Unterstützung aus dem Web - Soziale Hilfeleistungen im vernetzten Lernen.
Die positiven Effekte der sozialen Kompeonente virtueller Netzwerke ergeben sich aus der Menge, Qualität und Erreichbarkeit sozialer Kontakte. Die sozialen Beziehungen in virtuellen Netzwerken wie auch die Online-Kommunikation wurden in den vergangenen Jahren zum Gegenstand theoretischer Auseinandersetzung und methodisch auf vielfältige Weise erforscht. In der anwendungsorientierten wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit den Neuen Medien entstand organisiertes e-Learning als in Softwareapplikationen gegossene Abbilder gängiger (auch sozialer) Lerntheorien. Die Virtualisierung sozialer Lernformen fand jedoch nicht nur im e-Learning statt, sondern auch im alltäglichen Gebrauch des Internets durch den Lernenden selbst. Die Erforschung von Netzwerkeffekten und die Analyse sozialer Netzwerke im virtuellen Raum ist also für das Lernen und die Ausformung neuer Lernkulturen als solche zu erweitern und in neuer Weise zu erschließen. Das folgende Kurzexposee möchte als Forschungsidee die Frage aufwerfen, wie und ob die virtuelle Vernetzung Lernenden als soziale Unterstützungsstruktur verstanden werden kann und wie bzw. in welcher Weise sich Lernende gegenseitig in ihrem Lernen unterstützen und das Internet bzw. die neuen Medien auch neue Lernwelt eröffnen und erobern..
Die Gesellschaft verändert sich in Richtung einer weitreichenden Virtualisierung und Globalisierung aller ihrer gesellschaftlichen Handlungsfelder. Das beeinflusst unsere alltäglichen Gewohnheiten und Verhaltensweisen im Umgang miteinander, es beeinflusst, wie wir einander begegnen, miteinander kommunizieren und auch wie wir lernen. Neue Medien und Kommunikationstechnologien sind inzwischen selbstverständliches Element unserer Lernumgebung geworden. Der gewohnheitsmäßige Gebrauch dieser Technologien verändert das Lernverhalten und dieser Wandel der Lernkultur äußert sich auch in veränderten sozialen Praktiken des Internetgebrauchs.
Digitalisierung und Vernetzung verändern das Potential und die Reichweite sozialer Lernaktivitäten: Lernende stehen als NetzteilnehmerInnen einer veränderten Form von Öffentlichkeit und Gemeinschaft gegenüber, die wesentlich auf Vernetzung und gegenseitige Bezugnahme und Partizipation basiert. Vor diesem Hintergrund entwickeln sich neue Formen des Wissenserbes und der Lernaktivitäten. Lerngeschehen beschränkt sich generell nicht auf den formalen Kontext (Unterricht, Lehre, Schulausbildung), sondern findet zu einem hohen Ausmaß auch informell statt. Für die lebenslang Lernenden verschränkt sich formale Aus- und Weiterbildung (Schule, Universität, Erwachsenenbildungseinrichtungen etc.) zunehmend mit internetvermitteltem, non-formellem Lerngeschehen. Die Erweiterung des persönlichen Handlungsraumes in den virtuellen Raum stellt auch eine Erweiterung der eigenen Lernumgebung dar. Die Reichweite an potentiellen Kontakten zu anderen Akteuren im Bereich des Interessengebietes erweitert sich ebenso, wie der Zugang zu Quellen, Inhalten und Lernressourcen in Form von interaktiven Trainings, Simulationen oder Lernnetzwerken.
Netzlernen: Die Perspektive dieser Arbeit wendet sich speziell jenen Formen und Mustern von Lernaktivitäten zu, die soziale Bezugnahme in Form von internetvermittelter Kommunikation beinhaltet und außerhalb konkreter formeller Bildungskontexte (Unterricht, Kurse, Trainings) stattfindet, also um Lernaktivitäten, die vom Lernenden seinen Interessen entsprechend selbst gestaltet, selbst organisiert und selbst gesteuert stattfinden. Die durch das Internet vermittelte und lernrelevante Kommunikation soll hier hinsichtlich ihrer Bedeutung als soziale Unterstützungsleistungen analysiert werden. Internetvermittelte (virtuelle) Kommunikation kann jedoch nicht aus dem Kontext der realen Lernbezüge gelöst werden, da die Form ihrer Übertragung (digital) ihre Inhalte, Funktion und Wirkung nicht weniger „real“ macht. Die Vermitteltheit stellt aber eine besondere Bedingungen der Kommunikation dar, die je nach verwendeten Kommunikationsformen und Formaten unterschiedliche Rahmenbedingungen darstellen, auf die in der Analyse eingegangen werden soll. Die Vernetzung im noch zu definierenden Begriff des Vernetzten Lernens bezieht sich also sowohl auf soziale Vernetzung, digitale Vernetzung als auch hinsichtlich der Vernetzung von Online- und Offline-Geschehen also hinsichltich der Vernetzung des Gelernten mit der Alltagswelt, Interessens- und Lebenslage der Lernenden.
Forschungsgegenstand:
Der Forschungsgegenstand ist sozusagen eine besonderer Form von Lerngeschehen, das ich hier als Netzlernen bezeichnen (und definieren) möchte und sich durch folgende Merkmale von anderen Formen des Wissenserwerbes abgrenzen lässt: Es ist internetvermittelt, vom Interesse des Lernenden selbst motiviert, geschieht außerhalb konkreter formeller Bildungskontexte (Unterricht etc.), es findet selbstorganisiert und vom Lernenden selbstgesteuert statt und schließt eine mittelbare Form gegenseitiger (sozialer) Bezugnahme von NetzteilnehmerInnen mit ein.
Fragestellung:
Das Erkenntnisziel der hier skizzierten Arbeit liegt nun darin, zu erschließen inwiefern die gegenseitige soziale Bezugnahme für den lebenslang Lernenden als NetzlernerIn eine Hilfe darstellen kann. Das heißt letztlich soll die Frage beantwortet werden, ob und welche soziale Hilfeleistung NetzlernerInnen subjektiv als solche wahrnehmen? Welche soziale Unterstützungleistungen generieren Lernende aus ihrer Netzkommunikation?
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