue can help you find what you need.

Es stellt sich heraus, dass die meisten der Zitierstile sowieso davon bereits von den TUG-Leuten in der Distribution verpackt worden. (Ein Prosit nach Portland/USA!- ich habe natürlich die beiliegenden kleingedruckten Dateien, was wohin alles vom Installer kopiert wurde, nicht gelesen. Hätte ja auch zum damaligen Zeitpunkt keinen Sinn gemacht. Was hätten mir auch schon Dateien wie abbrv.bst oder natabib (das ist die mit den Klammernausdrücken!) schon gesagt. Auf meinem Boden häufen sich die Audrucke: BibTeX Tips and FaQs, A BibTeX Guide via Example, Customizing Bibiografic Style Files, BibTeXting, Tame the BeaST - The B to X of BibTeX, sowie Natural Science Citation and References (Auhor-Year and Numerical Schemes). Um nur eine bescheidene aber sehr bezeichnende Auswahl zu nennen und amit ihr da draußen wisst, wie ich so die Weihnachten verbracht habe…

Einige - und vor allem die für deutsche Zitierungen vorgesehenen - Literaturstile bringen in BibDesk (Sie erinnern sich noch? - das Frontend für die Benutzung der Zitierstile) in der Vorschau eine Fehlermeldung. Es funktioniert zwar mit LaTeX, dh. ich kann meinen Text in TeXShop (Sie erinnern sich noch? - Das Frontend für LaTeX) als PDF generieren, aber die Fehlermeldung von BibTeX verunsichert mich. Ich habe das BeaST verflucht und die (dürftige) Dokumentation von vorne bis hinten mehrfach gelesen. Soll ich in die Mailingliste - von was eigentlich: LaTeX, TeXShop oder BibTeX? - einsteigen?

Letztlich finde ich endlich ein Programm (von Patrick Daly, einem der LaTeX Gurus), das mit einer interaktiven Abfrage den gewünschten Zitierstil zumindest annähernd automatisch erstellt. Ich hole mir das Programm und erstelle meinen ganz persönlichen Literaturstil, den ich bezeichnenderweise peter.bst taufe. Es werden dazu alle möglichen Optionen (ich glaube es sind an die 50-60) abgefragt, aber glücklich bin ich immer noch nicht (ganz). Schließlich soll es bei mir "Hg." und nicht "Herausgeber" heißen. Ganz abgesehen von der damit aufgeblasenen Länge der Literaturliste gibt es ja schließlich auch noch die Genderfrage zu beachten :-)

Lyx gehabt: Ende gut – alles gut!

Ich brauche wohl nicht zu verhehlen, dass mich um die Weihnachtsfeiertage ein gewisses Tief erfasst hat. Sowohl mein Drucker als auch ich bin etwas heiß gelaufen nachdem ich drei 3 volle Tage auf der Suche der Suche nach einer geeigneten Lösung war. Eigentlich wollte ich an meinem neuen Buch schreiben - aber glücklicherweise ist da ja auch ein Kapitel "Zitieren" vorgesehen. Und ein eigenes Kapitel über LaTeX - wenn es dann dann doch funktioniert - ist ja vielleicht auch noch zu überlegen.

In solchen Situationen ist es oft sinnvoll "aus dem System aus zusteigen" und auf eine andere (höhere oder niedere) Ebene zu wechseln: Vielleicht soll ich statt BibDesk eine anderes Frontend für die Bibliografie-Datenbank nehmen (ich habe kurz mit Bookends experimentiert; oder vielleicht soll ich statt TeXShop die andere Mac Alternative iTeXMac verwenden? Soll ich auf ConTexT oder XeTeX umsteigen? Nachdem ich mit allem ein wenig herum probiert habe, habe ich es bald wieder aufgegeben. Es sind ja alles nur Alternativen auf der gleichen Ebene und stellen keine Metaebene dar. Statt LaTeX ConTeXt oder XeTeX; statt TeXShop iTeXMac; statt BibDesk Bookends oder vielleicht gar Endnote mit Zusatzkonvertern zu verwenden, bedeutet keinen Systemausstieg sondern nur eine alternative Wahl auf derselben Ebene (siehe obige Farbgrafik).

Entweder ich steige ganz aus und freunde mich zähneknirschend mit den Möglichkeiten von Word (oder NeoOffice) an, oder ich wechsle die Systemebene. Ich habe dazu wieder zwei Möglichkeiten:

  • LaTeX Buchset Nach unten: Ich kremple mir die Ärmel auf und begebe mich in die Niederungen der detaillierten - und vielleicht monatelange dauernden – LaTeX-Auseinandersetzung. Ich muss zugeben, dass ich diese Lösung kurz ins Auge gefasst habe und mir als - sozusagen als Weihnachtsgeschenk – die 4-bändigen LaTeX-Schuber gekauft habe. [Zu meiner Entschuldigung muss ich sagen, dass ich für eine komplett neue und noch mit Plastik verschweißte Ausgabe nicht 174€ sondern über einen Fremdanbieter bloß 89€ (mit Porto 93€) gezahlt habe. - Wie ist solch ein eklatanter Preisunterschied möglich?]
  • Nach oben: Ich suche nach einem Frontend, das noch eine Ebene höher ist. Ein Programm, das zwar auf LaTeX (ConTeXtm XeTeX, oder was auch immer) beruht, aber gleichzeitig mich von den Niederungen der Kommandosprache abschottet.

Und tatsächlich: Es gibt mit LyX (sprich Licks oder auch Lücks, ich ziehe letzteres vor) ein solches Programm. Auch wenn die Website nicht gerade einladend aussieht, LyX ist einfach super.

Es läuft unter der Mac Aqua-Umgebung und erscheint auf dem ersten Blick als ganz normales Textverarbeitungsprogramm. Es versteckt damit die darunter liegende LaTeX und TeX-Ebene fast vollständig. Trotzdem aber lassen sich bei Sonderwünschen  LaTeX-Programmbefehle direkt eingeben. Über ein eigenes Fenster kann betrachtet werden, wie LyX die verschiedenen normalen Textverarbeitungsbefehle in LaTeX-Befehle umsetzt. Damit lässt sich LyX auch als ein angenehmes Lernwerkzeug für LaTeX verwenden. Letztlich habe ich mit meiner  Odysee Glück gehabt ("Lyx gehabt"). Doch über die Vorzüge von LyX möchte ich detaillierter ein anderes Mal schreiben.

[PS.: Wenn Sie sich die Vergrößerungen der beiden Bilder LyX UI-Beispiel und TeXShop UI-Beispiel klicken, sehen Sie sofort mit einem Blick den riesigen Unterschied in der Bedienbarkeit. Beides sind Front Ends zu LaTeX. Während aber TeXShop die Programmierumgebung nicht leugnen kann, muss man schon bei LyX das Fenster (unten) aufmachen, um dem Programm unter die Haube schauen zu können.]

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Re:LaTeX: Der Stoff aus dem meine Träume (der letzten Tage) sind

Kommentar von bz am 01.01.2008 21:55

Hallo Herr Baumgartner!

Erstmal Prosit Neujahr!
Bzgl. BibTeX: es gibt ein Package, das Zitate ins APA Format bringt - genau wie Sie es brauchen, und zwar apacite.sty

\usepackage{apacite}
\bibliographystyle{apacite}
\bibliography{...}

Bzgl. Umlaute kenne ich
\usepackage[applemac]{inputenc}

Ich selbst (Windows) verwende immer
\usepackage{german}
\usepackage[ansinew]{inputenc}

Großschreibung hatte ich bisher immer die einfache Variante gewählt, die entsprechenden Buchstaben in geschwungene Klammern zu setzen. Beispiel:

@incollection{Wessner2003,
author = {Martin Wessner},
title = {E-learning -- quo vadis?},
booktitle = {Wirkungen und {W}irksamkeit {N}euer {M}edien in der {B}ildung},
publisher = {Münster u.a.:\,Waxmann},
pages = "209--217",
editor = {R Keil-Slawik and M Kerres},
year = 2003 }

Ich habe erst kürzlich die open source software zotero zur Literaturverwaltung entdeckt. Zotero kann auch BibTeX importieren und aus zotero in BibTeX exportieren. Es gibt auch eine Open Office Integration, die ähnlich wie EndNote oder BiBTex aus der Literaturdatenbank heraus Bibliographien und Zitate im Text erstellen kann.

Liebe Grüße
BZ
PS: ich verwende LaTeX seit 10 Jahren (mehr oder weniger häufig). Also wenn Sie mal konkrete Fragen haben... Sehr zu emfehlen ist außerdem die FAQs auf dante.de (http://www.dante.de/faq/de-tex-faq/html/de-tex-faq.html) und das LaTeX Forum auf mruni.de (http://www.mrunix.de/forums/forumdisplay.php?f=38). Außerdem hört man viel vom "LaTeX Companion". Ich selbst habe in Buchform nur ein kleines Einführungsbuch, das mir sehr gute Dienste geleistet hat: LaTeX Einführung von Helmut Kopka.

Re:LaTeX: Der Stoff aus dem meine Träume (der letzten Tage) sind

Kommentar von bz am 01.01.2008 22:01

Nachtrag: einschränkend muss ich sagen, dass ich ja Windows verwende und daher keine Ahnung habe, wie LaTeX unter Mac funktioniert...

Re:LaTeX: Der Stoff aus dem meine Träume (der letzten Tage) sind

Kommentar von baumgartner am 04.01.2008 14:54

Hi,hi - da kommunizieren wir über das Weblog... Wenn ich das früher gewusst hätte, dass Sie eine LaTeX-Nutzerin sind! Ich komme auf das Angebot zum Fragen sicherlich noch zurück - LaTeX am Mac dürfte/sollte im Prinzip gleich funktionieren. --- Ach ja: Zotero habe ich auch gerade (über die Weihnachtsfeiertage) kennengelernt und installiert. Ist super!

Re:LaTeX: Der Stoff aus dem meine Träume (der letzten Tage) sind

Kommentar von wozzek am 31.03.2008 14:55
Ich bin mit ähnlichem Leidensdruck auf die Website gestossen. Siehe meine Story dazu. Danke für den Tipp mit Zotero. Ist es das? Ist das der Stein der Weisen für meine Bibliographien. Nach erstem Hinschauen, Ausprobieren und Testen würde ich sagen, ja. Aber für einen Befund ist es noch zu früh. Gibt es schon differenzierte Erfahrungen von Ihnen?

Re:LaTeX: Der Stoff aus dem meine Träume (der letzten Tage) sind

Kommentar von baumgartner am 31.03.2008 21:39
Meine ersten Erfahrungen finden sich unter Zotero: Research, not re-search. Ich habe vor noch einen weiteren Artikel zu schreiben, der aufzeigt, was sich mit Zotero alles in meinem Forschungsalltag geändert hat.

LyX: Dokumentenverarbeitung für WissenschaftlerInnen

oder: WYSIWYM (What You See Is What You Mean)

LyX Logo
Doku als PDF
Doku in LyX
Doku in TeXShop

Nachdem meine bisherige Publishing-Software FrameMaker für den Mac nicht mehr weiter entwickelt wird, stehe ich vor dem Problem mir eine neue Software für Buchpublikationen zu suchen.  Ich habe dazu die Weihnachstsfeiertage benutzt, um diesen bereits lange aufgeschobenen Such- und Umstellungsprozess anzugehen. Konkreter Anlass ist die Fertigstellung von Wissenschaftlich.Arbeiten.Buch (Sprich: "wissenschaftlich-punkt-arbeiten-punkt-buch"), an dem ich derzeit gemeinsam mit Sabine Payr schreibe. Die von mir gesuchte Software muss im wesentlichen zwei Anforderungen erfüllen:

  1. Sie muss die Anforderungen einer modernen Textverarbeitung mit allem typographischen Schnick-Schnack erfüllen, damit die Texte bereits druckfertig an den Verlag gehen können. Besonders wichtig für mich dabei ist natürlich, dass das Verwalten von langen komplexen Texten sowie das Generieren von Listen (Inhaltsverzeichnis, Bibliografie, Sach- und Personenregister etc.) einfach und komfortabel gelöst ist.
  2. Weil viele meiner Arbeiten naturgemäß Kooperationsprojekte sind, brauche ich eine Software, die
    • auf allen Plattformen (Windows, Mac, Unix) lauffähig ist,
    • deren Texte leicht in alle möglichen - und (un)möglichen Formaten wie z.B. Word ;-) – konvertiert werden können und außerdem auch noch
    • leicht erhältlich, d.h. möglichst Open Source ist.

In Summe genommen, sind das keine trivialen Anforderungen. Ich glaube aber, dass ich mit LyX eine gute Lösung gefunden habe.

LyX basiert auf LaTeX (siehe dazu meine letzten beiden Einträge: LaTeX am Mac und LaTeX: erste Erfahrungen) und bezeichnet sich selbst als WYSIWYM-Software. Nein, das ist kein Tippfehler, der letzte Buchstabe ist wirklich ein "M" und steht für "mean" (bedeuten, Sinn geben). Bekannt ist die Abkürzung WYSIWYG (What-You-See-Is-What-You-Get = "Was Du am Bildschirm siehst, ist das was Du im Druck dann bekommst") die vor allem als Kritik moderner Textverarbeitungssoftware an jenen alten Systemen gedacht war, die nicht in der Lage waren, das Drucklayout bereits am Bildschirm darzustellen.

LyX geht aber noch eine Stufe weiter und kritisiert auch diese Auffassung als bereits überholt: AutorInnen sollten sich nicht in erster Linie um das Layout, also um die Gestaltung ihrer Texte kümmern, sondern um deren inhaltlichen (= logischen) Struktur. Es geht - so die Argumentation – gerade nicht darum, das genaue und detaillierte Aussehen des Druckprodukts bereits am Bildschirm simuliert zu bekommen. Die Darstellung des Textes während des Schreibprozesses sollte vielmehr den logischen Gedankengang, die Struktur der Ideen widerspiegeln. Welche Schrifttypen und Schriftgrößen dann letztlich für den Ausdruck genommen werden, sollte den AutorInnen (und damit der Software: sie heißt ja Textverarbeitung und nicht Druckvorschau!) vorerst egal sein.

Statt beispielsweise eine Überschrift 24pt, fett und zentriert zu gestalten, sollte es vielmehr genügen zu sagen, dass es sich um eine Kapitelüberschrift zweiter Ebene (also um eine Unterüberschrift) handelt. Die Information über die Gestaltung darf vor allem deshalb nicht direkt mit dem Text verbunden werden, weil sonst jede Änderung (z.B. statt 24pt will der Verlag nun doch lieber 18pt Unterüberschriften) nur sehr mühsam und händisch durchzuführen ist. Es muss jede einzelne Unterüberschrift im Text aufgesucht werden und auf 18pt umgestellt werden.

Formatieren des Layout versus logisches Auszeichnen

OK, ok; ich kenne schon Ihren Einwand: Natürlich wissen auch alle moderneren Textverarbeitungsprogramme um dieses Problem und haben daher die äußerst praktischen Formatvorlagen (auch Stilvorlage oder Stylesheet) eingeführt. Damit weisen Sie einen bestimmten Typus von Überschrift (z.B. "Überschrift2") alle Formatierungsbefehle zu und können dann an einer einzigen Stelle (nämlich in der Formatvorlage) alle Erscheinungsformen von Überschrift2 im Text mit einem einzigen Handstreich ändern. Erst mit dieser Trennung der Form vom Inhalt ist es möglich einfach und konsistent komplette Layouts zu ändern.

Mit dem lapidaren Hinweis auf Formatvorlagen ist aber noch nicht automatisch die Abbildung einer logischen Struktur gegeben:

  1. Sie und ich, wir beide wissen, dass die Verwendung von Formatvorlagen bereits ein sehr fortgeschrittenes Feature ist, das nicht viele Leute auch tatsächlich benutzen. Ein Text im Word lässt sich auch ohne der Verwendung von Formatvorlagen schreiben - und schön gestalten. Dagegen lässt sich ja bei privaten Texten, die nicht von anderen Leuten weiter verarbeitet werden müssen auch nichts sagen. Das Problem taucht ja erst bei Änderungswünschen auf. Beim Schreiben eines Buches sind jedoch meist mehrere Akteure beteiligt, so dass die Verwendung von Formatvorlagen ganz entscheidend ist. Ein gute Textverarbeitung sollte daher – im Interesse aller am Produktionsprozess Beteiligten - das Schreiben ohne Formatvorlagen möglichst sogar verbieten!
    Das ist natürlich eine übertriebene Forderung: Immer wieder wird es Situationen geben, wo es darum geht, bestimmte Text-Stellen (wie diese soeben) schnell auszuzeichnen. Aber auch hier wäre es möglich eine eigene Formatvorlage "Hervorhebung" zu entwickeln, statt z.B. <i>Text-</i> (i für italic = kursiv) zu schreiben. LyX kommt der Verbotsforderung aber recht nahe: So wird z.B. verhindert, dass mehrere Leerzeichen oder Leerzeilen im normalen Textmodus eingegeben werden können.
  2. Die wesentliche Kritik gegenüber traditionelle Formatvorlagen besteht aber darin, dass bei der obigen Änderung der Überschrift2 von 24pt auf 18pt die relative Struktur der Überschriften zueinander (im allgemeinen) nicht mit verändert wird. So muss dann beispielsweise auch die Überschrift3 – die vorher 18pt war – nun auch noch erkleinert werden, was wiederum Überschrift4 in Probleme bringt usw. usf.

Ich denke, dass die Erstellung eines Systems gegenseitiger Abhängigkeiten von Formatvorlagen zueinander, wahrscheinlich auch z.B. in Word möglich sind (mittels "Formatvorlage basiert auf…"). Aber Hand auf's Herz: Jetzt wird es schon kompliziert und vor allem: Wer macht das schon so?

Wesentlich in meiner bisherigen Argumentation ist es, dass es nicht der Text selbst, der formatiert wird, d.h. nicht das Layout mit den Textpassagen fix verknüpft wird. Es soll vielmehr der Text in seiner logischen Struktur so ausgezeichnet werden soll, dass damit jeweils konsistente Gestaltungen mit einfachen Änderungen erreicht werden können.

Textverarbeitung und Programmiersprache

Der größte Vorteil für mich bei LyX besteht aber darin, dass es die vielfältige Funktionalität der für spezielle typografische Zwecke entwickelte Programmiersprache TeX (versteckt) und auf der Oberfläche - dem User Interface- (fast) wie eine normale Textverarbeitungssoftware zu bedienen ist. Damit können zwei Vorteile miteinander verbunden werden: Extrem hohe Flexibilität bei gleichzeitig relativ einfacher Bedienung.

Für normale Fälle ist es im allgemeinen nicht notwendig LyX "unter die Haube" zu blicken und sich mit LaTeX herumzuschlagen. Wenn es aber für Spezialfälle notwendig wird, ist dies sehr leicht möglich. Durch den Befehl ERT erscheint ein rotes Textfeld, wo direkt LaTeX-Befehle eingegeben werden können. ERT steht für "Evil Red Text" und verweist ironisch darauf, dass ein Spezialbefehl innerhalb LyX notwendig wurde.

Ganz besonders toll für mich als LaTeX-Lernenden habe ich auch gefunden, dass man ein eigenes Fenster öffnen kann, in dem man sieht, wie LyX die Textverarbeitungsbefehle in LaTeX-Kommandos verwandelt. Damit ist ein laufendes spielerisches Lernen von LaTeX so ganz nebenbei (sog. incidental learning) möglich.

Weitere Hinweise

Nachfolgend einige Links zur Unterstützung meiner Argumentation:

  • Eine kurze Einführung über die Vorteile von TeX findet sich in What are TeX, LaTeX, and friends? der TeX User Group (TUG)
  • Um einen Eindruck von den Bedeutung der für einen Laien nicht immer leicht zu sehenden typografischen Feinheiten zu bekommen, lesen Sie The beauty of LaTeX von Dario Taraborelli.
  • Die enormen Unterschiede in der Benutzerführung zeigen die beiden screenshots im oberen Teil des Artikels auf: Es handelt sich in beiden Fällen um denselben Textausschnitt: Links sehen Sie die den Text in der Programmumgebung TeXShop, recht denselben Textausschnitt in LyX. (Übrigens ist bereits TeXShop bereits eine enorme Weiterentwicklung: Früher mussten alle Programmcodes händisch eingegeben werden und der Text über ein Kommandozeilen-Interface umständlich kompiliert werden.)

Nachtrag

Bevor ich es vergesse:

  • LyX läuft auf allen Plattformen
  • LyX ist Open Source
  • Die Texte von LyX können mit Konverter in alle mögliche Format konvertiert werden. Das ist aber zugegebenermaßen - vor allem wenn es um deutsche Umlaute geht ;-) - nicht immer ganz trivial. Vor allem haben anderen Textverarbeitungen nicht diese enorme Vielzahl an Funktionen und Flexibilität, so dass bei der Konvertierung meist etwas auf der Strecke bleibt. Aber schließlich geht es ja vor allem darum für Notfälle eine Ausweich- bzw. Exit-Strategie zu haben. Wenn Sie einen Text für Word oder OpenOffice brauchen, dann sollten Sie nicht erst durch umständliche Konvertierungen dort hingelangen, sondern den Text auch dort erstellen, wo sie ihn brauchen. (Oder wie es auf österreichisch heißt: "Warum zum Schmiedl gehen, wenn Du zum Schmied willst.")
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Re:LyX: Dokumentenverarbeitung für WissenschaftlerInnen

Kommentar von bz am 04.01.2008 15:54

Wenn Sie schon so ausführlich über LaTeX schreiben muss ich mich Ihrer Begeisterung auch anschließen - als eine, die in LaTeX geschrieben hat bevor sie mit Word begonnen hat *g* ...

Dokumente werden mit LaTeX einfach wunderschön und sehen professionell aus. Ohne viel Mühe bzgl. Layout, Abständen, Schriftgrößen, Platzierung von Tabellen und Grafiken... durch einen internen Logarithmus kommen diese so genannten floats, also "table" und "figure"-Umgebungen automatisch dort hin, wo sie vom Textfluss her hinpassen (wobei zugegeben, das kann auch ganz schön mühsam sein, wenn man eine Grafik mal genau HIER haben will... das LaTeX klar zu machen ist zwar möglich aber meist etwas mühsam). Auch bei der Fehlersuche darf man nicht so schnell verzweifeln - es hat alles einen logischen Grund.

Erst vor ein paar Tagen (ich arbeite auch gerade an einem Manuskript für ein Buchprojektchen) wollte ich meine Arbeit auf einer anderen LaTeX Installation (auf meinem neuen Notebook) zum Laufen bringen. Mühsamer als ich gedacht hatte. Bis ich alle packages beisammen hatte und das System dazu gebracht, diese auch zu erkennen hat einiges an Geduld erfordert. Noch dazu wenn man wie ich damals ein makro schreibt und in einem sty file speichert, das dann natürlich auf anderen Installationen nicht gefunden wird: 100 Fehlermeldungen... nicht zu empfehlen wie ich jetzt weiß. Aber - noch vor Mitternacht am 31.12. war alles gelöst. Das neue Jahr kann beginnen ;-) - und LaTeX wirft mir 0 Fehler und nur mehr 12 Warnungen aus... wie idyllisch!

Für Windows User muss ich noch dazu sagen: ich benutze als Editor TeXnicCenter. Funktioniert nur unter Windows soweit ich weiß, ist aber auch sehr empfehlenswert. Es hat auch ein Interface, wo man sich teilweise Befehle zusammenklicken kann, wenn man sie nicht weiß. Müsste mal direkt Lyx probieren, aber Sie wissen ja: never change a running system!

Extrem praktisch ist die Verwaltung von Projekten, d.h. man hat ein Masterfile, in dem die Präambel steht und das "Skelett" der Arbeit und wo die einzelnen Kapitel jeweils eingebunden werden. Zum Beispiel sieht das so aus:

-----------------------------------

\documentclass[11pt,b5paper]{book} % book wird automatisch für einen zweiseitigen Druck ausgegeben und kennt, im Gegensatz zu article auch chapters. Report wäre ein Mittelding.

\usepackage{} % Einbinden von benötigten Packages

\begin{document}

\begin{titlepage}
% Titelseite
\end{titlepage}

\thispagestyle{empty} & hier kommt keine Seitenzahl und keine headings
\tableofcontents % das ist das Inhaltsverzeichnis
\pagebreak % Seitenumbruch

\thispagestyle{empty}
\listoftables % hier kommt das Tabellenverzeichnis
\listoffigures % hier das Verzeichnis der Grafiken

\input{chapter_introduction} % hier kommt die Einleitung rein
\input{chapter_elearning} % hier kommt das erste Kapitel rein. Das besteht dann wiederum aus sections und subsections
\input{chapter_evaluation}
\input{chapter_overview}
\input{chapter_VEL.tex}

\end{document}

----------------------------------

Viel Spaß noch!
Liebe Grüße
BZ

Zotero: Research, not re-search

Zotero - DER persönliche Forschungsassistent

Zotero Annotieren
Zotero Grundfunktion
Zotero Server

In den letzten Tagen habe ich einige persönliche Erfahrungen mit Zotero gesammelt. Je mehr ich es benutze, desto mehr bin ich begeistert von diesem Werkzeug! Es ist nicht nur ein fantastisches Instrument zur Forschungsunterstützung, sondern das Management von (Web-)Quellen ist wohl erst der Anfang einer vielversprechenden Entwicklung – wie es in auch einem der sich wechselnden Sprüche auf der Titelseite nicht zu unrecht verheißungsvoll heißt.

Ursprünglich hatte ich Zotero zu Weihnachten im Zusammenhang meiner Recherchen zu wissenschaftlich.arbeiten.buch wahrgenommen. Dabei ist es mir vor allem im Kontext des Sammelns von webbasierten Literaturquellen untergekommen. Möglicherweise ist deshalb mein Wahrnehmung anders fokussiert – um nicht zu sagen: beschränkt – gewesen ;-).  Zotero kann nämlich viel mehr. Es ist wirklich eines der Programme, wo sich die Empfehlung RTFM wirklich auszahlt – insbesondere auch deswegen weil es als wunderschöne screencasts als Tutorials dazu gibt.

See it. Save it. Sort it. Search it. Cite it.

Das war in etwa meine erste Wahrnehmung von Zotero: Ich kann Literaturquellen im Internet aufsuchen (angefangen von amazon.com, über Google Scholar und Google Books bis hin zu lokalen Universitätsbibliothekskatalogen wie z.B. der Uni Wien) und gleich Bibliografie- bzw. zitierfähig im Firefox Browser abspeichern. Es gibt eine sehr umfassende Liste von mit Zotero kompatiblen Websites, bei der allerdings die hiesigen Bibliothekskataloge leider noch kaum vertreten sind. Trotzdem aber lässt sich mit Zotero – gerade auch in Zusammenhang von einschlägigen Social Software Websites wie Bibsonomy, CiteULike oder LibraryThing – nicht nur so ziemlich alle Literaturquellen erfassen, sondern auch gleich serienweise übernehmen.

Diese Bibliografiedaten können nun mit den verschiedensten Methoden (darüber weiter unten noch genauer) strukturiert, annotiert und in Literaturdatenbanken exportiert werden. Nach der Installation spezieller Erweiterungen (PlugIns) für MS Word und OpenOffice (bzw. NeoOffice am Mac) verwaltet Zotero auch noch die Literaturstellen im (Offline) Text (Kurzbeleg und Literaturverzeichnis). PlugIns für weitere Textverarbeitunsprogramme sing geplant. Und das Ganze steht zur freien (kostenlosen) Verfügung und ist Open Source Software.

Forschungswerkzeug mit neuer Qualität

Soweit - so gut. Sind ja schon diese Features phänomenal. Aber der Gag liegt im Detail, nämlich wie strukturiert und annotiert wird. Es sagt sich so leicht "annotiert". Ich dachte zuerst, damit ist vor allem das hierarchische Gliedern in Ordner bzw. mit Schlüsselwörter sowie das Erstellen von (beliebig vielen) Notizen gemeint. So nach dem Motto: "Goodbye 3x5 cards, hello Zotero." - noch einer der Sprüche, die auf im Banner erscheinen. Der Vergleich mit den Karteikarten ist leider extrem irreführend, weil er gerade nicht zeigt, worin Die Macht der neuen digitalen Unordnung liegt.

Es ist meiner Ansicht nach vor allem die nahtlose Integration von Informationen, die Zotero als digitales Persönlicher InformationsManager (PIM) so vortrefflich löst - und die eben gerade nicht mit den guten alten Karteikarten funktioniert: Alle digitalisierte Informationen haben den gleichen (Bit-)Charakter. Egal von woher die Information ursprünglich stammt, auf welchen physikalischen Substanzen sie transportiert und damit auch welche physikalische Form sie daher annehmen muss - auf der Bitebene gibt es keine Unterschiede. Während das Buch und die dazugehörige Karteikarte des Bibliothekskatalog eine sauber getrennte (atomare) Identität in der physikalischen Welt führen, ist in der digitalen Welt das Buch und die dazugehörige Karteikarte prinzipiell austauschbar. Wer verweist auf wen, was ist der Kommentar und was der "eigentliche" Text - das alles ist nicht mehr unterscheidbar. Weil alle Informationen auf ihrer Bitebene gleichwertig sind können sie beliebig manipuliert und zu neuen Informationseinheiten integriert werden. Das ist nicht nur ein Add-On sondern damit entsteht eine völlig neue Qualität in der Informationsverarbeitung, die ich am Beispiel von Zotero aufzeigen möchte:

Alles ist immer und überall

  • In Zotero können Sie Ihre Bibliografie-Einträge (Karteikarten) nicht nur annotieren (ein dazugehörige Notiz schreiben) sondern auch mit Dateien auf ihren PC verknüpfen. Und das schöne dran: Wenn Sie die Datei in einen anderen Ordner kopieren, findet sie Zotero weiterhin. Der physikalische Aufenthaltsort ist in der digitalisierten Welt nicht mehr relevant.
  • In Zotero können Sie einen screenshot von einer Website erstellen und haben daher sowohl den Informationsstand (z.B. für spätere Referenzierbarkeit) "eingefroren"  als auch alle Referenzen und Materialien (z.B. alle  Grafiken) zur weiteren Verarbeitung zur Verfügung. Sie können diese lokale Website wie mit einem traditionellen Markierstift gelb auszeichnen und Notizen im PostIt-Stil dazu schreiben und an den entsprechenden Stellen anhängen. Abgesehen, dass die lokale Website der originalen Website täuschend ähnelt und alle Funktionalität wie z.B. aktive Links beibehaltet, entsteht durch die Integration Ihrer Ergänzungen ein komplett neues Informationselement, das wiederum annotiert, mit Dateien verknüpft werden kann usw. usf.
  • In Zotero können Sie Ihre Informationen in einer hierarchisch gegliederten Ordnerstruktur abspeichern. Zum Unterschied von einer normalen Bibliothek wo eine Kopie eines Buch nur auf einem Standort stehen kann oder aber mehrere Kopien dann auch entsprechend teurer und mehr Platz beanspruchen, können Sie die digitalisierte Information beliebig kopieren und in beliebig viele Ordner legen. Jede Änderung in einer dieser Kopien ist auch in allen anderen Kopien dieser Information sichtbar.
  • In Zotero können die verschiedendsten und sehr umfangreichen Arten von biografischen Informationen (z.B. Buch, Artikel, Website etc.) selbst wieder als Sammlung zusammengehöriger Informationselemente organisiert werden (Links, Screenshots, Notizen, Dateien). Wiederum können Sie jedes dieser Elemente mit Tags versehen.
  • In Zotero können Sie durch das Anhängen von Schlüsselwörtern (Tags) quer über Ihre hierarchische Informationsstruktur neue Kollektionen Ihrer Informationselemente zusammen stellen.

    Ein interessantes (theoretisches wie praktisches) Problem sei hier am Rande erwähnt: Weil die Informationselemente in alle Ordner kopiert werden können und andererseits jedes Informationsitem mit beliebig vielen Tags versehen werden kann, sind die Tags in gewisser Weise mit den Ordnern austauschbar. Wann verwende ich am Besten was? Oder brauche ich überhaupt beide Gliederungssysteme? Könnte ich z.B. nach dem Motto von David Weinberger "Alles gehört in die Kategorie Verschiedenes" nicht bloß mit Tags das Auslangen finden?


    Ich habe das probiert aber dann bald bemerkt, dass die Listen der Informationseinheiten zu lang und unhandlich werden. Ich bin jetzt dazu übergegangen Ordner für klar ersichtliche und gut abgrenzbare Sammlungen von Items anzulegen. Also z.B. einen Ordner "Tools" für Softwarewerkzeuge mit verschiedenen Unterordnern wie "Bibliografie", "Textverarbeitung" etc. "Tools" selbst wiederum ist selbst ein Unterordner von "wiss.Arb" und damit Teil meiner Sammlung zum derzeit aktuellen Buchprojekt. Es gibt natürlich auch Werkzeuge, die nichts mit wissenschaftlichen Arbeiten zu tun haben. Diese Items ordne ich  in den entsprechenden Ordner z.B. "Mac" ein und hänge ihnen das Schlüsselwort "tool" an. Tags sind flexibler und lassen sich daher leichter – im Nachhinein ! – mit beliebig viele UND-Operator verknüpfen. Während ich für jede logische UND-Verknüpfung auf Ordnerebene einen entsprechende differenzierte Suche durchführen muss bzw. einen speziellen intelligenten Suchordner anlegen muss, brauche ich bei den Tags nur die betreffend Kombination der Tags anklicken.

  • In Zotero können Sie außerdem auch noch jedes Informationselement mit einem anderen Item individuell in Beziehung setzen und damit eine Art Zusammengehörigkeit ausdrücken. Sie bekommen dann für jedes Item auch gleich die Hinweise zu anderen relevanten anderen Items und zwar unabhängig von der bestehenden Ordnerstruktur und den verwendeten Tags.

Und wie geht es mit Zotero weiter?

Zotero ist vom Center for History and New Media der George Mason University entwickelt worden. Das Projekt wurde durch das United States Institute of Museum and Library Services, der Andrew W. Mellon Foundation, und der Alfred P. Sloan Foundation finanziert.

Erst kürzlich (im Dezember 2007) wurde dass Projekt mit weiteren 1.2 Millionen Dollars von der Andrew W. Mellon Foundation gefördert und das Center for History and New Media soll gemeinsam mit dem Internet Archive neue Services entwickeln. Der wesentliche neue Entwicklungssprung von Zotero 2.0 werden Web 2.0 Server Features sein. Es soll damit ein gemeinschaftliches  Managen von Forschungsresosurcen ermöglicht werden:

  • Kooperatives Sammeln und Zusammenstellen von forschungsrelevanten Quellen und Public Domain Dokumenten
  • Bilden von Forschergruppen in allen möglichen (und unmöglichen) Fachcommunites (Ich hoffe, dass man wie in CiteULike solche Gruppen selbst eröffnen wird können)
  • Gemeinschaftliches Bewerten der Ressourcen durch einen Empfehlungsmechanismus
  • Anbieten von bibliografischen Feed (Ich hoffe, dass solche Feeds nach allen möglichen Kriterien (Forschungsgruppen, Tags, Empfehlungen) und deren Kombinationen einrichten wird können.
  • Einrichten und Bekanntgabe von Programmierschnittstellen (APIs) für die Integration anderer Services mit Zotero (sog. Mash-Ups)

All das klingt sehr vielversprechend und es ist daher keine Übertreibung, wenn es in einen der Bannerslogans heißt: "Citation management is only the beginning" und Zotero als "The next-generation research tool" bezeichnet wird.



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Scribd und iPaper

Ein Dokumentenbetrachter für das Web

Heute bin ich Zuge meiner Recherchen für wissenschaftlich.arbeiten.buch auf Scribd und iPaper gestoßen: Scribd ist eine Web2.0-Plattform zum Sammeln, Archivieren und Austauschen von Dokumenten jeder Art. iPaper ist das ihr zu Grunde liegende zentrale Werkzeug: ein auf Adobe Flash basierender Dokumentenbetrachter, der praktisch alle Formate für das Web schnell, einfach und mit vielen angenehmen Funktionen zugänglich macht. Sowohl die Services auf der Plattform als auch iPaper sind kostenlos und frei zugänglich.

Eine erste Idee der Leistungsfähigkeit von iPaper gibt der folgende Video.


Plattformübergreifendes Austauschformat

Scribd bzw. iPaper unterstützen die folgenden Formate:

  • Adobe PDF (.pdf)
  • Adobe PostScript (.ps)
  • Microsoft Word (.doc)
  • Microsoft PowerPoint (.ppt, .pps)
  • Microsoft Excel (.xls)
  • OpenOffice Text Document (.odt, .sxw)
  • OpenOffice Presentation Document (.odp, .sxi)
  • OpenOffice Spreadsheet (.ods, .sxc)
  • All OpenDocument formats
  • Plain text (.txt)
  • Rich text format (.rtf)

Plattformübergreifendes Austauschformat

Scribd und iPaper verwenden also ein plattformübergreifendes Austauschformat. Sie brauchen sich weder darum kümmern, ob Sie die entsprechende Software (Adobe Reader, MS Word etc.) auf ihrem Rechner installiert, noch ob sie auch über die entsprechenden Schriften zur Darstellung verfügen.

Funktionen von iPaper

mit iPaper können Dokumente in drei Formaten dargestellt werden:

  • Liste: Bei dieser Ansicht kann im Dokumenten an Hand des Scrollbars navigiert werden, der auch die gerade aktuelle Seite anzeigt. Wird mit der Maus auf das Dokument geklickt entsteht eine Faust, die das Dokument nach oben und unten verschieben kann.
  • Buch: Hier werden zwei Seiten nebeneinander dargestellt und wie bei einem Buch mit einer netten Animation "umgeblättert". (Das nachfolgende Beispiel ist im Buchformat, das allerdings erst beim ersten Umblättern (Seite 2/3) sichtbar wird.
  • Ziegel: Hier werden kleine Bilder der Seiten angezeigt. Durch einen Mausklick kann die entsprechende Seite direkt angesprungen werden.
Scribd Steuerleiste

Integration von iPaper

Es gibt mehrere Möglichkeiten iPaper in die entsprechende Website zu integrieren:

  1. Die einfachste Möglichkeiten ist es, wenn zuerst die Datei vorher auf Scribd hinauf geladen wird und dann das entsprechende JavaScript Code-Snippet (embed-Tag) in die betreffende Webseite eingebaut wird. Scrbd bietet hier zwei Versionen an: Eine die ihre Breite dem Browser anpasst und eine etwas komplexere Variante, wo Breite, Höhe und noch anderen Standardwerte eingestellt werden können.
  2. Soll jedoch nicht nur in Einzelfällen sondern häufiger mit iPaper gearbeitet werden, dann empfiehlt es sich einen Entwickleraccount anzulegen und QuickSwitch zu verwenden. Es werden dabei ganz automatisch alle Dateien meiner Website für iPaper in Scribd geladen, konvertiert und für die Präsentation auf meiner Website vorbereitet. Das geschieht alles im Hintergrund ohne User Interaction oder mühevolles Hinaufladen einzelner Dokumente. - So wird es zumindest beschrieben; ich bin gespannt ob das auch wirklich funktioniert: Heute habe ich die entsprechenden Einstellungen vorgenommen und nun gilt es zu warten…

    [Testweise habe ich mal die Version mit der Google-Werbung zwischen den Seiten verwendet -> siehe dieses Beispiel. Ich will mal sehen, wie das funktioniert, ob sich hier wirklich etwas verdienen lässt ;-) - Auch mit dem Einbau des LibraryThing Portlets - wo die Buchcover ja direkt zu Amazon verweisen, habe ich mir schon mal überlegt, ob ich mich da am Amazon Partnerprogramm beteiligen soll. Was ist Ihre Meinung bzw. Ihr Kommentar zu diesen Überlegungen?]

  3. Die professionelle Nutzung ist natürlich nur mit der direkten Programmierung der API Schnittstelle möglich - aber das ist außerhalb meiner programmtechnischen Reichweite und Kompetenzen. Gerade aber diese API war es, über die ich heute (bzw. gestern) überhaupt erst auf iPaper aufmerksam geworden bin: Beim Testen der neuen Open source Publishing Plattform Omeka, die u.a. vom Center for History and New Media (CHNM) – das ist jenes Institut, das auch Zotero entwickelt - bin ich auf eine Plug-In Erweiterung für iPaper gestoßen.

Das nachfolgende Beispiel einer druckreifen PDF-Vorlage, die als Beilage der bekannten österreichischen Computerzeitschrift CD-Austria erschienen ist, wurde händisch (Version 1) erstellt.

Lesen Sie dieses Dokument direkt in Scribd: e-learning Grundlagen

LEO Übersetzungsdienst integrieren

Eine Übung im Persönlichen Informationsmanagement (PIM)

LEO 1
LEO 2
LEO 3
LEO 4

Müssen Sie nicht auch ständig ein englisches Wort nachschlagen oder suchen eine Übersetzung für ein deutsches Wort? Meine bevorzugte Adresse dafür ist LEO (Link Everything Online). Natürlich weiß ich die Adresse von LEO schon längst auswendig. Wegen der häufigen Verwendung brauche ich in meinem Browser bloß den Wortanfang einzugeben, und schon wird mir die vollständige Adresse (http://dict.leo.org) vorgeschlagen. (siehe Bild LEO 1). Trotzdem ist mir das zu langsam: ich möchte gerne einfach das betreffende Wort direkt aus meinem Firefoxbrowser-Arbeitskontext suchen können.

Die nachfolgenden Beispiele beziehen sich auf (meinen) FireFox Browser. Mir ist bewusst, dass diese eine wesentliche Einschränkung darstellt; alle Vorschläge sollten – ähnlich wie das weiter unten beschriebene Bookmarklet – für alle Browser gleichermaßen gelten. Aber erstens bin ich von FireFox überzeugt und begeistert – und ich habe bereits viele Browser verwendet bzw. ausprobiert. Manche Dienste, die für meine tägliche Arbeit inzwischen unverzichtbar geworden sind (wie z.B. Zotero -> siehe dazu auch meinem Weblog-Eintrag) laufen eben nur mit der Erweiterungsschnittstelle als Add-On für FireFox. Zweitens geht es mir bei dieser Art von Beirägen hier vor allem praktische Hilfen – und da höre ich auf ein politischer Purist zu sein ;-)

1. Vordefinierte Suchmaschine installieren

Auf der LEO-Website findet man das Angebot eine vordefinierte Suchmaschine in das Suchfeld rechts oben im Browserfenster zu installieren. Das ist sehr praktisch - und ich habe dementsprechend auch bereits eine ganze Reihe solcher vordefinierter Suchmaschinen integriert (siehe Bild LEO 2). Über "Suchmaschinen verwalten" (ganz unten im Menü der installierten Suchmaschinen, das mit einen Klick auf das kleine Dreieck im Suchfenster aufgeklappt wird) lässt sich die Reihenfolge ändern, bzw. nicht benötigte Suchmaschinen auch wieder entfernen.

Mit einer Reihe von Tastaturbefehlen kann sowohl Suchtext als auch die Suchmaschine ausgewählt werden. Das ist sehr praktisch, weil durch diesen "Shortcut" nicht die Tastatur verlassen und mit der Maus dieses Fenster angesteuert werden muss.

  • Befehlstaste K: Texteingabe im Suchfeld
  • Befehlstaste K gefolgt von Wahltaste + "Pfeil nach unten" (bzw. "Pfeil nach oben") kann im Menü die gewünschte Suchmaschinen  eingestellt werden.
  • Befehlstaste K gefolgt von Befehlstaste "Pfeil nach unten" bzw. "Pfeil nach oben": Die vordefinierte Suchmaschine wird geändert. Die Auswahl wandert um eines nach unten bzw. nach oben. Dazu muss man natürlich die (ungefähre) Reihenfolge der Suchmaschinen auswendig wissen.

2. Abfrage per Kontextmenü

Wenn Sie ein Wort markieren und dann mit der rechten Maustaste das Kontextmenü aufrufen, können Sie eine Abfrage über die voreingestellten Suchmaschine starten. Wirklich praktisch! (Bild Leo 3)

3. Suche über die Seitenleiste

Ein weitere Möglichkeit besteht darin, dass eine Abfrage über einer eigenen Suchmaske in der FireFox-Seitenleiste starten (Bild Leo 4). Der Vorteil dabei ist es, dass eine feiner granulierte Suche aller drei verfügbaren Sprachen möglich ist. Ein Nachteil aus meiner persönlichen Sicht ist es jedoch, dass zuerst die Seitenleiste aufgerufen werden muss und damit die verfügbare Fläche zur Darstellung der Ergebnisse kleiner wird. Ich ziehe daher die Methode 1 oder zwei vor.

4. Bookmarklet

Eine Methode, die für alle Betriebssysteme und Browser gilt, ist die Suchabfrage über ein Bookmarklet. Bookmarklet sind eine besondere Art von Lesezeichen für Internet Adressen (Bookmarks), die mit JavaScript Programmbefehle ergänzt wurden. Sie können daher automatische Aktionen – entsprechenden dem Kontext, für den Sie geschrieben wurden – ausführen. Das ist sehr praktisch und es sind hunderte kostenlose Boomarklets erhältlich. Allerdings muss das Lesezeichen ausgewählt  bzw. angeklickt werden und das ist wegen der vielen bereits gesammelten Bookmarks oft gar nicht so einfach einfach.

5. Widget (nur Mac)

Auf den Mac gibt es auch noch die Möglichkeit über ein eigenes LEO-Widget die Suche zu starten. Widgets sind kleine praktische Heflerleins, die in das Macintosh-Betriebssystem integriert sind. Es gibt bereits eine mehrere hundert Stück zur Auswahl und sie lassen sich sehr einfach installieren und sind auch relativ schnell erreichbar: Über Funktionstaste 12 kann auf den Widget-Modus umgeschaltet werden. Trotzdem: Der normale Arbeitsfluss muss unterbrochen werden um den Widget-Modus aufzurufen. Und dann muss auch noch mit der Maus das Eingabefeld des entsprechenden Widets gesucht werden – ich zumindest weiß dafür keinen Tastaturbefehl –, wodurch auch diese Methode mir etwas zu umständlich ist.

6. LION - ShareWare (nur Windows)

Für Window gibt es auch noch als  ShareWare das Programmpaket LION  ShareWare (Einzellizenz 10 € + MwSt). Damit können Sie in nahezu allen Windows-Anwendungen das zu übersetzende Wort markieren und per Mausklick die Resultate aus LEOs Wörterbüchern erhalten.


Zusammenfassung

Es wurden hier mehrere Möglichkeiten vorgestellt, wie der Übersetzungsdienst LEO in den normalen Arbeitsprozess am Rechner integriert werden kann. Wenn Sie gerade in einem bestimmten Arbeitsmodus sind (z.B. etwas schreiben. bzw. Webseiten lesen) und dabei öfters auf LEOs Übersetzungsdienste angewiesen sind, dann empfiehlt es sich meiner Meinung nach LEO als aktuelle Suchmaschine zu definieren und dann über das Kontextmenü die entsprechenden Abfragen zu stellen. Aber es gibt auch noch andere Möglichkeiten, die vielleicht Ihrem Arbeitstil besser entsprechen.


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LEO Nachtrag - Drag de Go

Eine sehr praktische Sucherweiterung für den FireFox Browser

LEO 5

Soeben habe ich in Zusammenhang meiner Nachforschungen zu internetbasierten Möglichkeiten der Literaturrecherche eine weitere einfache Möglichkeit der Integration des Übersetzungsdienstes LEO in den Arbeitsprozess am PC gefunden. Wenn Sie sich das FireFox Plugin Drag de Go installieren, dann können Sie eine Reihe vordefinierter Aktionen einfach über die Bewegungen der Maus steuern.

So können Sie z.B. einstellen, dass eine Bewegung nach links eine Suche in Google auslöst, eine nach rechts die Suchergebnisse in der deutschen Wikipedia darstellt; nach oben wird in Leo übersetzt und nach unten in Amazon.de gesucht (siehe die Drag De Go Einstellungen auf dem Bild LEO 5).

Sie müssen natürlich die dazugehörigen Suchmaschinen auch in FireFox installiert haben. Eine Liste von 21 häufig verwendeter Suchmaschinen findet sich auf der FireFox-Website, das komplette Angebot von derzeit sagenhaften 14.855(!) Suchmaschinen kann auf der Mycroft Projektseite der Mozilla Entwicklerseite eingesehen und bei Bedarf installiert werden.

Wie die Ergebnisse dargestellt werden (z.B. in einem eigenen neuen Reiter, der automatisch gleich auch aktiv wird), lässt sich in Drag de Go ebenfalls konfigurieren. Sie brauchen also nurmehr den Suchbegriff auf der Website markieren, dann mit der Maustaste gedrückt die markierte Stelle ein Stück in die gewünschte Richtung bewegen. Einfacher geht es nicht mehr! Probieren Sie es einmal aus mit Library of Babel, einem Begriff der für alle 4 angeführten Suchmaschinen ein sinnvolles Ergebnis bringt.

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WorldCat - Was ist das?

Das weltweit größte Netzwerk von Bibliotheken und Diensten

WorldCat LogoHaben Sie sich vielleicht schon einmal gefragt, was die Schaltfläche WorldCat in meinem Portlet für Literatursuche am linken unteren Rand auf meiner Website bedeutet? Damit lässt sich eine Medienrecherche anstellen, die alle Arten von Ressourcen (wie z.B. Bücher inkl. Audiobooks, Musik, CDs, DVDs, Filme, Software und anderer digitaler Content wie z.B. PDF-Dateien) einschließt. Was es damit für eine Bewandtnis hat beschreibe ich nachfolgend.

Einige Zahlen

WorldCat ist der weltweit größte Buchkatalog, der von der OCLC (Online Computer Library Center, hervorgegangen aus dem 1967 gegründeten Ohio College Library Center), einem gemeinnützigen Verbund von mehr als 60.000 Bibliotheken aus 112 Ländern in 440 Sprachen und Dialekte betrieben wird. An WorldCat arbeiten derzeit erst über 10.000 Bibliotheken mit, so dass mit Sicherheit gesagt werden kann, dass noch keineswegs das Ende der Fahnenstange in Sicht ist. Dies zeigen auch die aktuellen Zuwachsraten: Alle paar Sekunden kann auf der Live geschalteten WorldCat Wachstumsseite ein Zuwachs von 200-400 (!) neu erfassten Objekten mitverfolgt werden.

Das bedeutet nicht, dass weltweit soviel neue Einträge eingetippt werden, sondern vielmehr dass gerade lokale Daten einer Mitgliedsbibliothek in den WoldCat Bestand überspielt werden. Augenblicklich (18. März 2008, 0:10) beträgt der Bestand auf den WorldCat verweist sagenhafte 1,235,726,303, also über 1,2 Mrd. (!) Objekte, die durch über 86 Mio. Katalogeinträge erfasst worden sind. Jeder miilionste Titel wird als Gold Record gefeiert.

Organisationsstruktur der OCLC

Es können alle Organisationen mit einem der Öffentlichkeit zugänglichen Bestand an Informationsobjekten (Bücher, Audio- und Video CDs, Software, Internetressourcen) – also Bibliotheken, Museen, Archive, Gesellschaften, Berufsverbände etc – mitmachen. Der OCLC unterscheidet 3 verschiedene Mitgliederstatus:

  1. Steuernde Mitglieder (Governing Members) verpflichten sich ihren gesamten elektronisch erfassten bzw. aktuell erfassenden Bestand über WorldCat der Recherche zugänglich zu machen. Nur diese Art von Mitgliedern sind für die Gremien der OCLC aktiv und passiv wahlberechtigt.
  2. Einfache Mitglieder machen zwar nicht ihren gesamten Bestand verfügbar, nehmen aber an der (intellektuellen) Entwicklung von Services aktiv teil. Was darunter jeweils konkret zu verstehen ist, wird jährlich genau festgelegt. Sie können in den Mitgliedsrat (OCLC Member Council) gewählt werden, der Delegierte nach Regionen für eine Amtsperiode von 3 Jahren wählt. Der Mitgliedsrat wiederum bestellt das 15 köpfige Kuratorium (Board of Trustees), das 5x jährlich tagt.
  3. Teilnehmer nutzen die Services ohne jedoch einen eigenständigen Beitrag für deren weiteren Entwicklung zu leisten. Sie sind weder aktiv noch passiv wahlberechtigt. Ich vermute, dass dies die Liste der inaktiven Mitglieder sind, die sich aus meiner obigen Suche nach teilnehmenden Organisationen ergeben hat.

Schleppende Aufnahme in Europa

Zwar habe ich dieses Suchfeld für Literatursuche schon seit einiger Zeit installiert, aber erst seit kurzem zahlen sich die damit verbundenen Dienste auch dann aus, wenn die eigene Bibliothek nicht Mitglied in diesem weltweit größten Bibliotheksverbund ist. Die Chancen für BenutzerInnen aus Österreich, dass sie in der Nähe eine Bibliothek haben, die bei WorldCat mitmacht, sieht derzeit (noch?) sehr schlecht aus: Eine heutige Recherche ergab, dass in Österreich bloß 17 Mitgliedsorganisationen teilnehmen, wovon selbst aber wiederum nur 7 (alle in Wien) aktiv sind. Die wichtigsten davon sind:

  • Österreichische Nationalbibliothek
  • Österreichische Akademie der Wissenschaften
  • Bibliothek der Universität Wien
  • Bibliothek der Hochschule für Angewandte Künste

Meine Recherchen der letzten Tage haben das schwache österreichische Engagement deutlich offenbart: WorldCat verlinkt nicht nur auf den Bestand derjenigen Bibliothek, bei der man eingeschrieben ist und damit Zugriffsrechte hat, sondern zeigt auf Wunsch auch jene Bibliotheken in der Nähe an, die das gesuchte Objekt ebenfalls besitzen. Bei mir kommt da natürlich sehr häufig Deutschland, manchmal sogar Slowienen aber niemals Österreich.

Das ist einigermaßen überraschend, weil aus Deutschland bereits 385 und aus der Schweiz, das in der Größe mit Österreich vergleichbar ist, immerhin 79 Bibliotheken (meistens aktive) Mitglieder sind. Allerdings ist auch Deutschland erst vor kurzer Zeit massiv eingestiegen: So hat die Deutsche Nationalbibliothek erst im Herbst 2006 ihre Bestände überspielt, und damit in gewisser Weise den Startschuss für die massenhafte Beteiligung der deutschen Bibliotheken gegeben. Das Engagement der DNB zeigt sich auch deutlich in der Liste der Golden Records, die zwischen 6. Oktober bis 15 November 2006 gleich 5x en suite die jeweilige millionste Bestandserweiterung durchgeführt und damit den Golden Record "gewonnen" hat.

Die genauen Hintergründe für die verhaltene europäische Beteiligung ist mir unklar. Ich vermute jedoch, dass vor allem zwei Gründe maßgeblich sind:

  • Bis 2006 war der vor allem für professionelle Organisationen vorgesehene Anschluss über FirstSearch kostenpflichtig. Wenn Bibliotheken ihren BenutzerInnen als eigenes Service einen online Recherche-Zugang zu (den damals) überwiegend amerikanischen Beständen ermöglichen, so heißt das noch lange nicht, dass es auch automatisch Sinn macht den eigenen Bestand in dieses (fremde) System zu integrieren.
  • Erst vor kurzer Zeit hat sich mit Open WorldCat das Blatt gewendet. Es wurde nicht nur die über das Internet durchgeführte Recherche für die Öffentlichkeit freigegeben (direkte Verlinkung und Ausleihe ist natürlich immer noch nur über die eingeschriebene Bibliothek möglich), sondern in die derzeitige Betaversion wird auch mit Elementen von Web 2.0 experimentiert. So können beispielsweise öffentliche Bibliografielisten, Bemerkungen, Reviews etc. erstellt werden.

WorldCat wird zu einem bibliografischen Universalsystem

Es sind vor allem die angeschlossenen Add-On Services, auf die ich noch einem weiteren Beitrag ausführlich zu sprechen komme, die meiner Ansicht nach den erfolgreichen Durchbruch von WorldCat auch in unseren Regionen demnächst erwarten lassen. Außerdem beteiligen sich bereits viele Verlage an WorldCat und überspielen bibliografische Informationen von Neuausgaben. Zwar gibt es dann noch keinen Bestandsnachweis in den angeschlossenen Bibliotheken für diese Neuerfassungen, die Medienobjekte können aber schon in WorldCat sowohl recherchiert und bibliografiert werden und häufig sogar über einen Link auch gleich beim betreffenden Verlag oder einem teilnehmenden Buchhändler (z.B. Amazon) online bestellt werden.

Von all den Möglichkeiten und Services die WorldCat bietet – aber auch durch die in den obigen Zahlen sich manifestierende superlative Bestandsmengen – scheint es mir relativ sicher zu behaupten, dass man sich aus dieser weltweiten Initiative nicht absentieren kann. Diese Ansicht wird auch von Andreas Klimt, Diplombibliothekar der Zentral- und Landesbibliothek Berlin (ZLB) in einem sehr gut aufbereiteten und praxisorientierten Artikel vertreten.

Literaturempfehlungen:


Kliemt, A. 2006. WorldCat - ein globales bibliographisches Universalsystem aus deutscher Sicht. INFORMATION WISSENSCHAFT UND PRAXIS 57, no. 3:149-156. ( PDF 432kB, iPaper über Scrbd ansehen iPaper über Scribd)

Kliemt, A. 2007. WorldCat - Recherche im Web. Ein How-To des Referats Information der Zentral- und Landesbibliothek Berlin (ZLB), 13. Seiten. ( PDF 1.4MB, iPaper über Scrbd ansehen iPaper über Scribd)



Kliemt, A. 2006. WorldCat - ein globales bibliographisches Universalsystem aus deutscher Sicht. INFORMATION WISSENSCHAFT UND PRAXIS 57, no. 3:149-156. ( PDF 432kB, iPaper über Scrbd ansehen iPaper über Scribd)

Kliemt, A. 2007. WorldCat - Recherche im Web. Ein How-To des Referats Information der Zentral- und Landesbibliothek Berlin (ZLB), 13. Seiten. ( PDF 1.4MB, iPaper über Scrbd ansehen iPaper über Scribd)


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WorldCat - Wie geht das?

Ein Tutorial mit Screencasts

Inzwischen gibt es bereits viele Recherchemöglichkeiten im Internet (z.B. mit den traditionellen Web-Suchmaschinen, über Google Scholar, Google Books, Buchhändler Amazon etc.). Bevor ich jedoch in einer Gesamtschau ein Urteil über die Vor- und Nachteile der einzelnen Systeme fälle, hoffe ich in den nächsten Tagen und Wochen (Osterfeiertage!) jene Zeit zu finden, um diese verschiedenen Möglichkeiten ihren Potentialen auszuloten und hier auf diesen Seiten darüber zu berichten. Ich beginne heute hier diese geplante Serie von Rezensionen mit WorldCat.

Nach dem gestrigen allgemein gehaltenen Beitrag WorldCat - Was ist das? möchte ich nun zeigen, wie mit WorldCat gearbeitet werden kann. Ich habe zwar im obigen Artikel bereits zwei Literaturstellen angegeben, doch beschreiben diese Artikel vor allem das Arbeiten mit WorldCat aus bibliografischer Sicht. Sie konzentrieren sich daher vor allem auf dem Rechercheprozess selbst und werden z.T. dann auch sehr speziell: Wie kann die Suche verfeinert werden? Welche Sortier- und Ausgabemöglichkeiten der Trefferliste gibt es? usw.

Im nachfolgendem Tutorial versuche ich einen Überblick von einer anderen Perspektive zu geben. Ich verschiebe meinen Fokus von der Recherche in und mit WorldCat auf die Integration von WorldCat in den ForscherInnenalltag. Das Ziel dabei ist es dabei, den Forschungsprozess möglichst produktiv und effektiv zu gestalten. Fragen, die mich beispielsweise interessieren sind:

  • Wenn ich in meiner Recherche ein brauchbares Ergebnis erhalten habe, was mache ich damit?
  • Mit welchen Werkzeugen kann ich die Ergebnisse wie weiter verarbeiten?
  • Wie sollte ich meine Arbeitsweise ändern, damit ich WorldCat optimal nutzen kann?

1. Eine erste Übung zum Aufwärmen

Für das Verständnis von WorldCat ist es wichtig zu verstehen, dass der prototypische Fall die Suche nach einem Medienobjekt ist, das von einer nahe gelegenen Bibliothek ausgeliehen werden kann. Deswegen findet man als Synonym für WorldCat häufig auch: Find in a Library.

Geben Sie in das WorldCat-Suchfeld auf meiner Homepage links unten den Suchbegriff "The Library of Babel" ein - mit oder ohne Anführungszeichen, das ist für diese erste Übung mal egal. Klicken Sie dann auf die Schaltfläche WorldCat. Sie sollten in Ihrem Browser nach kurzer Zeit eine Ergebnisliste im WorldCat Katalog sehen. Was zeigt dieses Beispiel: Sie können WorldCat sofort verwenden, ohne irgendwelche Verpflichtungen. Sie müssen sich für eine erste grobe Recherche nicht einmal bei WorldCat anmelden.

2. Finden Sie ein Buch in einer Bibliothek in Ihrer Nähe

Der nachfolgende kurze Video zeigt Ihnen, wie Sie aus der Trefferliste zu einem Bestandsnachweis in einer Bibliothek in Ihrer Nähe kommen.



3. WorldCat meets Library 2.0

Zum Schluss möchte ich Ihnen noch einige Details im Umgang mit WorldCat zeigen. Sie sollen dabei sehen, wie Sie WorldCat sowohl für Ihre individuelle Forschungsarbeit nutzen können, aber wie Sie Ihre Gedanken und Wissen auch mit anderen NutzerInnen teilen können. Leider ist auf WorldCat noch nicht viel los, bzw. verschwinden die bisher relativ wenigen Einträge bezogen auf die riesige Datenmenge. Auch wenn es in WorldCat einige Ansätze gibt, ist es noch meilenweit davon entfernt ein gutes Beispiel von Social Software darzustellen. Trotzdem: Die Möglichkeiten sind interessant:

  • Sie können in Ihrem Browser automatisch ein Lesezeichen von der betreffenden Seite abspeichern.
  • Sie können die Seite bei Ihrem bevorzugten Social Bookmarker (del.icio.us, Furl, Etc.) eintragen.
  • Sie können einen permanenten Link von der Seite generieren, wobei URL auch das gerade ausgewählte Detail erfasst (Bibliotheken, Einzelheiten, Ausgaben, Rezensionen)
  • Sie können Bewertungen vornehmen, Rezensionen, Kommentare und Inhaltsverzeichnisse eintragen
  • Vor allem aber können Sie die biografische Information in einem Format Ihrer Wahl in verschiedenen Varianten für die Weiterverarbeitung exportieren.
  • Sie können Ihre Recherche-Ergebnissen in Listen abspeichern und haben damit die Möglichkeit ganze Literaturverzeichnisse über WorldCat verwalten zu können. (Sorry, diese wichtige Funktion habe ich vergessen im nachfolgenden screencast vorzuzeigen.)

Um die vollen Schreibrechte im Sinne von Web2.0 (= Mitmach-Web) ausnützen zu können, müssen Sie sich jedoch vorher einen (kostenlosen) Account bei WorldCat.org anlegen. Ich erwähne im nachfolgenden Screencast auch Zotero. Falls Sie nicht wissen, was Zotero ist und wozu man es braucht, dann lesen Sie meinen Beitrag auf diesem Weblog oder gehen Sie am Besten gleich direkt auf die Zotero-Seite und schauen sich die dortigen Screencasts an. (Die sind weit besser und professioneller gemacht, als die von mir erstellten. Sorry, ich bin noch ungeübt; habe aber trotzdem den Eindruck, dass sie mehr und besser erklären als lange Textstücke.)

Um die Details besser sehen zu können, musste ich für diesen Screencast den Bildschirmausschnitt größer wählen, als es in YouTube üblich ist. Weil YouTube nochmals komprimiert - und damit die Qualität verschlechert – biete ich die große Datei (15 MB) direkt hier auf meiner eigenen Website an.

Video IconWorldCat als Library 2.0 (mov, 15.1 MB, 4:48 min) oder auch als QuickTime Download. Dazu brauchen Sie allerdings auf Ihrem Rechner den QuickTime Player, den Sie sich kostenlose von der Apple-Seite runterladen können (linke Hälfte der Seite, nicht die rechte Seite = kostenpflichtiger Upgrade).

WorldCat als Library 2.0

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WorldCat in den Arbeitsalltag integrieren

WorldCat 01
WorldCat 02
WorldCat 03

In zwei früheren Beiträgen habe ich beschrieben, was WorldCat ist und wie WorldCat verwendet werden kann. Hier stelle ich nun einige Werkzeuge zur Integration von WorldCat in den Arbeitsalltag von ForscherInnen vor. Sie brauchen  nicht immer auf die offizielle Seite von WorldCat zu gehen, um eine Suche starten zu können. Sie können die Suche auch von Ihrem eigenem Browser bzw. von Ihrer eigenen Homepage starten.


1. Integration der Suchbox in den Browser

WorldCat bietet verschiedene Möglichkeiten an, direkt aus dem Browser heraus eine Suche in den angeschlossenen Bibliotheken durchzuführen.

  • Wenn Sie FireFox verwenden, dann können Sie eine eigene Suchmaschine als Erweiterung direkt in den Browser installieren. Das geschieht ganz einfach dadurch, dass Sie den entsprechenden vorbereitenden Link auf der Browser-Plugin Seite von WorldCat anklicken. Klicken Sie dann auf das kleine Dreieck im Suchfeld oben recht und Sie werden sehen, dass die WorldCat Suchmaschine zur Liste Ihrer Suchmaschinen hinzugefügt worden ist. Wählen Sie Option "Suchmaschinen verwalten…" ganz unten im Popup-Menü um die Reihenfolge zu verändern - oder auch wieder Suchmaschinen zu entfernen. (Siehe Bild WorldCat 01).
    Im Zusammenhang mit einer anderem FireFox Add-on Drag de Go können Sie direkt von der markierten Stelle in Ihrem Browser die WorldCat-Suche starten. (Siehe dazu meinem Beitrag zu LEO und Drag de Go in diesem Weblog.)
  • Eine weitere Möglichkeit WorldCat in den Browser zu integrieren, wird mit Google Toolbar und einer Intergration in FaceBook (siehe Bild WorldCat 02) angeboten. Diese beiden Möglichkeiten sind vom jeweils verwendeten Browser unabhängig. Trotzdem empfehle ich Ihnen mit FireFox zu arbeiten, weil nur dann die Ergebnisse Ihrer Arbeiten mit dem überaus praktischen Literaturmanagementsystem Zotero weiter verarbeitet werden können (Darüber werde ich noch in einem späteren Artikel schreiben.)

2. Integration der Suchbox in die eigene Homepage

Eine weitere Möglichkeit WorldCat in Ihre Arbeiten zu integrieren, besteht darin, dass Sie die Suchbox von WorldCat direkt auf Ihrer eigenen Homepage installieren. Ein Beispiel sehen Sie auf meiner eigenen Website links unten. (Aus Platz- und Usability-Gründen biete ich die WorldCat Box gleich mit der Suchmaschine von Google Scholar in einem gemeinsames Portlet "Literatursuche" an.

Um den HTML-Code für die Suchbox zu erhalten (Bild WorldCat 03), müssen Sie sich allerdings als Partner (Affiliate) von WorldCat registrieren. Die Registrierung und Nutzung ist jedoch frei und kostenlos. Als Privatperson müssen Sie damit zusätzlich zur "normalen" Registrierung eine Institution und Land sowie Ort angeben. Sie werden damit praktisch wie eine Bibliothek behandelt, bei der diese beiden Angaben für das Zusammenspiel der Services natürlich unumgänglich sind. Es entstehen Ihnen dadurch aber keine Verpflichtungen oder Kosten.

Wenn Sie sich mit HTML auskennen, dann können Sie die Suchbox grafisch dem Design Ihrer Homepage anpassen. Allerdings muss dabei das Logo von WorldCat unverändert beibehalten werden. Außerdem dürfen Sie natürlich den Suchdienst nicht auf eigene Rechnung an Dritte weiter verkaufen.


3. Integration spezieller Suchlinks auf Ihrer Homepage

Auch dieser Dienst erfordert die (einmalige und unproblematische) Registrierung als WorldCat Partner (siehe oben). Nachdem Sie sich registriert bzw. angemeldet haben, erhalten Sie Codesnippets mit Beispielen, wo sowohl Ihre Partner Identifikation als auch die Suchausdrücke eingebettet sind. Sie müssen die angebotenen Beispiele natürlich auf Ihre Anforderungen anpassen, indem Sie Ihre eigenen Suchbegriffe einsetzen.

Mit dem nachfolgenden Link beispielsweise wird eine WorldCat-Suche nach dem Stichwort Zotero ausgelöst. Wenn Sie sich die URL der Trefferseite anschauen, werden Sie nach dem Fragezeichen meine registrierte Partner ID "Danube_baumgartner" erkennen. WorldCat schreibt die Nutzung des Dienstes mit (siehe auch die WorldCat-Datenschutzbestimmungen).

Dieses Service macht vor allem dann Sinn, wenn Sie als Bibliothek registriert sind und diese Suche mit eigenen Diensten verbinden wollen. Als "normaler" Nutzer werden Sie natürlich - was weit einfacher ist - die Suche selbst durchführen und die daraus resultierende URL sich abspeichern und in Ihre Homepage integrieren.
Andere spezielle Dienste, die nur für Bibliotheken Sinn machen, beschreibe ich hier nicht. Interessierte möchte ich jedoch auf die entsprechende WorldCat Webseite der Werkzeuge für Partner verweisen.


Nachtrag

Vor lauter Beschäftigung mit eigenen Screencast habe ich ganz vergessen auf zwei Video zu WorldCat hinzuweisen. Ich habe Sie in meiner Bibliography YouTube-Playlist gesammelt. Der letzte Video dieser Playlist (Law Library) gehört zwar themenmäßig dazu, ist aber schrecklich langweilig.


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Recherchieren - Mein Basis Toolkit

Werkzeuge für den Alltag des wissenschaftlichen Arbeitens

openthesaurus.org
synomizer.com
canoo.net

In den letzten Tagen habe ich mich – wie auch aus meinen letzten Einträgen ersichtlich ist ;-) – eingehend mit neuen Möglichkeiten der Recherche beschäftigt. Einige der Ergebnisse habe ich gleich auf diesen Seiten veröffentlicht. Dabei habe ich mich vor allem auf die praktische Nutzung konzentriert, die inhaltlichen Zusammenhänge im Rahmen von Forschungsprozessen sollen dann im Buch wissenschaftlich.arbeiten.buch dargestellt und vermittelt werden. Die entsprechenden Webseiten könnten dann entsprechend adaptiert als praktisches Anschauungsmaterial das Buch online begleiten.

Der Browser als Kommandozentrale?

Die Ergebnisse meiner Recherche wirken in gewisser Weise auch auf mein eigenes Recherche-Verhalten zurück und es. (Welch schöner und reflexiver Kreislauf!) Alte Gewohnheiten – wie z.B. vom Arbeitsplatz aufstehen und im Duden Wörterbuch die Rechtsschreibung oder Synonyme suchen – finde ich nicht mehr so richtig zeitgemäß. Wenn ich schon gerade an einen Artikel für das Weblog schreibe – und dabei ständig zwischen recherchieren und schreiben im Browser hin- und herspringe – dann wäre es doch praktisch, dies auch beim Konsultieren von Nachschlagwerken tun zu können. Der Browser sozusagen als Kommandozentrale für das wissenschaftliche Arbeiten.

Bisher hat mich die Integration aller Arbeiten unter einer einzigen Programmoberfläche (dem Browser als Allroundwerkzeug) noch kaum beschäftigt. Schließlich ist es ja auch kein großes Malheur wenn zwischen einem (spezialisierten) Programm zu einem anderen gewechselt wird (z.B. vom Schreiben mit einem Textverarbeitungsprogramm zur Internetrecherche mit einem Browser). Freien Speicher vorausgesetzt, ist es ja (meistens) nur ein Klick auf ein anderes Fenster.

Für mich hat die Vorstellung einer einzigen und einheitlichen Arbeitsoberfläche derzeit noch einen utopischen Charakter. Warum eigentlich? Zeigt nicht z.B. Google mit seiner ständig wachsenden Werkzeugkiste an Diensten, dass viele Tätigkeiten über das Web zu erledigen sind? Und viele Arbeitsprozesse werden durch die problemlose Integration mit anderen Services auch noch effizienter, als dies vorher mit einer Kombination von Standalone Programmen der Fall war.

Meine Werkzeugkiste

Wenn heute vielleicht die obige Vorstellung sich praktisch noch nicht ganz realisieren lässt, so müssten doch zumindest die lästigen Medienbrüche, die das Nachschlagen in einem Lexikons verursacht werden, minimiert werden können? Im normalen Arbeitstag konsultiere ich Lexika vor allem aus 4 Gründen: Übersetzung, Hintergrundinformation, Rechtschreibung & Grammatik, Thesaurus.

1. Übersetzung

Das ist einfach. Hier verwende ich ausschließlich Leo und bin sehr zufrieden damit.

2. Hintergrundinformation

Für eine Erstinformation – sozusagen als Basis für eine weitergehende Recherche – ist hier natürlich die Wikipedia zu nennen. Ich verwende sowohl die deutsche als auch englische Version, weil es doch häufig beträchtliche Unterschiede im Umfang der Information gibt. Übrigens ist es ein Vorurteil zu glauben, dass immer die englischen Artikel die besseren und ausführlicheren sind!

Für eine weiterführende Internet-Recherche verwende ich dann Google. (Auf die Verwendung speziellerer Suchdienste für z.B. Literatur, Online Ressourcen, Tutorials etc. gehe ich hier nicht ein.

3. Rechtschreibung und Grammatik

Hier wird es schon schwieriger: Im Leben vor dem Internet war hier für mich der DUDEN die erste Adresse. Der entsprechende Dienst im Internet ist jedoch empörend teuer (20 Euro für bloß 3 Monate) und für mich nicht akzeptierbar. Ich wäre ja bereit 10 Euro, vielleicht auch noch 20 Euro pro Jahr zu zahlen. Aber das 4 fache?!

In The Cult of the Amateur - How today's Internet is killing our Culture weist Andrew Keen darauf hin, dass durch den großen Erfolg von Web 2.0 viele renommierte Verlage in Schwierigkeiten kommen und Leute entlassen müssen [1]. Er warnt eindringlich davor, dass damit auch die Qualität der angebotenen Ressourcen leidet, weil das "Mit-Mach-Web" wo Amateure und Laien die Hauptarbeit leisten, das Know How von ausgebildeten Experten nicht völlig ersetzen können.

Ok, richtig! Aber soll ich deswegen eine unverschämte Hochpreispolitik unterstützen? Oder ist es nicht viel mehr an der Zeit, dass auch diese renommierten Verlage sich bewegen und umdenken? Und es wäre wünschenswert, wenn sie das tun, bevor sie größere wirtschaftliche Probleme bekommen. Ein aktuelles Beispiel, das mich persönlich ziemlich überrascht – um nicht zu sagen – schockiert hat, ist der angesehen Verlag Brockhaus. Der Mannheimer Verlag gibt sich dem Internet (der Wikipedia ?) geschlagen und will sich nun über Werbeeinnahmen finanzieren. Ab 15. April wird die "Brockhaus Enzyklopädie" (30 Bände, 300.000 Stichwörter, rd. 24.500 Seiten, 2670 Euro) online kostenlos angeboten [2].

Ich bin überzeugt, dass es auch noch der DUDEN-Verlag billiger geben wird. Bis dahin müssen andere Wege gefunden werden. Eine heutige Recherche hat mich auf das frei zugängliche Service Cancoo einer Schweizer Firma stoßen lassen. Der Dienst entstand in Kooperation zwischen Mitarbeitern der Universität Basel, der Vrije Universiteit Amsterdam, des IDSIA Lugano und der Canoo Engineering AG. Das Online-Service basiert auf dem Deutschen morphologischen Wörterbuch von Canoo. Das Wörterbuch enthält über 250 000 Schlagwörter und generiert rund 3 Millionen Wortformen. Erste Testversuche sind für mich durchaus zufrieden stellend gewesen.

4. Thesaurus

Die Arbeit an Synonymen ist mit dem Wikipedia-Ansatz erst ganz am Anfang. Der sogenannte WikiSaurus ist im wiki-basierten freiem Wörterbuch Wiktionary noch erst ganz am Anfang. Außerdem ist der dabei verfolgte Ansatz noch recht umstritten: Statt ein eigenes Thesaurus aufzubauen, werden die verschiedenen Wortbedeutungen innerhalb des Wikitionary bloß mittels einer eigene Kategorie "WikiSaurus" zu den betreffenden Seiten verlinkt.

Eine gewisse Zeit habe ich mit OpenThesaurus gearbeitet, aber ich muss gestehen, mich stoßt die hässliche Oberfläche ab (Siehe Bild OpenThesaurus.org). Ich weiß, das Design sollte nicht das Wichtigste sein, aber trotzdem kann ich zu dieser lieblosen Seite keine positive Beziehung aufbauen. Da ist mir selbst die Synomizer! Seite lieber, die ebenfalls auf den Wortschatz von OpenThesaurus basiert. Allerdings ist die extrem enge Integration mit Google-Ads ärgerlich und sehr gewöhnungsbedürftig. So erweckt die oberste Zeile der Werbelinks direkt unter der Suchmaske den Eindruck noch ganz zum Programm zu gehören. Nicht nur die grafische Anordnung sondern auch die Wortwahl dieser Werbelinks (Word Frequency, Word Diagram) stellt eine gezielte Täuschung dar (Siehe Bild Synomizer.com).

Außerdem – und das ist der Hauptgrund warum ich mich ständig nach Alternativen umschaue – scheint mir der Wortschatz (z.B. gegenüber dem Thesaurus von Word) deutlich geringer zu sein. Dies ist mir schon beim Arbeiten mit NeoOffice (die Mac-Version von OpenOffice) aufgefallen. Das hat zur absurden Situation geführt, dass ich trotzdem immer auch noch MS Word offen habe, damit ich fallweise meine Recherche nach Synonymen im – meiner Meinung nach – besseren Thesaurus von MicroSoft vornehmen kann.

Im Augenblick experimentiere ich mit dem Wortschatz-Portal der Universität Leipzig. Allerdings interessieren mich viele der dort angebotenen Informationen nach Häufigkeitsklassen, Bedeutungsgruppen, Kookurrenten usw. herzlich wenig. Ich verwende daher den Zugang über das oben unter Rechtschreibung bereits beschriebene Canoo Portal. Wenn die aller erste Information (Bedeutung und Oberbegriff) für mich nicht ausreichend ist, steige ich unter "Mehr" in das Wortschatzlexikon der Uni Leipzig ein (siehe Bild Canoo.net)

Zusammenfassung und ein Tipp zur Integration

Auch wenn ich mit der Grundausstattung der online Services noch nicht rund herum zufrieden bin, so zeigt sich doch, dass Medienbrüche größtenteils bereits vermeidbar sind. Ich habe den Eindruck, dass die Zeit der gedruckten Lexika langsam aber sicher einem Ende zugeht. und die Zukunft den frei zugänglichen Online-Diensten gehört. Zu meiner persönlichen Grundausstattung von Online-Nachschlagwerken gehören Ende März 2008:

Mein Basic Tool Kit
Übersetzung Deutsch <-> Englisch
LEO
Hintergrundinformation Wikipedia dtsch.
Wikipedia engl.
Google
Rechtschreibung und Grammatik
Canoo
Thesaurus Wortschatz-Portal
(über Canoo)

Welches Toolkit verwenden Sie? Anregungen und Kommentare erwünscht!

Als Draufgabe noch ein kleiner Tipp: Ich habe mir in meinem Browser einen Ordner mit Lesezeichen dieser grundlegenden Arbeitswerkzeuge zusammengestellt. Wenn ich eine Sitzung zur Recherche starte, dann lasse ich meinen Browser (FireFox) meine Homepage und alle Booksmarks dieses Ordners gleichzeitig öffnen. Jede Werkzeug wird in einem eigenen Reiter (Tab) geöffnet. Ich kann nun zwischen den verschiedenen Diensten mit den jeweiligen Kurzbefehlen (bei mir am Mac CMD-1 bis CMD-9 hin- und herspringen.

Im Artikel erwähnte Literatur

[1]Keen, Andrew. 2007. The Cult of the Amateur: How Today's Internet Is Killing Our Culture. Currency.

[2] Clausen, Sven, Jenniver Lachmann, Lutz Knappmann, und Matthias Lambrecht. 2008. Brockhaus kapituliert vor dem Internet. Financial Times Deutschland (FTD) Online Ausgabe. http://www.ftd.de/technik/medien_internet/316489.html (Zugegriffen März 22, 2008).

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LibX - Was ist das?

Von der Webrecherche zur Bibliothek

LibX ist ein Browser PlugIn, der die Recherche im Internet mit einem direkten Zugang zur eigenen Bibliothek verknüpft. Bibliotheken können diesen Zusatz für den Zugriff auf die eigenen Ressourcen anpassen dh. eine sogenannte Edition erstellen. Immer wenn NutzerInnen mit dieser Erweiterung auf einer Webseite auf bibliografische Daten stoßen, dann schaltet sich LibX und fügt einen aktiven Link ein. Damit kann diese Ressource mit einem einzigen Klick in aufgesucht und – wenn es das Service der Bibliothek vorsieht - auch gleich automatisch heruntergeladen werden.

LibX wurde von Godmar Back und Annette Bailey am Virginia Tech entwickelt und ist Open Source. Es gibt eine Version für den FireFox und IE Browser.

Bibliotheken und Internet: Allianz oder Konkurrenz?

Bibliotheken haben es heutzutage schwer: Wer geht heute noch in eine Bibliothek, wenn viele Ressourcen über normale Suchmaschinen leichter gefunden und dann auch gleich sofort herunter geladen werden können? Es sind vor allem 3 Probleme mit denen Bibliotheken in Zeiten des Internets zu kämpfen haben [1]:

  1. Das Nutzungsverhalten heutiger Studierender hat sich grundsätzlich geändert: So tun sich (junge) Studierende mit der zweistufigen Vorgangsweise von OPAC Suchen häufig schwer. Warum soll zuerst ein Bestandsset eingegrenzt werden und dann innerhalb dieses Sets die Suche schrittweise weiter verfeinert werden, wenn z.B. in Google Objekte direkt über den Suchausdruck – der ruhig auch einen ganzer Satz bzw. viele beliebig aneinander gereihte Wörter umfassen kann - gefunden werden können? Das spezialisierte Wissen um Boolschen Operatoren ist im Weballtag gar nicht mehr notwendig.
  2. Auch Funktionen des Web 2.0 (Facettenklassifikation d.h. nach mehreren relevanten Eigenschaften organisieren statt bloß als hierarchische Taxonomie, Reihung nach Relevanz, gewichtete Listen bzw. Tag Clouds, Rezensionen, Bewertungen und Vorschläge) [2], die Studierende in ihrer Suche sehr unterstützend finden, kennt der OPAC nicht.
  3. Dazu kommt noch, dass häufig die von den Bibliotheken angebotenen Services, bei den Studierenden nicht bekannt sind. (Das ist ein allgemeines Problem und ist nicht erst mit dem Internet relevant <grin>.)

Library meets Internet

Über Bibliotheken haben Studierende Zugang zu ausgesuchten und hochwertigen, aber oft auch sehr teurem Material. So kosten beispielsweise wissenschaftliche Artikel von Fachzeitschriften, wenn sie nicht frei (Open Access) erhältlich sind und als Einzelstücke über das Internet bezogen werden, selten unter 30 Dollar das Stück. Wenn diese wertvollen Ressourcen nicht genutzt werden, dann wird nicht nur viel Geld verschwendet, sondern es besteht die Gefahr, dass sich dies auf die Qualität der Forschungsergebnisse negativ auswirkt.

Es nützt nichts, wenn Bibliothekare den Untergang des Abendlandes herauf beschwören, sich schmollend in eine Ecke verziehen und die weitere Entwicklung zu ignorieren versuchen. Sie müssen vielmehr nach Mittel und Wege suchen um die Bibliotheken für ihre Kunden (wieder) attraktiv machen. Gegenüber den obigen erwähnten Problemen (oder Neudeutsch auch: Challenges = Herausforderungen) sind drei alternative Zugänge denkbar:

  1. Statt sich in die Zeit vor dem Internet zurück zu sehen bzw. zu resignieren, müssen Bibliotheken Mittel und Wege finden die neuen Nutzungsgewohnheiten bei der Literaturrecherche zu nutzen.
  2. Statt mit dem Internet zu konkurrenzieren müssen Bibliotheken im Internet selbst (omni)präsent sein.
  3. Statt die Kunden zu zwingen die eigene Homepage zu besuchen um von dort die Bibliotheksdienste wahrnehmen zu können, müssen Bibliotheken sich ähnlich einer Strategie von Partisanen unter die normale Suchergebnisse von Google & Co mischen.

Und genau hier setzt der Browser Plugin LibX an! Er ist so programmiert, dass bibliografische Informationen auf beliebigen Webseiten erkannt werden und auf die betreffenden Seiten ein Link auf die entsprechende Bibliothek hinzu "geschwindelt" wird. Das ist auch für private Betreiber von Webseiten, Blogs etc. interessant. Statt die entsprechenden Buchverweise auf Amazon zu verlinken – wie es derzeit aus Mangel an Alternativen geschieht – können BesucherInnen der Website die Literatur sofort in ihrer Bibliothek aufzusuchen.

LibX reichert damit die Ergebnisse der Literaturrecherche an und nimmt das dominante Verhalten und BenutzerInnen ernst. Es wird die Möglichkeit angeboten jederzeit direkt aus dem Browser – egal welche Seite gerade auf dem Bildschirm geöffnet ist – die Bestände der Bibliothek zu durchforsten. Es ist fast eine Art von Partisanentaktik: Statt laut zu schreien "Besucht doch die Homepage Eurer Bibliothek!" wird die alltägliche Recherche mit Google & Co dazu benutzt, um überraschend – sozusagen aus dem "Hinterhalt" – einen Link auf die Bestände in die Bibliothek anzubieten. Wenn jemand z.B. in Amazon etwas sucht, dann ist seine Bibliothek auch nur einen Klick weit entfernt.

Wollen Sie wissen wie das geht? Habe ich Sie neugierig gemacht? Dann lesen Sie meinen nächsten Artikel: LibX - Wie geht das?

Literaturhinweise

  • [1] Nathan Baker. 2007. LibX IE: An Internet Explorer Add-On for Direct Library Access. http://scholar.lib.vt.edu/ (Zugegriffen März 24, 2008).
  • [2] Smith, Gene. 2008. Tagging: People-Powered Metadata for the Social Web. 1. Aufl. Addison-Wesley Longman, Amsterdam.
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LibX - Wie geht das?

Zur Integration von Web- und Bibliotheksrecherche

LibX 1
LibX 2
LibX 3
LibX 4
LibX 5
LibX 6
LibX 7

Im vorigen Artikel LibX – Was ist das? habe ich die allgemeine Strategie erläutert, wie LibX die Bibliothek im Verhältnis zum Internet anders positionieren möchte. In diesem Beiträge gehe ich nun auf die verschiedenen Funktionen von LibX genauer ein. Der Beitrag ist sehr praktisch orientiert in der Form eines Tutorials geschrieben. Folgerichtig werden auch Hinweise gegeben, wie jeder LibX in Zusammenspiel mit WorldCat im Alltag nutzen kann. (Lesen Sie dazu auch die thematisch damit zusammen hängenden Beiträge: WorldCat - Was ist das?, WorldCat - Wie geht das? und WorldCat in den Arbeitsalltag integrieren.) (Screenshots am Ende der Datei)

Ich beschreibe nachfolgend 8 Funktionen von LibX, die jeweils – mit einer Ausnahme – mit Screenshots exemplarisch belegt werden:

1. Toolbar

LibX installiert sich in den Browser als Erweiterung in Form einer Werkzeugleiste (Toolbar). Im Suchfeld der Werkzeugleiste kann direkt in einer Bibliothek gesucht werden. Dies kann entweder einzeln nach Autor, Schlüsselwort, Titel oder ISBN/ISSN erfolgen oder es können aber auch diese Suchzugänge in Form einer UND-Verknüpfung für eine speziellere Suche verknüpft werden (siehe Bild LibX 1).

In welcher Bibliothek LibX dann tatsächlich sucht, das richtet sich nach der betreffenden Edition von LibX, die im Browser installiert ist. D.h jede Bibliothek, die dieses Hilfsmittel einsetzt, muss es für ihre eigene Bedürfnisse anpassen und dann zum Download für ihre Kunden anbieten. Für die Anpassung gibt es einen über das Internet frei zugänglichen Lib X Edition Builder, der die Anpassung menügeführt relativ leicht möglich macht. Bisher haben 307 Bibliotheken ihre Edition öffentlich zugänglich gemacht. Es ist aber durchaus möglich, sich auch als private Person eine eigene Edition (mit eigenem Logo und Funktionalitäten) für nicht kommerzielle Zwecke anzulegen.

Mit dem Toolbar kann eine Literaturrecherche gestartet werden, ohne die Website der eigenen Bibliothek aufsuchen zu müssen. LibX unterstützt Millennium, Voyager, Aleph, Sirsi, Dynix/IPAC, Serials Solutions E-Journals und Central Search, SFX, Sirsi Web2, aber auch vom Benutzer definierte Kataloge. Über den Edition Builder kann jede Webressource als Katalog definiert werden.

2. Proxy Server Support

BibliotheksnutzerInnen können damit die Online Ressourcen Ihrer Bibliothek auch von zu Hause am PC nutzen.

3. Adaptive Kontextmenüs

Wird Text auf einer Webseite markiert, dann lässt sich über das Kontextmenü (rechte Maustaste bzw. CTRL Maus am Mac) eine Suche mit dem ausgewählten Text direkt starten (siehe Bild LibX 2). Das Menü passt sich dem jeweils ausgewählten Text an. Neben einer "normalen" Textsuche werden ISBN, ISSN, DOI und PubMed IDs erkannt.

4. Automatische Verlinkung

LibX erkennt wenn im Text auf der Webseite eine direkte bibliografische Referenz in Form einer ISBN, ISSN, DOI oder PubMed ID vorkommt. Basierend auf einem Skript von Jesse Ruderman wandelt LibX den Text im Browser automatisch in einem aktiven Hyperlink um, der direkt auf die Ressource in der entsprechenden Bibliothek verweist! Sie brauchen bloß mit der Maus über diesen aktiven Link streichen und bekommen bereits als Tooltip den Titel der Ressource angezeigt. Und das Schöne: Es funktioniert mit jeder beliebigen Webseite, also auch auf Ihrer eigenen Homepage! Sie brauchen bei Ihrer Literaturangabe nur die ISBN (ISSN oder DOI) anführen und alle BesucherInnen Ihrer Website, die LibX installiert haben, können sich das Material dann mit bloß einem einzigen Mausklick aus deren Bibliothek holen! (siehe Bild LibX 3)

5. xISBN Service

Wenn eine Ressource über eine ISBN aufgerufen wird, werden auch alle ähnliche Ausgaben (Auflagen, Paperback, Hardcover, AudioBooks etc.) des Buches angezeigt. Das ist häufig sehr sinnvoll, weil es normalerweise BibliotheksbenutzerInnen egal ist, welcher Ausgabe sie habhaft werden können. LibX verwendet hierbei einen OCLC xISBN Webdienst, der die Ergebnisse der Anfrage in XML, XHTML, Python, Json or Ruby Format zurück gibt. Bis zu 500 Anfragen pro Tag sind für nicht-kommerzielle Zwecke kostenfrei.

Das Bild LibX 4 zeigt den die Arbeitsweise des Webservice an Hand eines extremen Beispiels. Aufgerufen wurde aus Amazon.com eine sehr spezielle Großdruck-Ausgabe des Da Vinci Code von Dan Brown. Der Dienst gibt aber gleichzeitig in der linken Browserleiste auch alle ISBN-Links zu den anderen 59 englischen Ausgaben an. Die verschiedenen Editionen können unter dem Reiter "Ausgaben" (ungefähr Mitte des Bildes) einzeln durchgesehen werden um eine geeignete Auswahl zu treffen. Es ist aber auch möglich mit jener Version vorlieb zu nehmen, die es in der am nächsten liegenden Bibliothek gibt1.

6. OpenURL Support

Wenn LibX auf einer Webseite eine spezielle formatiere URL (sog. OpenURL, siehe weiter unten) erkennt, dann fügt es einen visuellen Hinweis (z.B. einen kurzen Text oder das Logo der Hochschulbibliothek) ein. In meinem Fall ist es die färbige Spirale des WorldCat LogosWorldCat Icon, das als kleines Icon mit 16x16 Pixel vom Browserzusatz in die Darstellung der Webseiten eingefügt wird. Die mit JavaScript vorgenommene Einfügung fungiert als aktiver Link auf die Ressource im Bestand der jeweiligen Bibliothek, für die LibX editiert worden ist.

Mit dieser Funktion ist Ihre Bibliothek im Internet omnipräsent! Egal ob in Amazon, Wikipedia, CiteULike, bei der Suche mit Google, Google Books, Yahoo, oder in WorldCat (siehe Bild LibX 5): Überall können Sie das Symbol Ihrer Bibliothek antreffen. Das Icon soll alle LeserInnen der betreffenden Website darauf hinweisen, dass in diesem Link eine genormt beschriebene Ressource eingebettet ist, die sofort in einem dafür vorgesehen Bibliothekskatalog gesucht werden kann. Damit kann die Ressource in Ihrer Bibliothek mit bloß einem einzigen Klick nicht nur gesucht – sondern abhängig vom angebotenem Service Ihrer Bibliothek – auch gleich automatisch eine Vorbestellung bzw. Download ausgelöst werden!

Natürlich ist es nicht jeder Person gestattet, direkt auf die Bestände aller möglichen Bibliotheken zuzugreifen. Und genau hier kommt OpenURL ins Spiel: OpenURL ist ein genormtes Protokoll, das ein geordnetes Zusammenspiel zwischen Informationsobjekten und lokalen Webservices ermöglichen soll. Mit dem Upgrade von Version 0.1 auf 1.0 wurde OpenURL ein ANSI/NISO Standard (Z39.88-2004). Es ist hier nicht der Ort genauer auf den Aufbau und die Funktionsweise von OpenURL einzugehen. Nur soviel (vgl. genauer [1]): Es werden neben der Kennzeichnung des Informationsobjektes via Metadaten auch kontextsensitive Daten über das Internet übermittelt. Das sogenannte Kontextobjekt besteht aus Userdaten (E-Mail Adresse) und Daten zur Quelle des Links (URL der Website). Damit kann ein spezieller Server (sogenannten OpenURL resolver software) feststellen ob und in welcher Bibliothek eine Zugangsberechtigung besteht und auf die betreffende Kopie verweisen.

7. COinS Support

Der volle Funktionsumfang von OpenURL ist leider erst dann gegeben, wenn (a) Ihre Bibliothek das LibX Service unterstützt und (b) Sie dafür auch eine Zugangsberechtigung haben. Trotzdem aber können Sie das OpenURL Konzept auch auf Ihrer Website verwenden. LibX unterstützt nämlich auch die auf den OpenURL Standard beruhende COinS Konvention. COinS beschreibt wie bibliografische Metadaten in HTML Webseiten unsichtbar (d.h. versteckt innerhalb einem <span></span> Ausdruck) eingebunden werden können.

Die daraus konzipierte URL ist ziemlich lang und das Format recht komplex kompliziert, wie aus der Anleitung für Zeitschriftenartikel bzw. BücherCOinS Generator, der ein Formular zur Verfügung stellt. Doch mit Zotero – einer Browser-Erweiterung für FireFox und Flock – wird selbst diese Arbeit automatisiert: Zotero fügt zu jeder bibliografische Angabe, die Sie in eine Webseite kopieren bzw. mit drag und drop hineinziehen, automatisch die COInS-Daten hinzu! – Auf das Zusammenspiel von LibX und Zotero werde ich noch in einem eigenen Artikel zu sprechen kommen (siehe Bild LibX 6).

8. Google Scholar Support

Im Bild LibX 1 sieht man rechts, dass die Suche mit dem "Google Scholar ebenfalls in die Werkzeugleiste integriert wurde. Die Bedienung dafür aber ist ein wenig umständlich. Es handelt sich nämlich nicht um einen Schaltfläche, sondern der markierte Suchbegriff muss per drag und drop auf die den LibX Toolbar gezogen werden. Glücklicherweise kann auch über die letzte Zeile des Kontextmenüs (siehe Bild LibX 2) Google Scholar aufgerufen werden. (Unter Windows geht das auch für PDF-Dateien, am Mac unter OS X aber leider nicht <grrrr>.) Bei der Integration von Google Scholar sind gleich drei Dinge besonders bemerkenswert, stellen sozusagen Webschmankerln dar:

Wenn Google Scholar mit dem Suchbegriff einen Treffer landet und die Ressource frei zugänglich ist, dann werden im Browser zwei (!) Webseiten gleichzeitig geöffnet: In einem Fenster wird (immer) das Resultat der Suchanfrage dargestellt, in dem anderen wird (fallweise) direkt der Volltext des gefundenen und frei erhältlichen Artikel angezeigt. Das kann die Suche nach dem Volltext eines Artikel dramatisch reduzieren. Very, convenient! (Falls es bei Ihnen nicht funktioniert, kann es daran liegen, dass Ihr Artikel zwar frei zugänglich ist, Google aber Homepages im allgemeinen nicht als Repositorien, die wissenschaftliche Standards entsprechen, qualifiziert. Deshalb findet Google Scholar diese Artikel nicht und öffnet nur ein einziges Fenster mit der "normalen" Trefferliste. Wenn Sie LibX installiert haben (siehe unten), dann probieren Sie es mal mit meinem Artikel The Zen Art of Teaching: Markieren Sie den Artikeltitel und rufen Sie über das Kontextmenü Google Scholar auf.)

Wenn Ihre Bibliothek sich am Google Library Link Programm beteiligt, dann sehen Sie in der Trefferliste am Campus (oder außerhalb des Campus mit der betreffenden Edition von LibX inkl. dem bereit erwähnten Proxy Server Support) visuelle Hinweise auf einen OpenURL Links. Sie erhalten damit von Google Scholar heraus einen direkten Zugang zur Ressource in Ihrer Bibliothek.

Wenn sich Ihre Bibliothek am Open WorldCat Projekt der OCLC beteiligt (vgl. dazu meine oben erwähnten Beiträge zu WorldCat), dann können Sie dies Google Scholar in den EInstellungen mitteilen. Es erscheint dann für jedes Buch, das in der Google Scholar Trefferliste vorkommt, ein Link "Bibliothekssuche" bzw. "Library Search" zur WorldCat Datenbank (siehe Bild LibX 7). – Und wiederum hat sich Ihre Bibliothek als Webguerilla getarnt und unter die WebnutzerInnen gemischt… (zu Guerrila-Metapher siehe meinen Beitrag: LibX - Was ist das?)

Zusammenfassung

Ich hoffe, dass ich Sie mit der Beschreibung der attraktiven Funktionalitäten von LibX überzeugen konnte. Wenn Sie jetzt Lust bekommen LibX auszuprobieren, dann werden Sie wahrscheinlich – so wie ich – feststellen müssen, dass Ihre Bibliothek dieses praktische Werkzeug (noch ?) nicht einsetzt. Sie können sich aber trotzdem LibX in der WorldCat Edition installieren!

Der erste Teil eines (englischen) Tutorials zur Nutzung von LibX und Zotero – entstanden aus einer Serie von Workshops der University of Michigan (UM) – hilft Ihnen mit den ersten Schritten und stellt Ihnen auch einige Übungen zusammen. Beachten Sie aber, dass darin nicht alles 100% stimmt, weil sich die UM von der WorldCat Edition ein wenig unterscheidet. (Wenn ich dazukomme, dann möchte ich gerne selbst einen Screencast als Tutorial zur WorldCat Edition erstellen. Den könnte ich dann auch gleich für meine Studierenden  zusammen stellen. Gute Vorsätze zu Ostern…

Literaturhinweis

[1] Apps, Ann, und MacIntyre Ross. 2006. Why OpenURL? D-Lib Magazine 12, no. 5. http://www.dlib.org/dlib/may06/apps/05apps.html (Zugegriffen März 23, 2008).

Fussnote

{1} Interessanterweise zeigt mir mein Browser an, dass die nächsten Ausgaben der Reihe nach in Slowenien, Tschechische Republik und dann erst in Deutschland liegen (vgl. Bild LibX 4). (Österreich hat sich am WorldCat Projekt bisher noch kaum beteiligt, siehe dazu auch meinen Beitrag WorldCat - Was ist das?) Eine Überprüfung zeigt mir, dass die nächste registrierte deutsche Bibliothek mit einer englischen Ausgaben des Da Vinci Codes in Nürnberg (474 km) liegt und das ist tatsächlich von Krems wesentlich weiter weg als Maribor (335 km) und Prag (285), wo eine am WorldCat-Programm teilnehmende Bibliothek dieses Buch ebenfalls in ihrem Bestand gemeldet hat. Allerdings sind die Entfernungsangaben nur ungefähre Richtwerte, weil nur für USA nach Postleitzahlen differenziert wird, während sonst bloß das Land (wahrscheinlich mit der Hauptstadt) als Berechnungsbasis genommen wird. So zumindest erkläre ich mir, dass die Liste Maribor vor Prag reiht. (Wien-Maribor=253km; Wien-Prag=325 km; Wien-Nürnberg=498km – wahrscheinlich wird aber sogar mit Wien-Berlin=683km gerechnet.)

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Das Internet archivieren - eine gigantische Aufgabe

Zahlen und Daten zum Internet und die Rolle des Internet Archives

Beim Lesen eines Buchbeitrags zum persönlichen Informationsmanagement (PIM) bin ich erstmals auf die ganz große Problematik der Erhaltung, Langzeitsspeicherung und Wiederauffindung von Internet Ressourcen gestoßen [1]. Obwohl es Catherine Marshall in diesen interessanten - und über das Internet frei erhältlichen – Artikel How People Manage Personal Information Over a Lifetime (PDF, 84 kB) – vor allem um den Umgang mit persönlichen (An)sammlungen von digitalisierten Daten geht, wird in einer Stelle prominent auf das Internet Archive verwiesen.

Im Zusammenhang mit Zotero hatte ich bereits vor einigen Wochen erstmals vom Internet Archive gelesen [2]. Jetzt jedoch – im Zusammenhang meiner Recherchen zu den neueren Entwicklungen der Bibliotheken und der damit zusammenhängenden Entwicklung von digitalen Repositorien – gewann dieser Hinweis eine andere Bedeutung. Was ist das Internet Archive? Was will es und wozu brauchen wir es?

Error 404 - Site Not Found

Eine normale Webseite – so analysierte eine Studie aus dem Jahr 2000 – hat nur eine durchschnittliche Lebensdauer von 44 Tagen. Woher ich diese Zahl habe? Nun: Diese Zahl wird im obigen Artikel [1:68] mit Verweis auf Lyman 2002 [3] erwähnt. Sucht man dann jedoch diese referenzierte Studie auf, so erfährt man, dass die Zahlen aus einer 2000 im Internet veröffentlichen Studie stammen, die allerdings selbst bereits das Zeitliche gesegnet hat und nicht mehr im Netz ist. Catch-22! Kein Wunder auch, sind doch 44% aller Webseiten von 1998 bereits ein Jahr später bereits verschwunden.

Glücklicherweise ist Peter Lyman selbst ein Autor dieser Studie gewesen und hat (a) nicht nur die originalen Quellen und Daten von 2000 samt Exceltabelle reproduziert, sondern (b) auch die Studie 2003 mit einer Gruppe von Forschern wiederholt [4]. (Allerdings ohne nochmals auf die durchschnittliche Lebensdauer von Webseiten einzugehen.)

Es gibt eine konzeptionelle und damit letztlich unvermeidliche Ursache für das Error 404 Problem: Die schrittweise "Linkverwesung" (link rot) ist der Struktur des Internet inhärent. Sie ist auf die damalige Entscheidung von Tim Berners-Lee zurück zu führen, das Internet so einfach wie möglich zu gestalten. Der Hyperlink wurden unidirektional (statt bidirektional) konzipiert. Damit ist das Generieren von Außenlinks (Outbound Links) unabhängig von jenen Stellen, auf die die URLs verweisen. Im Normalfall weiß also die Stelle auf die der Link verweist, nichts davon und kann daher auch nicht etwaige Änderungen mitteilen. Berner-Lees Konzept hat daher zu einer sich selbst organisierenden, nicht-hierarchischen aber auch chaotischen Struktur des WWW geführt. Diese einfache Struktur war aber auch dafür verantwortlich, dass sich das Web innerhalb kürzester Zeit weltweit durchsetzen konnte. (Ich habe kürzlich irgendwo gelesen, dass Berners-Lee gefragt wurde, ob er aus heutiger Sicht etwas anders machen würde. Seine Antwort: Ja die doppelten Schrägstriche bei der Adresse http://… würde er heute weglassen. Sie haben zu Millionen Stunden verlorener Lebenszeit geführt, wenn man bedenkt, wie viele Leute sie wie häufig ständig eingeben müssen.)

Langlebigkeit und/oder Archivieren?

Dem Problem der Flüchtigkeit von Webseiten lässt sich mit zweierlei Strategien zu Leibe rücken:

  1. Langlebige (persistente) Kennzeichnungen: Hier tut sich in letzter Zeit sehr viel und es ist noch nicht ganz klar, welcher Ansatz sich hier durchsetzen wird. Es ist hier nicht der Platz darauf näher einzugehen. Stellvertretend und unvollständig möchte ich aber doch die Idee beschreiben und einige Fachbegriffe wie DOI, ARK, PURL und OpenURL erwähnen. Die prinzipielle technische Idee besteht von persistenter Identifikation besteht darin, dass zwischen URL,URN und URI unterschieden wird. Statt direkt auf den Ort (Location) der Ressource zu zeigen (URL = Unified Resource Locator), wird die Ressource (a) mit einem eindeutigen Kennung bzw. Identifizierungskennzeichen versehen, das (b) über eine spezielle Resolver Software "aufgelöst" wird, indem auf die aktuelle URL verwiesen wird. Diese technische Lösung funktioniert aber nur dann, wenn die Eigentümer der Ressource auch tatsächlich jede Änderung auch immer in die Resolver Datenbank eintragen. Letztlich kommt es bei Lanlebigkeit (Persistenz) von Internet Ressourcen also nicht bloß auf die technische Lösung an, sondern auf die Verläßlichkeit der dahinterstehende(n) Person(en) oder Organisation(en). Ein guter Überblick zu dieser gesamten Problematik findet sich in Implementing Persistent Identifiers (PDF, 588kB) [5].
  2. Archivierung: Auch dieser Lösungsansatz ist nicht trivial, wenn man die enormen Ausmaße und Wachstum des Internets berücksichtigt: Bereits Anfang 2005 wurde die Größe auf 11,5 Milliarden Seiten geschätzt [6:81]. Und selbst diese damalige Zahl bezieht sich nur auf das "flache" Web, also jene Seiten, die öffentlich zugänglich sind und nicht durch Passwörter in einem Intranet verdeckt sind oder durch Datenbanken dynamisch generiert werden (sog. "deep Web"). Das Wachstum der Webseiten hat sich zwar etwas eingebremst gegenüber 1993 als noch alle 3 Monate eine Verdoppelung erreicht wurde. Der Grund für diese kurze Verdoppelungszeit lag natürlich in der damaligen relativ geringen Menge an Webseiten. Heute sind etwa 77 Mio. Websites online, eine Zahl, die sich jährlich um etwa 13 Mio erhöht. (eigene Extrapolation einer Tabelle bei [6:82] Ende Dezember wurden lt. Internet World Stats 1,32 Mrd. InternetbenutzerInnen geschätzt, was einem Wachstum von über 265% zwischen 2000-2007 entspricht. Heute ist jeder 5. Erdbewohner bereits mit dem Internet verbunden. Insgesamt werden

Das Internet Archive - eine wichtige Initiative

Eine wesentliche Rolle bei der Archivierung von Internetressourcen spielt das 1996 von Brewster Kahle gegründete Internet Archive. Als gemeinnützige Organisation hat es sich die Aufgabe gestellt, einen Beitrag zur Bewahrung unseres kulturellen Erbes – das sich zunehmend auch über die Internet Resourcen manifestiert – zu leisten. Mit der speziell für Archivzwecke entwickelten Open Source Software (sog. "Crawler") Heritrix werden in Zusammenarbeit mit der Suchmaschine Alexa ständig weltweit die Webseiten durchsucht und archiviert. Alexa stellt die Webseiten nach einer 6-monatigen "Schonfrist" – also dann, wenn die Daten kommerziell nicht mehr besonders interessant und verwertbar sind - dem Internet Archive zu Verfügung. Über eine spezielle Software der sogenannten Wayback Machine kann dann auf diese archivierten Seiten zugegriffen werden. So finden Sie z.B. alte Versionen meiner Homepage unter: http://web.archive.org/web/*/http://www.peter.baumgartner.name.

Bereits 2006 hatte das Internet Archive über 2 petabyte (!) Daten archiviert. Das ist eine unvorstellbare Datenmenge, die sich aus der Reihenfolge Kilo-Mega-Giga-Teray-Peta oder auch durch 1015 (eine 1 mit 15 Nullen hinten dran: 1,000,000,000,000,000) erahnen lässt. Das Arhciv wächst mit mindestens 20 terabytes pro Monat, womit es sogar die Wachstumsrate der Library of Congress – der weltweit größten Bibliothek – übertrifft. Das Internet Archive war nicht unumstritten und es gab in den USA auch bereits einige Musterprozesse bezüglich Copyright, die aber alle inzwischen gewonnen bzw. beigelegt wurden: BetreiberInnen einer Webseite können ja über den robots.txt Standard Suchmaschinen den Eintritt in die eigene Webseite verbieten. Tun sie das nicht, dann haben sie indirekt der Archivierung zugestimmt.

Nach einer turbulenten Zeit ist das Internet Archive (IA) inzwischen vom Staat Californien als Bibliothek anerkannt und Mitglied der American Library Asociation (ALA).Die enormen Datenbestände des IA werden in der Bibliothek von Alexandrien (Ägypten) gespiegelt. Das IA ist somit die einzige Bibliothek weltweit mit einer Spiegelung d.h. Verdoppelung ihrer Datenbestände. Eine sehr gute Einführung in die Idee des IA gibt ein Interview (englisch, jedoch mit deutschen Untertiteln) von Brewster Kahle im Elektronischen Reporter (ein übrigens sehr witziger und trotzdem gleichzeitig informativer Videokanal oder Vodcast des Handelsblatt).

Literaturliste

  • [1] Marshall, Catherine C. 2007. How People Manage Information over a Lifetime. In Personal Information Management, Hg. v. William Jones und Jaime Teevan, 57-75, Seattle, Washington, United States: University of Washington Press http://www.csdl.tamu.edu/~marshall/PIM%20Chapter-Marshall.pdf (Zugegriffen März 26, 2008).
  • [2] Owens, Trevor. 2007. Zotero and the Internet Archive Join Forces. Zotero: The Next-Generation Research Tool. http://www.zotero.org/blog/zotero-and-the-internet-archive-join-forces/ (Zugegriffen März 30, 2008).
  • [3] Lyman, P. 2002. Building a National Strategy for Preservation: Issues in Digital Media Archiving, chapter Archiving the World Wide Web. 100, Washington, D.C. http://www.clir.org/pubs/reports/pub106/pub106.pdf (Zugegriffen März 28, 2008).
  • [4] Lyman, Peter, Hal R. Varian, Kirsten. Swearingen, und Peter Charles. 2003. How much information? 2003. University of California: Berkeley. School of Information Management and Systems. http://www.sims.berkeley.edu/research/projects/how-much-info-2003/.
  • [5] Hilse, Hans-Werner, und Jochen Kothe. 2006. Implementing Persistent Identifiers. Consortium of European Research Libraries http://www.knaw.nl/ecpa/publ/pdf/2732.pdf (Zugegriffen März 13, 2008).
  • [6] Witten, Ian H., Marco Gori, und Teresa Numerico. 2006. Web Dragons: Inside the Myths of Search Engine Technology. Academic Press.

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Webcite® – Zitieren von Internetquellen

Eine Lösung zum 404-Site Not Found Problem beim Zitieren wissenschaftlicher Quellen

Immer wieder werde ich von Studierenden gefragt, wie man Quellen aus dem Internet am Besten zitiert. Besonders bei Arbeiten, die sich empirisch mit dem Internet beschäftigen (z.B. eine Analyse der Interaktionen auf Communityportalen), ist die Flüchtigkeit des Webmediums fatal. Gemeint ist hier das "Error 404-Site Not Found" Problem (siehe dazu auch meinen Beitrag: Das Internet archivieren).

Dabei ist der Fehler 404 ja noch gar nicht mal das Schlimmste, was bei einem Quellennachweis passieren kann. Der Supergau des wissenschaftlichen Arbeitens ist es wohl, wenn die diskriminierende Stelle eines wörtlichen und in der Folge sehr ausführlich diskutieren Zitats genau in diesem einen kritischen Punkt abgeändert wird. Glaubwürdigkeit und Authentizität der Arbeit – und damit ach der AutorInnen! – wird erschüttert: Die Argumentation lässt sich nicht nachvollziehen und ist daher nicht (mehr) intersubjektiv überprüfbar.

Mit dem kostenlosen Internetdienst Webcite® wird eine gute und komfortable Lösung für dieses Problem angeboten. Sie können damit bei Bedarf bestimmte Webseiten archivieren und in ihren Publikationen dann auf diese "eingefrorene" Version verweisen.

Ehrlich gesagt, es ist mir ja fast ein bisschen peinlich, dass ich darüber in meinem Weblog berichte, als wäre dieser Dienst völlig neu und soeben eingerichtet worden. Das Problem ist so offensichtlich und ich werde auch sehr häufig darauf angesprochen. Bisher aber - ich gestehe es - war mir dieser wichtige Dienst nicht bekannt.

Was nun folgt ist eine vereinfachte Einführung in die Nutzung des Dienstes:

WebCite® – Wie werden Webseiten archiviert?

  1. Archivieren einer einzelnen Website:
    1. Rufen Sie die Seite zum Archivieren auf: http://www.webcitation.org/archive
    2. Füllen Sie das Formular aus. Über die E-Mailadresse bekommen Sie nach der Archivierung die Bestätigung samt der Archivierungs-URL
    3. Das war es: Bereits jetzt bekommen Sie auf der Seite, die den Empfang Ihrer Eingabe bestätigt, die zukünftige URL. Meist geht die Archivierung sehr schnell vor sich, so dass sie gleich in Ihre Mail schauen können.
  2. Archivieren aller URL eines Artikels:
    1. Rufen Sie in diesem Fall die Seite http://www.webcitation.org/comb auf, die Ihre HTML-Seite durch"kämmt".
    2. Achtung: Lassen Sie die Checkbox "Consider all Links" frei! Sie glauben gar nicht, wie viele Links (Navigationslinks, Links zu Grafiken usw. usf) eine professionell gemachte Seite hat, die aber jedoch für Ihre Zitierzwecke uninteressant sind.
    3. Sobald alle Links Ihrer Webseite abgearbeitet sind, wird Ihnen die Liste der Archivierungs-URLs per Mail zugesandt.

Sie können Punkt 1 noch wesentlich vereinfachen, indem Sie sich ein Bookmarklet installieren. Sie können dann direkt von der Seite, die Sie archivieren wollen, das Bookmarklet aufrufen. Das war es schon! (Bei der Installation des Bookmarklets müssen Sie einmal Ihre E-Mail Adresse angeben, sonst weiß WebCite® nicht, wohin die Informationen über die Archivierungs-URL geschickt werden sollen.

WebCite® – Wie werden archivierte Webseiten zitiert?

Für jede archivierte Seite werden Ihnen immer zwei URLs zugestellt.
  1. Die eine – kürzere – URL hat die Form http://www.webcitation.org/5Wi1dcik3. Sie soll immer in Verbindung mit der ursprünglichen URL angegeben werden. Z.B.:

    Owens, Trevor. 2008. Annotate Video With Vertov in Your Zotero. Zotero: The Next-Generation Research Tool. http://www.zotero.org/blog/annotate-video-with-vertov-in-your-zotero/ (Zugegriffen März 30, 2008. Archiviert mit WebCite® als http://www.webcitation.org/5Wi1dcik3).

  2. Die zweite URL setzt sich aus allen Informationen der seinerzeitigen Archivierung zusammen. Sie ist dadurch aber auch sehr lang und kompliziert einzugeben. Außerdem kann sich alleine durch ihre Länge das Design der Webseite zerstören. Sie wird vor allem dann verwendet, wenn die ursprüngliche Webseite nicht mehr erreichbar ist. Z.B:

    Owens, Trevor. 2008. Annotate Video With Vertov in Your Zotero. Zotero: The Next-Generation Research Tool. Archiviert als: http://www.webcitation.org/query?url=http%3A%2F%2Fwww.zotero.org%2Fblog%2Fannotate-video-with-vertov-in-your-zotero%2F&date=2008-03-30

  3. Wenn Sie die BesucherInnen Ihrer Seite auf diese Archivierungs- und Zitiermöglichkeit hinweisen wollen, dann können Sie z.B. die nachfolgende aktive Schaltfläche in Ihre Website einbauen. Sie müssen dann natürlich den HTML-Code, der "hinter" diesen Schaltfläche steht, auf die von Ihnen gewünschten bibliografische Angaben ändern. Probieren Sie es auch und klicken Sie Cite this page!

WebCite® – Wie werden archivierte Seiten abgerufen?

  1. Aktiver Link der archivierten Seite: Am einfachsten ist es natürlich, wenn eine kompletten aktiven Link einer archivierten Seite vor sich haben. Es genügt dann ein Klick auf den Link und schon zeigt Ihnen webcitation.org die gewünschte archivierte Seite.
  2. Vollständige archivierte URL: Auch dieser Fall ist einfach: Sie müssen http://www.webcitation.org/query aufrufen und die gewünschte URL der Archivseite nun händisch eingeben. Auch kein Malheur, insbesondere wenn Sie nur die kurze Version eingeben müssen.
  3. URL der Originalseite: Dieser Fall ist schon ein wenig komplizierter. Es kann nämlich sein, dass die Seite mehrmals zu verschiedenen Zeitpunkten archiviert wurde. In diesem Fall sollten Sie sich auf ein Datum konzentrieren, das entweder
    1. knapp vor dem Erscheinen des Journals liegt. Iin diesem Fall hat der Publisher die Artikel durch"kämmen" lassen. Oder
    2. Sie suchen ein Datum, das einige Monate vor dem Erscheinungstermin der Zeitschrift liegt. In diesem Fall hat die Autorin während der Recherche oder vor dem Abgabetermin die Webseite archivieren lassen.

Probieren Sie es einmal mit der URL http://www.jmir.org/, die bereits mehrmals archiviert worden ist. Sie sehen oben recht ein Menü mit den Angaben derjenigen Tage, an denen diese Seite bereits jeweils archiviert worden ist.

Wenn Sie nur ungefähre Angaben zur URL haben, dann haben Sie keine Chance. Es gibt zur Zeit keinen Modus zum Browsen in der Datenbank.



Nachtrag: Warum WebCite® und nicht Internet Archive?

Tatsächlich wurde die Idee von WebCite® schon 1997 von Dr. Gunther Eysenbach (Herausgeber und Verleger der Open Access Zeitschrift Journal of Medical Internet Research), der auch heute noch federführend hinter WebCite® steht – angedacht. Bereits 1998 wurde der erste Prototyp dazu implementiert. Mit dem Marktauftritt von Google und dem Internet Archive schien jedoch dieser Dienst obsolet, weil redundant. 2003 wurde die ursprünglich Idee jedoch wieder belegt, weil sich heraus gestellt hat, dass viele Webreferenzen nicht mehr zur Verfügung standen. Den Archivierungsservices von Google und Internet Archive fehlt eine geeignete Schnittstelle für AutorInnen und Verlage. Vor allem aber fehlt eine Möglichkeit die Archivierung sobald es notwendig ist, selbstständig zu veranlassen.

Dementsprechend ist auch eine Zitierung einer Ressource mit dem Internet Archive nicht ideal.

  1. Erstens, weil nicht alle Webseiten archiviert werden. Sie können dies aber selbst veranlassen lassen (siehe FAQ Nr.1 von Internet Archive) indem Sie Ihre URL in die Alexa Suchmaschine eintragen.
  2. Zweitens aber, weil durch die nur periodisch durchgeführten Archivierungen keine einzigartigen, eindeutigen und reproduzierbare Ergebnisse erzielbar sind.

Dementsprechend ist eine Zitierung mit Hilfe des Internet Archives – wie das folgende Zitat deutlich zeigt – nicht nur umständlich, sondern auch unsicher

We asked MLA to help us with how to cite an archived URL in correct format. They did say that there is no established format for resources like the Wayback Machine, but it's best to err on the side of more information. You should cite the webpage as you would normally, and then give the Wayback Machine information. They provided the following example: McDonald, R. C. "Basic Canary Care." _Robirda Online_. 12 Sept. 2004. 18 Dec. 2006 . _Internet Archive_. < http://web.archive.org/web/20041009202820/http://www.robirda.com/cancare.html>. They added that if the date that the information was updated is missing, one can use the closest date in the Wayback Machine. Then comes the date when the page is retrieved and the original URL. Neither URL should be underlined in the bibliography itself. Thanks MLA!
(zitiert nach: http://www.archive.org/about/faqs.php#265)


In WebCite® hingegen können AutorInnen die URL einer Webseite bei Bedarf (also z.B. genau zum Zeitpunkt der Recherche!) archivieren lassen und erhalten für die Zitierung eine URL, die sie in die Bibliografie einfügen können. Zeitschriftenverlage können – nachdem sie Mitglied des WebCite-Konsortiums geworden sind – gegen eine kleine jährliche "freiwillige" Spende (etwa in der Höhe von 1 US $ pro zu durchsuchenden Artikel) die gesamte Heftnummer vor der Publikation durchsuchen lassen und im finalen Editierprozess die erhaltenen Archiv-URLs einfügen.



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