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E-Portfolios

Zusammenfassung der Beiträge in: Jafari, A. und C. Kaufman (2006). Handbook of Research on ePortfolios. Hershey-London-Melbounre-Singapore, IDEA Group Reference.

Unterrichtsfunktionen von E-Portfolios

Sherman, G. (2006). Instructional Roles of Electronic Portfolios. In: Handbook of Research on ePortfolios. Hrsg.: A. Jafari und C. Kaufman. Hershey-London-Melbounre-Singapore, IDEA Group Reference. 1-14.

Der Autor führt gegen die zwei in der Literatur dominant diskutierten Anwendungsgebiete von E-Portfolios – nämlich Assessment und Showcase - 11 weitere Verwendungsmöglichkeiten an:

  1. Das Produzieren von Artefakten ist selbst bereits eine Lernaufgabe. Studierende müssen dabei eine Reihe von Fertigkeiten lernen (Erstellen von Grafiken, PDF-Dokumenten, Links etc.) So schließt z.B. das Erstellen eines Unterrichtsentwurfs ("Lesson Plan") eine Reihe von Aktivitäten ein wie z.B. die Beschreibung des Unterrichtsentwurfs selbst (z.B. in Form einer chronologischen Tabelle), Kopien von Unterrichtsmaterialien (z.B. Bilder, gescannte Texte, Hyperlinks) und einen Erfahrungs- bzw. Evaluationsbericht über den Einsatz im Unterrichts (z.B. eine Textdatei). Ein besonders wichtiges Feature dabei ist es, dass die notwendigen Fertigkeiten (wie z.B. ein Foto als eine Grafik in PNG-Format platzsparend für das Web abgespeichert wird) nicht abstrakt gelernt wird sondern in einem bedeutungsvollen Kontext.
  2. Eine detaillierte Zielbeschreibung als Lernunterstützung in Form von Hilfeseiten, animierten Screenshots, best practice Beispielen, Erfahrungsberichte über besondere Schwierigkeiten kann selbst als eine Art scaffolding dienen. Unter Scaffolding (engl. Baugerüst, ein Gerüst aufstellen) wird eine Lehrstrategie bezeichnet, die Studierende bei der Lösung einer Aufgabe hilft bzw. unterstützt. Das Kommunizieren von Lernzielen selbst wird auch häufig als "metakognitive Unterstützung" (metacogntivie scaffolding) bezeichnet.
  3. Durch das ständige Arbeiten mit E-Portfolios werden laufend IT-Übungen in einem bedeutungsvollen Kontext durchgeführt (siehe auch Punkt 1)
  4. E-Portfolio können durch die Verlinkung zu anderen E-Portfolios bzw. Artefakten sowohl Beispiele als auch Nicht-Beispiele bestens illustrieren. Das Lernen von Beispielen ist im Sinne einer deiktischen Definition für den Lernprozess sehr wichtig.
  5. Leistungsbewertung können - unabhängig von einer relativ nichts sagenden Note oder einer immer noch zu interpretierenden Beschreibung - leichter und nachvollziehbarer durchgeführt worden. Das originale Artefakt kann jederzeit neu - und im Lichte des jeweiligen Kontextes - neu bewertet werden.
  6. Besonders wichtig für die individuelle ist die mit E-Portfolios verbundene Möglichkeit der Reflexion des eigenen Lernprozesses. Darauf habe ich bereits in einem eigenen Artikel ausführlich hingewiesen.
  7. Selbstverständlich gibt es auch die Möglichkeit Feedback zu kommunizieren, sei es über eine Kommentarfunktion, über integrierte Diskussionforen oder indem von einem Weblog darauf referenziert wird (sog. TrackBack). Greg Sherman erwähnt dabei nebenbei zwei web-basierte Dienste in den USA, die bei uns wenig bekannt sind: LiveText und TaskStream.
  8. Ein E-Portfolio kann natürlich auch als Planungs- und Managementwerkzeug verwendet werden, wenn es z.B. als begleitende Unterstützung für die Organisation und Entwicklung eines Projektes herangezogen wird.
  9. Die laufende Gestaltung eines eigenen E-Portfolios bringt notwendigerweise eine gewisse Komplexität mit sich: Eine Reihe von Dateien in unterschiedlichen Formaten müssen gesammelt und archiviert werden, um bei Verbesserungen, Änderungen etc. wieder hoch geladen werden zu können. Das bringt mit sich, dass ein E-Portfolio auch eine Datei- und Inhaltsorganisation sowohl auf der eigenen Festplatte als auch im Portfolio notwendig macht. Wiederum ist damit - wie unter Punkt 1 und 3 - ein Lernen grundlegender IT-Fertigkeiten in einem Sinn stiftenden Kontext verbunden.
  10. Weil E-Portfolio die Grenzen einzelner Fächer überschreiten kann es als ein Musterbeispiel für Interdisziplinarität im Lehren und Lernen dienen.
  11. Lernende erhalten mit einem E-Portfolio soetwas wie ein Archiv zur persönlichen Lerngeschichte. (Auch darauf habe ich selbst bereits mehrfach in Artikel hingewiesen, wie z.B. in Weblogs in Education.

Zusammenfassung

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die meisten von Sherman angeführten Verwendungsarten nicht sonderlich neu sind. Interessant habe ich jedoch 1,3 und 9. Daran habe ich bisher nicht so gedacht: Der Umgang mit E-Portfolios kann als Killer-Applikation zum Erlernen grundlegender IT-Fertigkeiten dienen, die nicht – wie das häufig der Fall ist – bloß als eine Funktion der jeweiligen Software geübt werden, sondern in einem Sinn stiftenden Anwendungskontext stattfinden. Ein besonderes Highlight des Beitrages ist auch die über mehrere Seite sich erstreckende Grafik eines Beispiels für Bildungsanforderungen für eine E-Portfolio Nutzung (5-7).

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