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Nochmals Lernstile

Didaktische Vielfalt statt Anpassung an Lernstil

Am Dienstag voriger Woche referierte Sabine Graf im Rahmen unserer Veranstaltungsserie "bt talks" über "Adaptivität in Lernplattfomen – Wie können Lernstile erkannt und berücksichtigt werden?". Siehe ausführlich dazu meine Notiz unter News. Ergänzend möchte ich hier noch einige weitere kritische Anmerkungen zur Lernstildebatte anfügen.

Ehrlich gesagt gefällt mir die ganze Philosophie die hinter der Lernstildebatte steht nicht: Sie geht ja nicht nur davon aus, dass es unterschiedliche Lernstile gibt, sondern, dass deren empirische Feststellung und Nutzung mithelfen kann, den Lernerfolg zu verbessern.

Lernstile sind theoretische Konstrukte

Die Schwierigkeit bei der ersten Prämisse ("Menschen haben unterschiedliche Lernstile.") besteht darin, dass Lernstil natürlich ein theoretisches Konstrukt ist, das – je nachdem was unter Lernen verstanden wird und welche Lernziele verfolgt werden - unterschiedlich zu definiert ist. Die Schwierigkeit einer Operationalisierung zeigt sich meiner Meinung nach schon daran, dass z.B. nicht auf die von Anderson & Krathwohl überarbeitete Bloom'sche Taxonomie [Anderson, L. W. und D. R. Krathwohl, Hg. (2001). A Taxonomy for Learning, Teaching, and Assessing. A Revision of Bloom's Taxonomy of Educational Objectives. New York, Addison-Wesley.] mit ihren 6 unterschiedlichen hierarchischen kognitiven Prozessen Bedacht genommen wird. Je nachdem ob erinnern, verstehen, anwenden, analysieren, bewerten oder erzeugen als Lernziele angenommen werden, ergeben sich je unterschiedliche Bedeutungen von Lernobjekten.

Die von Sabine Graf verwendeten Operationalisierungen (häufiges und langes Verweilen bei Beispielen für reflexiven Lernstil bzw. häufiges und langes Verweilen bei Übungen für aktiven Lernstil) müssen im Lichte unterschiedlicher Lernziele differenziert bewertet werden. Das Durchlesen von Beispielen als Muster für die Generierung eigener Lösungen hat einen ganz anderen Charakter als das Durchlesen von Beispielen um sich in die Thematik einzuarbeiten, sie zu erinnern bzw. zu verstehen. Im Suchen bzw. Erfinden eigener Lösungen geht es bei der Betrachtung von Beispielen um konstruktive gedankliche Lösungen (etwa durch Verfremden, Analogiebildung etc.) also um (mentale) Aktionen die durchaus dem Trial & Error, Probieren, Experimentierten etc. von Übungen entsprechen.

Didaktische Vielfalt bieten statt auf vermeintlichen Lernstil anpassen

Das was mich jedoch am meisten stört, ist die Vorstellung, dass wir den Lernenden ihren Lernprozess erleichtern, wenn wir ihnen das Material angepasst an dem je individuellen Lernstil präsentieren. Diese Vorstellung geht davon aus, dass Lernende das Lernmaterial "präsentiert bekommen", also nicht aktiv ihren eigenen Prozess der Wissenskonstruktion organisieren und steuern können. Wie ich schon mehrfach hingewiesen habe (z.B. zuletzt in [Baumgartner, P. (2007). Didaktische Arrangements und Lerninhalte - Zum Verhältnis von Inhalt und Didaktik im E-Learning. In: Überwindung von Schranken durch E-Learning. Hrsg.: P. Baumgartner und G. Reinmann. Innsbruck-Wien-Bozen, StudienVerlag. 149-176.]), wird immer wieder implizit von einem sehr niedrigen Lernziel (Stufe 1 oder 2: Erinnern oder Verstehen) ausgegangen und dieses niedrige Lernziel automatisch mit "Lernen" ganz allgemein gleichgesetzt.

Wohl hat Sabine Graf darauf hingewiesen, dass es ihr um einen kurzfristigen Lernerfolg geht und nur dort die Anpassung an den vorhandenen Lernstil Sinn macht, während bei einer längerfristigen Betrachtung durchaus zu überlegen wäre, ob es nicht gerade eine wichtige didaktische Strategie sein kann, jenen Lernstil zu forcieren, der im Augenblick noch nicht so entwickelt ist. Aber auch diese Bemerkung beruhigt nicht mein Unbehagen, dass wir es uns – sicherlich gut meinend – herausnehmen, die Lernenden zu entmündigen. Meiner Ansicht nach wäre es als strategisches Ziel weit zielführender, wenn wir den Lernenden eine möglichst hohe Anzahl an unterschiedlichen Interaktionsformen (didaktischen Modellen) anbieten, aus denen sie sich selbständig die von ihnen bevorzugten didaktischen Szenarien auswählen können. Das kann dann sowohl eine bewusste Mischung von Modellen sein, denen wir - objektivierend von außen betrachtet - unterschiedliche Lernstile zuordnen. Das kann aber auch eine in unserer Theorie konsistente Wahl von Modellen sein (Heureka!) - oder aber im Spass des Experimentierens auch ein Durcharbeiten des gesamten didaktisch reich variierten Angebots sein. Ich halte Forschungen zur didaktischen Vielfalt – ohnehin eine Vorbedingung um adaptiv für sog. "Lernstile" anbieten zu können – weit vielversprechender als sich mit den vielen Details der recht komplexen Variablenisolierung und Operationalisierung, die die Lernstildebatte prägt, weiter herum zu schlagen.

Noch ein Wort zur Methode: Triangulation!

In der – wie mir scheint - von Sabine Graf sauber durchgeführten Dissertation wurde mehrmals das in den Sozialwissenschaften bewähte Verfahren der Methodentriangulation (Methodenmix) durchgeführt: So wurde beispielsweise sowohl Fragebogen als auch Tracking als Methode zur Feststellung eines präferierten Lernstils herangezogen. In Zeiten jedoch wo Everything is Miscellaneous (Das neue ausgezeichnete Buch von David Weinberger - ein "Muss-Buch" für Metadaten-Interessierte, Indexer und Social Tagger) scheint mir dies jedoch keineswegs mehr ausreichend zu sein.

Was wir selbstverständlich auch brauchen ist Datentriangulation, d.h. ein Mix aus Daten von verschiedenen Quellen. Sich bloß auf eine Untersuchung zu beziehen, legt dem vorhandenen Datenmaterial eine viel zu große Bürde auf. Das mag für das eingeschränkte Ziel einer Falsifzierung vielleicht manchmal reichen, für die Entwicklung von Theorien ist das Verlassen auf eine Daten-Monokultur aber auf keinem Fall ausreichend.

Notwendig ist natürlich auch eine Theorietriangulation, die von Sabine Graf durch die Wahl des Felder-Silverman Modells gelöst wurde. Die 4 Dimensionen (aktiv/reflexiv - sinnlich/intuitiv - visuell/verbal und sequentiell/global) sind selbst eine Mischung von verschiedenen theoretische Modellen (David Kolb, Myers Briggs Type Indicator etc.). Tatsächlich hat sich das Felder-Silverman Modell recht weit durchgesetzt. Doch ist zu bedenken, dass sich bestimmte Ideen häufig nicht wegen einer besseren Übereinstimmung mit der Realität sondern wegen ihrer besseren Replikationsmöglichkeit durchsetzen (vgl. dazu Memetics bzw. Meme). Bereits die Studie des Learning and Skills Research Centre von 2005 hat die 71 festgestellten Lernstile auf 13 Modelle reduziert. Empirische Untersuchungen mit einem erweiteren Theorie- bzw. Modellset sind daher mE dringend angebracht.

Triangulation der ForscherInnen

Mit dem Internet ist zum ersten Mal auch in großem Stile eine ForscherInnentriangulation möglich: Durch Blogs, Wikis etc. ist ein Beratungs- und Diskussionsprozess unter Gleichgesinnten möglich. Dadurch wird "Einsamkeiten" bzw. "Elfenbeintürme" von ForscherInnen aufgehoben und sowohl bei der Produktion von Ideen als insbesondere in deren Ausarbeitung das Aushandeln und damit Berücksichtigen von multiplen Standpunkten möglich. Wenn ForscherInnen es wagen ihre Standpunkte bereits während des Forschungsprozesses und damit weit vor der Veröffentlichung zur Diskussion zu stellen, dann vermeiden sie die Gefahr bestimmte Bedingungen übersehen oder sich in einen Irrweg verlaufen zu haben.

Ich bin mir bewusst, dass diese Idee seltsam anmuten mag, weil damit ja anscheinend die Gefahr des Diebstahls von Ideen besteht. Doch glaube ich, dass das kooperative (Aus-)Arbeiten an Ideen sich mit einer geeigneten Organisationsform durchführen lässt. Es geht nicht darum, dass die Idee selbst im Nirwana der kooperativen Aktivitäten der Community verschwindet, sondern, dass kollaborativ an der praktischen Umsetzung der Ideen – und damit an ihrer Verifizierung gearbeitet wird.

Als Beispiel der ForscherInnentriangulation mag vielleicht die Idee von Lawrence Lessing dienen, der sich nach 10 jähriger Beschäftigung zu Copyrightfragen (siehe sein Blog) sich nun die nächsten 10 Jahre der Antikorruptionsarbeit (siehe Beitrag mit Video) widmen will. Die Idee, d.h. seine (!) Idee dabei ist es jedoch nicht die offensichtliche Bestechung aufzudecken (also z.B. Kongressabgeordneter X erhält 50.000 US$ und stimmt für ein bestimmtes Gesetz), sondern wo die Korruption durch eine subtile Antizipation eines - vielleicht auch nur indirekten – ökonomischen oder anderes gearteten Vorteiles stattfindet. Lessig hat dazu ein Anti-Korruptionswiki eingerichtet, wo er zu einer gemeinsamen Exploration dieser (seiner) Idee einladet.

Eine Fundgrube für weitere Beispiele, wie durch massenhafte Zusammenarbeit im Internet gemeinsam Vorteile erzielt werden können, finden sich in Wikinomics - How Mass Collaboration Changes Everything. Selbst in patentrechtlichen heiklen Situationen oder dort wo schärfste Konkurrenz unter Firmen um heiß umkämpfte Marktanteile herrscht kann die gemeinsame Produktion von Ideen (nach einem Begriff von Yochai Benkler auch Peer Production genannt) Win-Win Situationen erzeugen. Ich bin überzeugt davon, dass diese relativ neue Tendenz auch in den Wissenschaften Fuss fassen wird und sich in einer radikalen Veränderung des Arbeitsstils von ForscherInnen niederschlagen wird. Erste Andeutungen dazu finden sich sowohl in den obigen Links wo Websites wi Wikinomics nicht nur zur (nachträglichen) Diskussion von Büchern einladen, sondern gemeinsam am nächsten Band  (The Wikonomics Playbook) gearbeitet wird. Auch im Buch von Michael Nentwich (Cyberscience: Research in the Age of the Internet) werden nicht nur die Konsequenzen von Cyberscience angesprochen sondern durch eine aktualisierte und durch Zusammenarbeit erweitere Linkdatenbank zur IKT-Nutzung im akademischen Bereich auch exemplarisch umgesetzt.

PS.: Ist – überraschend für mich selbst – ein langer Beitrag geworden. Eine endlich auskurierte Magen-Darmgrippe in Verbindung mit einem abgesagten Rerferatstermin im Ausland hat mich endlich mal dazu geführt, Gedanken, die ich schon länger hatte, mal zusammen zu schreiben. Muss ich öfter machen – nicht das mit der Grippe, sondern das mit wenigeren Terminen ;-)

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Privat-Universitäten in Österreich

Im Zusammenhang mit der geplanten Neugründung einer privaten medizinischen Universität in Krems und der damit einhergehenden Neupositionierung der Donau-Universität Krems habe ich mir mal einen Überblick zu den österreichischen Privat-Universitäten verschafft.  Ich wollte mal einen Eindruck über Studienangebot, Anzahl der Studierenden und Preise bekommen.

In Österreich können seit dem Jahr 1999 Privat-Universitäten gegründet werden. Das diesbezügliche Bundesgesetz über die Akkreditierung von Bildungseinrichtungen als Privatuniversitäten (Universitäts-Akkreditierungsgesetz - UniAkkG), BGBl I Nr. 168/1999, in der Fassung BGBl I Nr. 54/2000 stellt die gesetzliche Basis dar.

Vor allem wollte ich auch mal prüfen, ob der Sektor der Privat-Universitäten für meine Lehrgänge eine Konkurrenz darstellen. Das ist nicht der Fall:  Die Privat-Universitäten sind zwar auch in der berufsbegleitenden Weiterbildung tätig, doch nehmen Sie von ihrer Studierendenzahl als auch von ihren Studienangeboten bloß eine Nischenfunktion ein. Es gibt derzeit 11 vom Österreichischen Akkreditierungsrat zugelassene Privat-Universitäten in Österreich. Sie sind relativ klein (bisher etwa 3.600 Studierende, für ds Studienjahr 2007/2008 wird eine Erhöhung auf 4.000 prognostiziert) und auf Spezialgebiete wie Medizin, Design & Kunst, Theologie sowie Business Administration fokussiert. All diese Themen tangieren meine Arbeit kaum.

Generell habe ich den Eindruck, dass Forschung – mit Ausnahme der medizinischen  Privat-Unis - kaum vorkommt. Die Qualifikation des internen Staffs lässt meiner Meinung nach – mit ein paar Ausnahmen des "Einkaufs" von einigen (nebenberuflich tätigen?) Univ-Profs die sich wahrscheinlich ein "Zubrot" zu ihrem Hauptjob an öffentlichen Universitäten verdienen, lässt ebenfalls zu wünschen übrig. Es gibt - mit den erwähnten Ausnahmen - keine Habilitieren und selbst promovierter Staff ist relativ selten. (Für Nicht-Österreicher: Manchmal findet sich der Titel "Prof.", damit werden aber SchullehrerInnen in Österreich bezeichnet, es müsste "Univ.-Prof." heißen.)

Wie gesagt: Bei diesem ersten Internet-Rundgang nahmen die medizinischen Universitäten (PMU Salzburg und UMIT Hall) vor allem schon wegen deren relativen Größe eine Sonderstellung ein. Ganz besonders interessant für mich war aber auch die Sigmund Freund Privat-Universität (SFU): Sowohl von der Forschungsausrichtung (human- und sozialwissenschaftlicher Fokus statt der üblichen naturwissenschaftlich bzw. medizin-technischen Ausrichtung) als auch vom kürzlich eingerichteten Doktoratsstudium. Vielleicht kann die SFU als sehr kleine Universität (rund 300 Studierende) hier der DUK – die derzeit über kein Promotionsrecht verfügt - eine Vorbildrolle sein?

Offizielle Kurzpräsentationen finden sich auf der Seite der Rektorenkonferenz der österreichischen Privat-Universitäten. Eine gute Zusammenfassung gibt auch ein Standard-Artikel vom 24. April 2007, der vor allem (endlich!) auch die Anzahl der Studierenden je Privat-Universität auflistet. (Inzwischen gibt es jedoch mit der MODUL University Vienna, die im Herbst mit etwa 100 Studierenden starten wird, siehe auch Standardartikel).

Über ihre Rektorenkonferenz wollen sich die Privat-Universitäten in der post-gradualen Ausbildung im Verhältnis zu den öffentlichen Universitäten besser positionieren. Sie verlangen "Chancengleichheit" in zweierlei Hinsicht (siehe dazu auch einen Standard-Artikel):

  1. Auch die Postgraduate-Angebote der staatlichen Unis sollten vom Akkreditierungsrat zugelassen werden müssen, was ich persönlich für durchaus sinnvoll halte.
  2. Die strikte Forderung des Verbots von Bundesfinanzierung soll "aufgeweicht" werden und es soll der Bund in Zukunft bestimmte Projekte im Bereich der Forschung und Lehre der Privat-Universitäten finanzieren (können). Dagegen hat sich der Wissenschaftsminister bereits ausgesprochen. An der gesetzlichen Grundlage der Nichtfinanzierung werde nicht gerüttelt.
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Lesemarathon für 3 Dissertationen

Defensio Schania
Traxler Cartoon

Die letzten 14 Tage war ich wieder einmal völlig im Stress. Diesmal war es aber nicht durch Termine, Referate etc. verursacht, sondern --- durch Lesen. Ich wusste gar nicht, dass auch bloßes Lesen Adrenalin in großen Mengen produzieren kann: ;-) Gleich 3(!) Dissertationen wurde praktisch zur selben Zeit fertig und mussten wegen knapper Deadlines gelesen und begutachtet werden. Schon ein eigenartiger Zufall: Meistens tut sich Monate lang in dieser Hinsicht gar nichts, 1-2 Dissertationen pro Jahr ist bisher mein üblicher Schnitt gewesen.

Der Stress hat sich aber ausgezahlt. Alle drei Dissertationen hatten einen starken Bezug zu meinen eigenen Forschungsthemen und brachten mir selbst sehr viele Anregungen:

  1. Silvia Schania untersuchte "Die Bedeutung des E-Learning in der betrieblichen Aus- und Weiterbildung in internationalen Unternehmen." Es handelte sich um eine empirische Studie an ausgewählten Unternehmen im Raum Österreich, die als Dissertation an der Wirtschaftsuniversität Wien eingereicht wurde. Auf der Grundlage 24 qualitativer Interviews, die mit ATLAS-ti ausgewertet wurden, hat Frau Schania vier grundsätzliche Typen konstruiert: Je nachdem wie weit der E-Learning Einsatz im Gesamtkonzept des Unternehmens bereits strategisch verankert wurde, unterscheidet sie: E-Learning Pioniere, konzernweite E-Learning NutzerInnen, österreichweite NutzerInnen sowie E-Learning NovizInnen. Einige sehr illustrative Fallbeispiele zeigen für mich, dass sich E-Learning in der betrieblichen Aus- und Weiterbildung zumindest in Österreich noch in den Kinderschuhen befindet.

    Daraus hat sich für mich gleich eine praktische Schlussfolgerung ergeben: Wir werden in meinem Department für Herbst 2008 zwei neue Weiterbildungsmaster entwickeln: Einer richtet sich an die Verantwortlichen in der betrieblichen Aus- und Weiterbildung, die – so scheint es mir zumindest – meist in das E-Learning Thema "hinein geschlittert" sind und sich meist die erforderlichen Grundkenntnisse selbständig als "Work in Progress" individuell und mit wenig Unterstützung aneignen müssen. Ein weiterer Master wird auf Führungskräfte abzielen: Hierbei geht es vor allem um E-Learning Strategien, die entsprechend den Unternehmenszielen entwickelt, umgesetzt, begleitet und evaluiert werden müssen.
  2. Annabell Preußler (siehe aber auch ihr persönliches deutschsprachiges Weblog, ihre neue persönliche berufliche Website, außerdem gibt es noch ein Fotoblog und ein schwedisches Blog) kritisiert in ihrer Dissertation an der FernUniversität Hagen "Wir evaluieren uns zu Tode. Möglichkeiten und Grenzen der Bewertung von Online-Lernen“ die meist methodisch recht undifferenzierte Vorgangsweise bei Lernerfolgs-Vergleichsstudien.
    1. Erstens wird häufig übersehen, dass "Lernerfolg" ein Konstrukt aus verschiedenen Dimensionen darstellt, die je nach dem gewählten Lernziel stark differieren können. So können beispielsweise entsprechend der Taxonomie von Anderson & Krathwohl die niederen kognitiven Prozesse wie Erinnern und Verstehen nicht mit dem Lernerfolg bei höheren Zielen wie Evaluierung und (Er)Schaffen verglichen und damit implizit gleichgesetzt werden. (Soweit passt es ja noch meistens bei den untersuchten Vergleichsstudien.)

      Ein Beispiel zur besseren Verständlichkeit: Die Variable "Fahrerlebnis" ist eine Konstruktion, bei der – je nach dem theoretischen Ausgangspunkt und Modellierung der ForscherInnen – beispielsweise Faktoren wie Straßenlage, Geräuschpegel, Geschwindigkeit, Beschleunigung, Innenausstattung, Fahrkomfort etc. etc. einfließen können. Es wäre unsinnig nur eine der Dimensionen bei einer Vergleichsuntersuchung heranziehen.
    2. Wenn zweitens traditionelle Unterrichtsmethoden wie Präsenzunterricht, Lernen mit Hilfe eines Buches etc. mit Online Lernen verglichen wird, werden meistens die beiden Vergleichsgruppen sowohl in ihrem Unterrichtsmethodik als auch in ihrem Testverfahren zur Feststellung des "Lernerfolgs" möglichst identisch aufgebaut.
      • Damit wird aber einerseits das besondere Potential der jeweiligen Unterrichtsmethode nicht berücksichtigt. Die interaktiven und kommunikativen Möglichkeiten Internet ausnutzend (Stichworte Web 2.0, Social Software), könnte ich ganz andere Unterrichtsszenarien – die z.B. auf höhere kognitive Prozesse abzielen – entwickeln, als dies beispielsweise im Präsenzunterrichts, mittels eines Buches oder einer DVD möglich möglich wäre. Warum sollte ich einen PKW und einen LKW gleichermaßen zur Personenbeförderung verwenden, wenn der besondere Vorteil des LKW eigentlich im Transport von Lasten liegt.
      • Andererseits ist aber – wenn tatsächlich auf die besonderen Eigenschaften und Potentiale Rücksicht genommen wird – absurd, diese Unterschiede dann mit derselben Prüfungsmethode zu erfassen. Es ist so wie bei dem Cartoon oben von Hans Traxler: Allen Tieren wird ungeachtet ihrer sonstigen Eigenschaften ("Begabungen") die gleiche Prüfungsaufgabe gestellt: "Klettern Sie auf einen Baum!" (Das Original der Karikatur von Hans Traxler ist übrigens im Karikaturenmuseum in Krems zu sehen!)
    3. Annabell Preußler untersucht 11 Vergleichsstudien im Sinne einer Metaevaluation im Detail und zeigt auf, dass bis auf eine einzige Ausnahme die oben besagten Fehler durchgängig begangen wurden. Statt bei einem mehrdimensionalen Konstrukt wie es "Lernerfolg" ist, nur eine Dimension zu vergleichen, müssen ganzheitliche Arrangement (Lernsettings) in ihren (gleichzeitigen) Auswirkungen auf die einzelnen Faktoren untersucht werden. Daraus würden sich dann nicht nur Hinweise ergeben, welches Lernarrangements in Hinblick auf welchen Faktor zu empfehlen wären, sondern es würde damit auch das dynamische Wechselspiel der Faktoren untereinander verständlicher werden, was wiederum der Theoriebildung zur Lernforschung gut tun würde.
  3. Maximilian Senges reichte seine Dissertation "Knowledge Entrepreneurship in Universities. Practice and Strategy in the Case of Internet Based Innovation Appropriation" an der Universitat Oberta de Catalunya im Rahmen des Programms über die Informations- und Wissensgesellschaft ein. Darin wird an Hand von 4 extensiv untersuchten Fallstudien sehr unterschiedlicher Universitäten (LSE, FU-Berlin, UPC und UOC) der Frage nachgegangen, welche Faktoren "Knowledge Entrepreneurship" an Universitäten begünstigen bzw. behindern. Knowledge Entrepreneurship wird jedoch nicht ökonomisch verstanden, sondern als die Fähigkeit definiert Gelegenheiten für Innovative Wissensprodukte zu erkennen, zu ergreifen bzw. durchaus auch selbst zu erzeugen. Auch hier wurden die 93 (!) Interviews, die sich auf Grundlage monatelanger Site Visits ergaben, mit ATLAS-ti ausgewertet und zwar auf der Folie von metatheoretischen Ausgangspunkten, die sich auf die Theorie komplexer Systeme und des Ansatzes von Gilles Deleuze stützten. 

    Das Thema war für mich vor allem aus drei Gründen hoch interessant:
    1. Erstens hat Maximilian Senges die Fragestellung gerade unter dem Gesichtspunkt der Umsetzung von Internet Innovationen - also einem Thema das mich selbst auch sehr beschäftigt - untersucht. Ich bekam eine Unmenge von Anregungen, die ich erst noch entsprechend verarbeiten muss. Außerdem wurde ich auf Literatur gestoßen, die ich bisher noch nicht gekannt hatte.
    2. Zweitens war es eine Gelegenheit für mich über die besondere Rolle meiner eigenen Universität zu reflektieren, die es sich ja gerade als Ziel gestellt hat, solch eine "unternehmerische Universität" zu sein. Auch hier ergeben sich gerade jetzt, wo die Donau-Universität Krems (DUK) eine Strategiediskussion in Hinblick zur Ausgründung einer privaten Medizin-Universität führt, viele Anregungen für den mich interessierenden Bereich einer "Weiterbildungsuniversität". Auch hier muss ich erst noch diese Anregungen und Hinweise verarbeiten.
    3. Drittens aber faszinierte mich auch die phänomenologisch orientierte Handlungsforschung, die neben einer Daten, Methoden und Theorietriangulation auch eine Triangulation der ForscherInnen beinhaltete. Maximilian Senges hat bereits während des Schreibens seiner Dissertation sowohl den Prozess des Fortgangs als auch die laufenden Ergebnisse seiner Arbeit der einschlägigen Community in Form von (traditionellen) Präsentationen, sowie einer (bereits weniger üblichen) Mailingliste und vor allem aber auch mittels dem innovativen Ansatzes eines Wikis zur Verfügung gestellt. Damit wurde bereits während des Schreibens der Dissertation eine gewisse Validität der Daten, Methoden und Theorien erreicht. Im Augenblick wird gerade der gesamte Webauftritt unter http://www.knowledgeentrepreneur.com im Hinblick auf die Veröffentlichung der Ergebnisse komplett umgearbeitet.


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Winterzeit - (K)eine Stunde gewonnen

oder: Wie elektronische Apparaturen uns die Zeit stehlen

Heute wurde uns (angeblich) wieder eine Stunde geschenkt. Früher habe ich mich über den Tag von der Umstellung von Sommer- auf Winterzeit sehr gefreut: Eine Stunde länger schlafen! In den letzten Jahren hat sich meine Freude allerdings in zunehmenden Maße in Ärger verwandelt. Das hängt aber nicht mit meiner  "senilen Bettflucht" zusammen, die mich sowieso mit zunehmenden Alter immer früh(er) aufwachen lässt. [Meine MitarbeiterInnen können davon ein Lied singen, wenn sie bereits am Morgen, wenn Sie den Computer einschalten mit Mails von mir überflutet werden.] Nein, es sind gerade die "Segnungen" unserer technologisch geprägten Zivilisation, die uns diese (scheinbar gewonnen) Stunde wieder stiehlt.

Oder müssen Sie nicht durch die Wohnung rasen und alle Uhren nachstellen? Na gut, es gibt ja bereits Funkuhren und auch die Uhren der Computer werden alle automatisch nachgebessert. Aber was ist mit anderen elektronischen Büroutensilien im Haushalt: Handys, Digitalkameras, Videorekorder, Faxgeräte etc.? Überall wollen wir entweder die Zeit der Transaktion anderen mitteilen oder zu einer bestimmten Zeit irgendeine Aktion automatisch ausführen lassen.

Aber das ist nicht alles: Da gibt es bei mir auch noch Backrohre, Mikrowellenherde und andere elektronische Gadgets, die nachgestellt werden wollen. Die haben ja alle bereits Uhren, damit sie entsprechend programmiert werden können. Nicht zu vergessen die Temperaturregelung der Heizung und der Warmwasserboiler. Da ist es mit einer einfachen spontanen Nachjustierung nicht getan. Da beginnt dann das hektische Suchen nach der Betriebsanleitung. Ist die erst einmal gefunden, konzentriert sich die Suche nach der richtigen Stelle auf der richtigen Seite (möglichst wenn es geht auch in der richtigen Sprache, mein Russisch ist zur Zeit ein wenig eingerostet).

Glücklicherweise steht ja meistens gleich zu Beginn "Tipps zur Inbetriebnahme": "Wenn Sie das Gerät das erste Mal anschließen, blinkt die Anzeige der Uhrzeit." Tut sie bei mir nicht, weil ich blöderweise das Gerät ja bereits schon im Betrieb habe. Soll ich den Hauptschalter für den Strom kurz auf "Aus" kippen oder mich eher auf die Suche in die Innereien der Betriebsanleitung begeben? Ich entscheide mich für die zweite Variante - ich weiß ja nicht, welche Probleme dann vielleicht erst recht auftauchen. Möglicherweise braucht die Gasetagenheizung eine besondere Anlaufprozedur oder ähnliches...

Wenn ich dann endlich mit dieser eigenartigen morgendlichen Sonntagsbeschäftigung fertig ist, ist auch die (scheinbar gewonnene) Stunde verstrichen. Dabei ist noch gar nicht berücksichtigt, dass auch im weiteren Laufe des Jahres immer wieder irgendwelche Gadgets mit der falschen Zeit auftauchen. Da gibt es ja noch die Zweituhr, Taschenrechner in verschiedenen Schubladen, die Pulsmessuhr, die Wetterstation am Balkon usw. usf.

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Re:Winterzeit - (K)eine Stunde gewonnen

Kommentar von baumgartner am 07.11.2007 18:00

Inzwischen habe ich bereits weitere Uhren umstellen müssen: Die Uhr im Büro und natürlich - ganz wichtig - die Autouhr.

Von der Ordnung ungeordneter Informationen

Oder: Wie gemeinschaftliches Indexieren die Welt unterschiedlich interpretiert

Ein wichtiger Punkt der Argumentation in Weinbergers Buch Everything Is Miscellaneous ist es, die wesentlichen Unterschiede zwischen physikalischen Objekten (also der Welt der Atome und Moleküle) und digitalisierten Objekten (also die Welt der Bits und Bytes) deutlich zu machen. Das nachfolgende Beispiel des Supermarkts, bzw. des Bücherregals kann dazu vielleicht eine erste Annäherung bieten:

Die Welt der Atome und Moleküle

Im Supermarkt (also der "körperlichen" Welt) beanspruchen physische Objekte einen Platzbedarf, nehmen Raum ein. Daraus ergeben sich eine Reihe von weitreichenden Konsequenzen.

  1. Manche Objekte sind näher als andere. ManagerInnen von Supermärkten machen sich das zunutze indem sie die wichtigen Dinge, die man/frau häufig braucht, möglichst weit hinten und schlecht zugänglich anordnen. So sind wir gezwungen die weniger wichtigen Dinge wahrzunehmen, die wir dann vielleicht – ohne das vorher gewollt zu haben - auch kaufen.
  2. Objekte können nur an einem einzigen Ort zur gleichen Zeit sein. Das bringt die unvermeidliche Frage auf: Was ist der beste Platz? Wo soll ich beispielsweise das Buch "Everything Is Miscellaneous" in meinen Bücherregalen einordnen? Dort, wo ich die Web 2.0 Bücher habe oder eher dort, wo ich Material für mein wissenschaftstheoretische (konstruktivistische) Kritik an Taxonomien sammle, oder eher dort, wo ich zitierfähiges Material für mein geplantes Buch zur Systematik von didaktischen Szenarien abgelegt habe. In dem einen Fall steht es dann vielleicht zwischen John Seely Brown & Paul Duguid "The Social Life of Information" und Jan Schmidt: "Weblogs. Eine kommunikationssoziologische Studie" im zweiten Fall neben Lorin Anderson & David Krathwohl "A Taxonomy for Learning, Teaching and Assessing" und Michael Foucault "Die Ordnung der Dinge". Das Buch ist also nicht nur in ganz unterschiedlichen Kontexten aufzuspüren sondern würde sich bei mir auch in zwei verschiedenen Räumen befinden. Um dieses Dilemma der Einordnung zu vermeiden, soll ich nicht vielleicht eine eigene Abteilung "Weinberger" beginnen und vielleicht alle meine Bücher alphabetisch nach AutorIn ordnen? Also auf eine fachliche (d.h. inhaltliche Spezifizierung – die ja immer ExpertInnen braucht) ganz verzichten und meine Bücher nicht nach inhaltlichen sondern nach formalen Kriterien sortieren?

    Es gibt nur jeweils eine Möglichkeit, wenn wir mal davon absehen, dass ich das Buch mehrmals kaufe. Und das Problem ist: Jede der beiden ersten Varianten hat ihre Berechtigung: einmal geht es mir um Social Software, ein anderes Mal um die Kritik an hierarchischen Kategorisierungen. Ich muss mich jedesmal wenn ich das Buch brauche daran erinnern, was damals - als ich es in das Bücherregal eingeordnet habe - der relevante Gesichtspunkt gewesen war.

    Also doch eher formal, sprich alphabetisch einordnen? Dann muss ich aber ständig die Bibliothek neu sortieren, weil Bücher als physische Objekte Raum brauchen. Mit Neuerscheinungen wird der vorgesehene Regalplatz für einen Buchstaben irgend wann einmal überschritten. Bei W wie Weinberger ist das nicht einmal so tragisch, weil nur die Bücher von Weinberger bis Zeilinger "Einsteins Schleier" umsortiert werden müssen. Schlimmer ist es dann schon, wenn ich selbst wieder ein Buch geschrieben habe: Da muss dann alles zwischen BA bis ZE herum geschoben bzw. von einem Regal ins nächste gestellt werden. Und dann ist schon eine recht ordentliche Gewichtsmenge, die da in Bewegung gesetzt werden muss. - OK, ich gebe zu, dass auch mal meine Sammlung der Kritik der Taxonomie den ihr ursprünglich vorgesehenen Platzbedarf beschränkt. Aber dann kann ich entweder ein neues Regal anfangen oder mit dieser kleinen Sammlung von Büchern auf ein Regal mit mehr Platz (z.B. weil es länger ist) ausweichen. Ich muss nicht die ganze Bibliothek umordnen.

    BTW: Ein guter Freund hat mir erzählt, dass seine neue Putzfrau das quälende Problem einer unsystematischen Bücherfront (große, kleine, dicke, dünne, gelbe, rote, grüne Buchrücken) einfach dadurch gelöst hat, dass sie alle Bücher mit dem Rücken zur Wand nach ihrer Höhe sortiert aufgestellt hat. Das hat zumindest zu einer adretten gleichförmigen weißen Erscheinung geführt...
  3. Es gibt nur ein Layout, nur eine An"ordnung" physischer Objekte. Wir müssen uns daher - wie die oben erwähnte Putzfrau –  für einen Ordnungsgesichtspunkt entscheiden, auch wenn unsere Bedürfnisse unterschiedlich sind bzw. sich verändern. Dieser ordnende Gesichtspunkt zwingt die Welt ins unsere Standardkategorien: Für Kinder und Behinderte in einem Rollstuhl sind manche Waren in Supermärkte nicht erreichbar.
  4. Ordnung ist ein monolithisches allumfassendes (totalitäres) System. Die einmal gewählte Perspektive muss als Ordnungssystem durchgängig und möglichst ohne Ausnahmen umgesetzt werden. Ein Buch, das in einer alphabetisch sortierten Bibliothek nicht an seinem Platz ist, kann nicht mehr aufgefunden werden. Es ist so, als ob es nicht mehr vorhanden, verschwunden ist.

Die Welt der Bits und Bytes

Aber alle diese Eigenschaften physischer Objekte gelten in der digitalen Welt nicht mehr. Die Welt der digitalen Informationen muss nicht mehr von ExpertInnen in sorgsam vordefinierten Schachteln vorsortiert werden. Projekte wie die von Menschen sortieren Informationslinks von Yahoo oder DMOZ haben sich überlebt. Mit modernen Suchmaschinen wie Google finde ich Informationen nach all jenen Kriterien auf, die mir relevant erscheinen. Es ist mir dabei vollkommen egal wo die Bits dabei physisch aktuell liegen (auf welchen Server, auf welcher Rille der Festplatte).

Obwohl diese neue Eigenschaft digitalisierter Information und allen intuitiv klar ist, sind wir trotzdem noch unserem alten Mindset verhaftet: Auch ich suche meine Dateien häufig immer noch indem ich mein selbst angelegtes hierarchisches Filesystem durchlaufe, statt auf meinem Rechner über Spotlight mit einem inhaltlichen Ausdruck die Datei direkt zu suchen. Als ich neulich davon las, dass die Washington Post schon vor Jahren darüber berichtete, dass die Telefongesellschaften als Internetprovider den Zugang zum Internet priorisieren wollen, habe ich zuerst (erfolglos) versucht den Artikel in den Archiven der Washington Post zu finden. Als ich dann einfach das ganze Zitat in Anführungszeichen in Google eingab, habe ich die Beitrag sofort gefunden.

Digitalisierte Information verhält sich eben ganz anders als wir es noch von physikalischen Objekten gewohnt sind:

  1. Alle Informationen sind gleich weit weg - Sie können mit einem einzigen Klick auf einem Hyperlink erreicht werden.
  2. Es ist egal wo die Information physisch liegt, es kann von überall zugegriffen werden.
  3. Die Zusammenstellung (Anordnung) der Information kann beliebig variiert werden und für jedem je nach seinem Geschmack und Gusto angeordnet werden.
  4. Statt vordefinierte Ordnungssysteme nach bestimmten trennscharfen Gesichtspunkten zu entwickeln, werden Informationen einfach in das weltweite Netz (WWW) geworfen und dann danach direkt gesucht.

As we invent new principles of organization that make sense in a world of knowledge freed from physical constraints, information doesn't just want to be free. It wants to be miscellaneous. (p.7)

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Zeiten ändern sich

Mit einem Wesch-Video, der diese Veränderungen zu charakterisieren versucht

Es gab einmal eine Zeit, wo der Informationsfluss bezüglich Internet in unserer Familie eine Einbahnstraße war: Von mir zu meiner Frau. Nun, das hat sich inzwischen grundsätzlich geändert. Meine Frau führt nicht nur ihr eigenes Weblog Softskills, aus dem ich immer wieder Anregungen bekomme, sondern weist mich auch extra immer wieder auf interessante Sachen hin. So habe ich beispielsweise den Hinweis auf den Video von Michael Wesch zum Web 2.0 The machine is us/ing us, den ich inzwischen selbst in mein Weblog aufgenommen habe und auch bei Vorträgen immer wieder vorzeige, von ihr bekommen.

Referenzieren der Hinweise?

Eigentlich müssten nicht nur die AutorInnen zitiert werden, sondern auch jene Personen, denen wir die Hinweise zu diesen persönlich wichtigen Ressourcen verdanken. Im Internet wird dies durch Funktionen von Social Software durchaus ja gemacht; im normalen f2f-Alltag ist das noch selten der Fall. Beim Zitieren wissenschaftlicher Arbeiten würde es uns derzeit wohl überhaupt komisch vorkommen, obwohl es sicherlich interessant und auch für das Verständnis des Erkenntnisganges wichtig wäre. Es fehlen uns dazu aber noch die entsprechenden Werkzeuge.

Pull statt Pushprinzip

Viele Hinweise meiner Frau bekomme ich über Mail. Das ist vielleicht ein wenig absurd, weil Ingrid in Hörweite im Nebenzimmer sitzt. Manchmal würde da auch ein Schreien genügen, aber eine URL ist wohl verbal nicht besonders gut kommunizierbar. Außerdem wollen wir als anständige Internetbürger unsere Infos ja nicht aufdrängen, sondern jeder soll sich selbständig entscheiden, wann er/sie die Information braucht und holen will (pull statt push). Konsequent weiter gedacht wäre dann aber eigentlich auch dieser Mailverkehr einzustellen und wir müssten ein Familienwiki oder ähnliches anlegen.

Veränderungen, die langsam - quasi schleichend - in der unmittelbaren Umgebung vor sich gehen, sind häufig nicht wahrnehmbar. Als meine Frau mit dann aber ihr Weblog gezeigt hat an dem sie - still und heimlich schon Wochen gearbeitet hat- war ich aber dann doch extrem beeindruckt. Abgesehen davon, dass es künstlerisch viel besser gestaltet ist als meines - das ich vom Design und vor allem vom Banner her langsam satt habe - ladet es mit den vielen Links zum Stöbern ein. Ein Beispiel ist ihre Blogroll, die auf sehr viele gute Blogs hinweist. [Ich bin schon neugierig wenn der Link auf mein eigenes Weblog - natürlich aus Platzgründen ;-) - verschwinden wird.]

Lesekultur und Studierverhalten verändern sich

Da ist mein eigenes Blog weit mehr auf mich konzentriert. Ich verwende es überwiegend um meine eigenen Gedanken auszuformulieren und zu strukturieren. Ich wüsste auch gar nicht, wo ich die Zeit hernehmen sollte, all diese vielen anderen Infos zu lesen und zu verarbeiten. Bisher habe ich es nicht zu einer systematischen Integration des Lesen der mich interessierenden RSS-Feeds in meinem Arbeitsablauf gebracht. Aber irgendwie muss ich dies vielleicht mal versuchen.

Es scheint mir, dass das Lesen von (Fach-)büchern immer absonderlicher wird. Abgesehen davon, dass ein konzentiertes längerfristiges Arbeiten nur in der Abtrennung von allen Kommunikationskanälen möglich ist (nicht in die Mail schauen, Notifikationssysteme ausschalten, Skype Onlinestatus auf unsichtbar stellen etc.) hat sich das Lesen von Büchern – zumindest in meinem Fachgebiet – grundlegend geändert. Das Lesen des Buches ist nicht mehr ein sich selbst genügender Zweck sondern stellt den Beginn einer umfangreichen Internetrecherche dar.

Das Lesen von Wikinomics, ein übrigens sehr empfehlenswertes Buch, zu dem ich sicherlich noch auf diesen Seiten etwas sagen werde, hat mir das deutlich gemacht. Das Buch war eigentlich nur parallel mit einem eingeschalteten Rechner, auf den ich die Argumentation nach verfolgt und überprüft habe, zu lesen. Ein ständiges Springen vom Buch zum Internetbrowser war die Folge. Da ich Bücher nicht gerne auf meinem Schreibtisch vor dem Bildschirm - nachdem ich die Tastatur weg geschoben habe - lese, sondern mir dazu bequemere Plätze aussuche (Couch, Schaukelstuhl, Bett), war es angenehm einen Laptop mit Wireless LAN in der Wohnung zu haben. Ohne diesen ständigen Wechsel Lesen-Internetrecherche-Lesen wäre das Buch bei weitem nicht so informativ und wertvoll für mich geworden. Über 50 neue Links habe ich dabei geFURLed.

Ein weiterer Wesch-Video A Vision of Students Today versucht diese Veränderung des Studierverhaltens deutlich zu machen. Wenn Ihnen die englischen Texteinblendungen zu schnell gehen, es gibt ein Transkript des Films.


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